Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Ry X & Das Stuttgarter Kammerorchester im Theaterhaus

Magie wurde angekündigt. Magie wurde abgeliefert.

Pünktlich zum Valentinstag kam der gebürtige Australier und momentan in Los Angeles ansässige Musiker Ry X im Rahmen seiner "the body sun" Tour in Stuttgart vorbei. Begleitet vom Stuttgarter Kammerorchester bespielte er das ausverkaufte Theaterhaus.
Neben Stuttgart tritt er außerdem noch in Berlin und München mit örtlichen Orchestern - dem Deutschen Filmorchester Babelsberg und dem Münchner Rundfunkorchester - auf.

Als Unterstützung hat er Hannah Epperson dabei, die junge New Yorker Neo-Klassik-Künstlerin – geboren in Salt Lake City, aufgewachsen in Vancouver. Sie bereitet mit ihrem Set aus selbst komponierten "Nicht-Liebessongs" das Publikum darauf vor, was an dem Abend noch kommen soll. Auch sie haucht und flüstert, loopt und zupft, steht wunderschön und barfuß auf der Bühne. Am Ende bedankt sie sich für die "Attentiveness" des Publikums.
Attentive - it is! Von der ersten Sekunde an lauscht das Publikum mucksmäuschenstill, aufmerksam, fast schon andächtig den Künstlern. Zwischen den Titeln fällt kein Wort - außer auf der Bühne. Und das bei über 1000 Leuten im Saal. Eine ganz besondere Stimmung entsteht.

Während Hannah Epperson mit Violine und Loopstation Solo auftritt, stehen eine knappe Stunde später elf Musiker auf der Bühne. Sieben davon aus dem Stuttgarter Kammerorchester. Violinen, eine Geige, ein Horn, ein Cello, ein Kontrabass, Percussion. Sowie Ry X und seine Band, die aus Drummer, Organist und Zweitstimme/Dirigent besteht. Er, der Sänger selbst, wechselt zwischen Akustik und E-Gitarren, Effekten, Keys und Loops. Außerdem singt beziehungsweise haucht er natürlich perfektioniert zerbrechlich Ry-x-like ins Mikrofon. Die Augen sind geschlossen - nicht nur bei ihm.

Meine Skepsis, dass das Besondere an Ry X Konzerten, nämlich das Rohe, die Intimität, die Atmosphäre, in solch großem Rahmen mit zusätzlicher orchestraler Untermalung verloren geht, war unnötig.

Klar ist es eine andere Konzert -Erfahrung, als mit knapp 300 Leuten im MMA München auf dem Boden zu sitzen und Ry Cummings samt Zwei-Mann-Band bei fast schon symbiotisch anmutenden Improvisationen und Interpretationen, des damals neu erschienenen Albums "Dawn", zu lauschen. Anderer Rahmen, anderes Erlebnis. Aber diesmal ist "anders" gut.

Es wurde nicht zu viel gewollt und dadurch nicht alles verloren. Die Arrangements waren dezent und sinnig. Es gab immer noch Kerzen auf der Bühne, trotz Scheinwerfer. Der wummernde Bass, Keys und Drumpad wurde nicht durch den Kontrabass, Horn und "Klein-Streicher" ersetzt, sondern ergänzt. Das war schön.

Die neuen Songs, die er vor allem zu Beginn des Konzerts spielt, schwimmen in der gleichen leicht getragenen Melancholie, wie Bekanntes, und scheinen ebenfalls über alle Genregrenzen hinweg zu funktionieren. Die Themen: Gefühle, die Fragilität des Lebensmoments, Herzschmerz. Nur ohne Kitsch und irgendwie ziemlich nah.

Er beendet das Konzert mit "Howling", der von Frank Wiedemann ( Amê ) elektronisch aufbereitete Track, der Europa 2012 erstmals auf Ry Cummings aufmerksam machte. Der gesamte Saal steht und tanzt - oder sagen wir wippt - schwooft - oder bewegt sich. Auch bei "Only" der Zugabe. Wortlos immer noch. Alle sind da - so ganz da. Schon ein bisschen magisch dieser Ry X.

Text: Inga Schuler

Text:
Gast
Geschrieben am
16. Februar 2018
RY X RY X
Indie, folk, singer-songwriter, seen live, indie folk