Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Sizarr im Universum

Gegen Kinderkrankheiten zum Tourauftakt sind wir eigentlich geimpft...

Spontan und schlecht vorbereitet bin ich am Donnerstagabend aufgrund eines ganzen Haufens erkrankter Pegler ins Universum gesprungen.
Kurze Bedenken, ob das Universum durch die Vorkommnisse des Nachmittags rund um den Charlottenplatz überhaupt für Konzertbesucher erreicht werden kann, wurden durch die fleißigen Facebook- Mitteilungen der Polizei Stuttgart schnell beseitigt.
Verspätet ging es dann trotzdem los. Zunächst mit einer äußerlich sehr jungen Band, doch musikalisch deutlich erwachseneren Zügen. Einen Namen kann ich an dieser Stelle leider nicht nennen, da sie noch keinen passenden für sich finden konnten. So bleibt nur der Eindruck von Joy Devision und neuer deutscher Welle im Jugendhaus-Stil.

Nach kurzer Pause betreten Sizarr die Bühne. Das Publikum scheint größtenteils aus eingesessenen Fans der drei Landauer zu bestehen. Naja, ist ja quasi ein Fast-Heimspiel.
Sie starten etwas unsicher mit Songs ihres neuen Albums wie I May Have Lied To You und Clam und entschuldigen sich für die Kinderkrankheiten ihres Tourstarts. Gegen Kinderkrankheiten sind wir natürlich alle geimpft und bekommen kaum etwas davon mit. Es folgen die zwei Ohrwürmer des ersten Albums Run Dry und Purple Fried und die Menge ist selbstverständlich textsicher.
Die Songs ihres neuen Albums Nurture überzeugen mit beeindruckendem Zusammenspiel der drei. Das ist schon bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass die neue Platte zwischen drei Städten Deutschlands produziert wurde.

Etwas gedämpft wird meine Euphorie über die eingängigen und tanzbaren Stücke durch die unbeholfenen und unnahbaren Kommentare des Sängers und Gitarristen Fabian Altstötter. Sie wirken einstudiert und geschwollen, als hätte der Leonardo DiCaprio aus Romeo und Julia den Mr. Shakespeare persönlich verschlungen. Dabei wäre die Schleimerei bei der Anzahl an Fans, die das Universum heute Abend für das erste Konzert der neuen Tour aufgesucht haben, gar nicht nötig gewesen. Hoffentlich nur eine heilbare Kinderkrankheit.

Da freut es mich umso mehr, dass mit einem Solo am Keyboard á la „Mit schwarzen Boots am Klavier“ endlich etwas mehr Persönlichkeit die Bühne und den Raum füllt und dem Nachfolgenden eine emotionalere Stimmung verleiht. Neben der makellos eindringlichen Stimme Fabians überrascht auch der sympathische Philipp Hülsenbeck mit seinem Stück. Mein ganz eigenes Highlight ist wohl der gelungene Versuch in Baggage Man deutschen und englischen Text zaghaft zu vermischen.

Nach kurzem Abgang und eines wiederum schlechten Kommentars Fabians bildet Timesick den krönenden Abschluss eines musikalisch gelungenen Abends.
Die Schlange an jungen Damen am Merchandise Stand sagt mir, dass ich wahrscheinlich zu „alt“ bin für schleimige Arroganz, aber vielleicht hör ich das nächste Mal zwischen den Songs einfach weg und konzentriere mich auf das Wesentliche.

Text:
Jenny Ziegeler
Geschrieben am
27. März 2015
Sizarr Sizarr
Indie, electronic, alternative rock, german, rock