Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Spaceman Spiff & Marcel Gein im Zwölfzehn

"Egal kann so schön sein. Und ich hoffe, wir sind bald wieder so schön egal wie hier jetzt gerade."

Leicht mit ein paar Wulle angetrunken sorgt der Perry O’Parson-Frontmann Marcel Gein für wohlige Stille im kleinen Zwölfzehn. Ehrliche Texte und wahre Geschichten aus dem Leben hat er zu erzählen, bevor Spaceman Spiff auf die Bühne tritt. Er schafft es sogar beim Gitarre stimmen nette kleine Anekdoten über seine Liebe zu Ryan Adams oder übers Spagettiessen vor dem Auftritt zu verlieren.

Ein bisschen zappelig und gleichzeitig voller Energie steht er dann vor uns, dieser Spaceman Spiff, der im wahren Leben eigentlich Hannes heißt. Zusammen mit einer hübschen Cellistin namens Clara, die sanft über ihr Instrument streicht, füllt er mit seiner Musik die ansonsten leer wirkende Bühne aus. Manchmal nach Luft ringend, manchmal ganz ruhig ausatmend lässt uns seine Mimik immer wieder seine Ernsthaftigkeit spüren.

Ständig leicht irritiert von der Lüftung, ohne die er in Badeshorts spielen würde, pustet Spaceman zwischen seinen Songs zurück, so arg er kann. Bringt erstmal nix, aber keine Sorge, es tut dir nichts, wenn du es ignorierst und einfach nur passierst. Nach jedem Lied wird der letzte Klang abgewartet, bevor der erste Besucher es wagt zu klatschen. Jeder einzelne im Raum hängt an Spaceman Spiffs Lippen und das einzige, was immer wieder zu hören ist, ist ein leises, unaufdringliches Mitsingen. Vor allem Teesatz ist der Song, bei dem sich wirklich jeder angesprochen fühlt.

Ein großer Moment an diesem Abend war dann die wunderbare Version von Mind The Gap. Während die U-Bahn spürbar mit jedem bassigen Klang aus dem Cello an uns vorbeirauscht, verlieren wir uns in den Worten des Musikers vor uns, die uns noch nie so deutlich wurden: Ich glaub mich zu bewegen, doch werd ich transportiert. Auf betonierten Wegen hab ich mich verirrt.

Im Hintergrund werden wir immer auf dem neuesten Fußball-Stand gehalten. 1:0, 1:1 und am Schluss 3:1. Passend dazu widmet Spaceman Spiff dem VfB Zeit Zu Bleiben*. Gegen Ende des Abends hat man das Gefühl, mehr kann er eigentlich kaum im Repertoire haben. Das war doch schon so viel. Sogar Volkslied wird gewünscht und gespielt. Zur Zugabe zaubert er einen neuen Song namens Norden aus dem Hut: Bitte Raub mir den Atem, gib ihn nie wieder her. Bis ich vergesse, wie Luft schmeckt, bleib ich bei dir.

Zum endgültigen Abschluss gibt's noch ein gute-Nacht-Lied mit Clara an der Gitarre und Hannes am Cello. Besser kann man es nicht in Worte Fassen: Auf den guten Abend folgt die gute Nacht.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
29. April 2015
Spaceman Spiff Spaceman Spiff
singer-songwriter, acoustic, german, Indie, singer/songwriter