Kulturpegel

 
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ROY HARGROVE QUINTET im Bix

Ein Abend voller Jazz, Talent, Witz und Charme.

Bis in den letzten Winkel war das BIX mit Jazz-hungrigen Roy Hargrove Fans gefüllt. In gespannter Erwartung auf den vielversprechenden Künstler, der von einigen auch als Wunderkind betitelt wird, warteten alle gedrängt in schweißtreibendem Einklang. Um kurz nach halb neun erhob sich der Willkommen-Applaus und das Roy Hargrove Quintet betrat die Bühne.
Ohne Umschweife oder jegliche Floskeln stimmte die Band, bestehend aus dem Pianisten Jonathan Batiste, dem Altsaxophonisten Justin Robinson, sowie dem Bassisten Ameen Saleem und dem Drummer Montez Coleman, das erste Stück an.

Mit einer überaus professionellen Dynamik folgte nun ein Stück dem Anderen und versetzte das Publikum in die Zeit der 50iger, 60iger Jahre zurück. Ein Großteil der Stücke folgte dem gleichen Aufbau. Nach einer gemeinsamen Einleitung und einem großartigen Trompetensolo Roy Hargroves, folgten die Soli der anderen Musiker und endeten in einem überraschenden Finale. Jedes Solo zeigte herausragende Musiker, die perfekt aufeinander abgestimmt harmonierten. Hargrove schafft es in seinen Kompositionen die Soli interessant und ausgewogen in das Gesamte einfließen zu lassen. Nach jedem seiner Soli, gab er den anderen Musikern ihren Raum auf der Bühne und ging seinerseits in den Hintergrund. Was auffiel war, dass alle Künstler sehr aktiv und engagiert spielten. Trotz der jahrelangen Erfahrung und Professionalität herrschte eine lockere und temperamentvolle Stimmung auf der Bühne. Man sah allen den Spaß auf der Bühne an. In der ersten Stunde per formte das Quintett 12 Stücke. Darunter viele klassische Jazzstücke, aber auch eingehende Duette zwischen Bassist und Pianist sowie Soli Roy Hargroves. Doch wer dachte, dass Hargrove nur ein begnadeter Trompeter ist, der irrt gewaltig. In einigen Stücken glänzte er zudem mit seiner Stimme, die soulig und warm zum Saxophon klang. Auch an Tanzeinlagen ließ er es nicht mangeln.

Nach einer kurzen Pause folgte eine weitere zu 100 Prozent jazzige Stunde mit extravaganten Soli, tollen Rhythmuswechseln und einer unheimlich herzlichen Stimmung auf und neben der Bühne. Insgesamt zeigten sie 18 Stücke, wobei keines dem anderen glich. Kleine musikalische Jokes, wie das Einfließen der Melodie aus der Fernsehserie „Inspector Gadget“, ließen wieder die künstlerische Freiheit Roy Hargroves erkennen, die auch diesen Life-Auftritt zu etwas besonderen machte.

Wer mal wieder Lust auf hochwertigen Jazz gepaart mit interessanten Musikern hatte, kam an diesem Abend voll auf seine Kosten. Der Steve Urcel der Jazzszene hat mit Talent, Witz und Charme das BIX zum Kochen gebracht.

Text: Christin Erdmann

Text:
Gast
Geschrieben am
15. April 2018
Roy Hargrove Quintet Roy Hargrove Quintet
jazz, trumpet, funk, saxophone, seen live