Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Spoon in der Manufaktur

Zum 50. Manufaktur-Jubiläum beschenkte uns Spoon mit einem musikalischen Feuerwerk.

Aufgrund lokaler Unwetter und einer daher stark verspäteten S-Bahn kommen wir leicht durchnässt und abgehetzt an der Manufaktur an. Vor der Manufaktur steht ein großer Tour-Bus und ein alterstechnisch bunt zusammengewürfeltes Publikum quatschend im Vorhof. Im Einlassbereich prangt ein großes Schild mit dem bei einer Band wie Spoon zu erwartenden Wort „Ausverkauft“.

Der bereits seit etwa 20:30 Uhr spielende, in einen äußerst schnittigen Hausmantel gehüllte Solo-Künstler And The Golden Choir heizt das ohnehin schon subtropische Klima in der Manufaktur noch weiter für den Main Act auf.
Dann, nach einer Umbaupause inklusive Soundcheck von etwa einer dreiviertel Stunde, leert sich die Bühne, das Licht geht aus und die Musik verstummt. Ein Member der Band tritt auf die Bühne und stimmt an einem Pult voller Keyboards und Synthesizern ein sphärisches Klangbett an, welches sich nach einigen Minuten immer mehr zum Intro des Songs „Do I Have to Talk You Into It“ wandelt. Nun kommt unter begeistert ausbrechendem Applaus der Rest der Band auf die Bühne und stimmt in das Lied von ihrem aktuellen Album „Hot Thoughts“ ein. Das Publikum ist sofort voll gepackt und es erscheint beinahe unmöglich bei dieser energiegeladenen und mitreißenden Musik die Füße still zu halten. Auffällig ist eine Doppelbesetzung an den Keys, die das Klangbild der fünfköpfigen Band an manchen Stellen fast schon psychedelisch wirken lässt. Zum zweiten Song „Inside Out“ eilt sogar Britt Daniel den beiden Keyboardern zu Hilfe und zusammen hauen sie am Ende des Liedes zu dritt in die Tasten. Damit aber auch die Gitarren-Fans nicht zu kurz kommen, wechseln die Keyboarder im darauffolgenden Titel „I Turn My Camera On“ zu ihren E-Saiten.

Während der Ansage vor dem Song „Hot Thoughts“ entschuldigt sich Britt Daniels für seine nicht vorhandenen Deutschkenntnisse und wünscht der Manufaktur zum 50-jährigen Bestehen ein „Happy Birthday“. Ebenfalls kündigt er an, dass - was natürlich die meisten Fans schon längst bemerkt haben - ein paar neue und alte Songs gespielt werden. Untermalt wird das musikalische Gesamtbild von einem Falten werfenden Vorhang, der durch die Lichtshow stimmungsvoll zur Geltung kommt. Nach einigen weiteren Songs verlässt die Band bis auf einen Keyboarder die nun abgedunkelte Bühne. Eric Harvey schafft es mit einen fast fünfminütigen, flächigen, zum Träumen anregenden Synthiesound einen perfekt gelungenen Stimmungswechsel einzuleiten. Der nun folgende, wohl ruhigste und dramatischste Song „I Aint´t the One“ wird von Britt Daniel passend dazu auf dem Boden liegend und singend begonnen.

Auch bei den darauffolgenden, nun wieder flotteren Liedern, fallen besonders die oft schon exzentrisch wirkenden Posen des 47-jährigen Frontmanns auf. Kurz schmunzeln muss ich, als der Schlagzeuger Jim Eno während ihres Hits „The Underdog“ eine Rassel in Richtung des überrascht dreinschauenden Alex Fischel wirft und sich beide darauf angrinsen. Nach dem 14. Song des Abends verlässt die Band unter tosendem Applaus und Zugabe-Rufen die Bühne, nur um kurz darauf 4 weitere Zugaben zu spielen. Der krönende Abschluss gelingt Spoon mit ihrem durch TV-Shows wie unter anderem O.C. California berühmten Song „The Way We Get By“.

Abschließend kann ich nur sagen, dass dies wohl eine meiner besten und packendsten Konzerterfahrungen der letzten Jahre war und ich mich noch lange daran zurück erinnern werde. Klar haben wir die Chance genutzt, Britt Daniel persönlich für das Konzert zu danken, als er nach der Show in der heimeligen Manufaktur ganz unverhofft vor uns stand und frech in unsere Kamera linste.

[Text: M. Kling]

Text:
Gast
Geschrieben am
11. Juni 2018
Spoon Spoon
Indie, indie rock, seen live, alternative, rock