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Sepultura + Support: Obscura, Goatwhore, Fit for an Autopsy im LKA

Stahlgewitter über Stuttgart.

Pünktlich um 18.45 Uhr betritt mit Fit for an Autopsy aus New Jersey die erste von vier knüppelharten und kompromisslosen Bands an diesem Abend die Bühne des nicht ganz ausverkauften, aber sehr gut besuchten LKA in Stuttgart Wangen. Headliner Sepultura haben sich für ihre „Machine Messiah Tour 2018“ mit ihnen und den im Anschluss spielenden Goatwhore, mächtige Verstärkung aus dem Deathcore und Death Metal/Black Metal Lager geholt. Das in Landshut gegründete und in Fachkreisen hochgelobte Progressive Death Metal Quartett Obscura komplettiert die Support-Riege, bevor gegen 22 Uhr dann Sepultura die Bühne entern. Aber der Reihe nach.

Noch sind die Reihen recht licht als Fit for an Autopsy ihr knapp 40 minütiges Set beginnen.
Diejenigen die um diese frühe Uhrzeit schon Bock auf krassen, politischen Deathcore haben, werden aber mit einer hingebungsvollen und energetischen Show belohnt, die mehr als nur ein akzeptabler Opener für dieses Downtuning Festmahl ist. Die Musik von Fit for an Autopsy ist garniert mit progressiven Elementen und lebt von der politischen Botschaft, die auch auch auf dem letztjährigen Album „The great collapse“ ausführlich thematisiert wird. Überraschende Breakdowns und abwechslungsreiche Strukturen durchziehen ihre Songs, die sie live an diesem Konzertabend rücksichtslos und ultratight darbieten. Frontmann Joe Badolato kommuniziert wortreich mit dem Publikum und erweist sich als unterhaltsamer Performer, was in diesem Genre nicht die Regel ist. Tolle Band mit leider sehr knapp bemessenem Timeslot.

Auch die zweite Band dieses Billings, Goatwhore, ist mehr als bemerkenswert. Offenbar erholt sich ihr charismatischer Sänger Louis Benjamin Falgoust gerade von einer Fußverletzung, denn er betritt mit Gipsbein und auf Krücken gestützt die Bühne und bestreitet den Abend auf einem Showcase sitzend, was seiner Präsenz aber keinerlei Abbruch tut. Goatwhore spielen einen energetischen Black Metal der seine Wurzeln im Trash Metal, Hardcore und Punk hat. Der derzeit angesagte, tendenziell symphonische Black Metal ist nicht ihr Ding. Mit Sammy Duet (Ex- Acid Bath, Crowbar) ist ein versierter Gitarrist an Bord, der gnadenlos und beständig Riffs im Stile von Celtic Frost raushaut und eine astreine Metal-Gitarre spielt. Mit Louis Falgoust hat die Band auch einen äußerst stimmgewaltigen Frontmann, der die Zuschauer auch trotz eingeschränktem Aktionsradius in seinen Bann schlägt. Die Songauswahl ist klasse und schlägt einen Bogen von „A haunting course“ bis „Vengeful Ascension“.
Summa summarum eine sehr ausdrucksstarke Performance bei dem auch die kleinen Timing Probleme des Schlagzeugers gegen Ende des dreiviertelstündigen Gigs nicht weiter ins Gewicht fallen.

Gegen diese beiden vorangegangen Bands wirken Obscura vergleichsweise etwas steril in ihrer Darbietung. Technische Aspekte ihres Spiels scheinen ihnen sehr wichtig zu sein, vielleicht leiden darunter die Vibes, auch wenn es sehr beeindruckend ist, welchen Donner Bassist Linus Klausenitzer auf seinem sechssaitigen Fretless Bass entfaltet. Spielen können sie ausnahmslos hervorragend und tight sind sie auch, dennoch ist augenscheinlich, dass die Stimme des Frontmanns Steffen Kummerer etwas weniger durchsetzungsstark rüber kommt, als die Lead-Stimmen der drei anderen Bands des Abends.

Sepulturas abschließende Headliner-Show ist solide, kraftstrotzend und von großer Souveränität geprägt. Aber sie ist nicht herausragend oder gar episch. Man muss der Band aber zu gute halten, dass die Aufgabe auch nicht ganz einfach ist. Da hat man ein von der Kritik hochgelobtes, neues Album, „Machine Messiah“ am Start und gleichzeitig ein Vermächtnis aus 30 Jahren Bandgeschichte mit Songs wie „Inner Self“ in Ehren zu halten, wegen dem viele der Zuschauer augenscheinlich gekommen sind. Und über all dem schwebt dann auch noch immer der Geist von Ex-Frontmann Max Cavalera, obwohl er der Band bereits seit gut 20 Jahren nicht mehr angehört.
Der erste Teil der Show ist dann geprägt von neuem Material wie „I am the enemy“, „Phantom Self“, „Sworn Oath“ und „Resistant Parasites“ vom aktuellen Album „ Machine Messiah“ und Titeln wie „Kairos“.
Nach einem minimalen energetischen Durchhänger in der Mitte des Sets leiten Sepultura dann ein furioses Finale mit „Refuse/Resist“ vom 1993er Album „Chaos A.D.“ ein, dem weitere Songs aus der Trash-Metal geprägten Frühphase der Band folgen sollen, ehe dann ein inbrünstiges „Roots“ den Abend beendet.

Musikalisch haben es Sepultura nach wie vor drauf und Derrick Green ist ein großartiger Sänger und Shouter. An der Songauswahl gibt es auch keine Kritik, setzt sie sich doch aus den Highlights ihrer Schaffensphase zusammen, zu denen Alben wie „ Chaos A.D.“, „Roots“, „Beneath the remains“, „Against“ und „Arise“ definitiv zählen. Auch das aktuelle Songmaterial überzeugt in größten Teilen.
Auch ist Andreas Kisser ein versierter Gitarrist, wenngleich seine solistischen Beiträge weitestgehend einem ähnliche Schema folgen.
Kurz bestreitet er auch an einer Akustik Gitarre ein spanisches Gitarren Intermezzo, bei dem er zeigt, dass er nicht nur brachial, sondern auch filigran kann. Die Rhythm Section, bestehend aus Eloy Casagrande an den Drums und Paulo Xisto Pinto Jr am Bass agiert wie gewohnt in brettharter und trotzdem transparenter Manier. Sepultura scheinen immer genau zu wissen was sie tun, und das machen sie beständig auf hohem Metal Niveau - allerdings macht sie das auch mitunter etwas berechenbar, trotz der variantenreichen Strukturen und Sounds. Kurze ethnische Sound Elemente, die hier und da auftauchen, gehören seit jeher zu Ihrer Klamottenkiste. Selbst die aus dem brasilianischen Karneval oder Reggae bekannte Timbal Trommel kommt bei Ihnen zum Einsatz, ebenso der Surdo, der von Sänger Derrick Green bei zwei Stücken geschlagen wird. Sieht optisch nett aus, aber ob das zwingend sein muss, ist fraglich. Inhaltlich reißen sie damit nicht viel. Aber Sepultura wissen nunmal auch verdammt gut, wie man eine Metal Show inszeniert. Und beim Zusammenstellen des Tour-Billings für die „Machine Messiah Tour 2018“ haben sie und ihr Management definitiv ein gutes Händchen bewiesen.

Text:
Mike Rilling
Geschrieben am
12. März 2018
Sepultura Sepultura
thrash metal, metal, death metal, brazilian, heavy metal