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Stick To Your Guns im Wizemann
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Stick To Your Guns im Wizemann

Ungehorsam. Unbeherrscht. Ungehalten: Stick To Your Guns geben ihr Hardcore-Meisterwerk Disobient in Stuttgart zum Besten. Und bleiben in Sachen Sound leider unausgegoren.

Fremd im eigenen Club.
Das Im Wizemann macht nun also auch Hardcore Shows. Normalerweise nicht wirklich ihr Fachgebiet, finden sich hier üblicherweise doch hauptsächlich Pop- oder Elektro-Bands ein. Doch auf den ersten Blick scheint der große Saal all das bereit zu halten, was die vier Bands, die da noch kommen, für eine gute Show gebrauchen können: Platz und eine stattliche Anlage. Perfekt, denn wir hatten Bock und wollten was aufs Ohr. Ring frei also für Wolf Down.

Das „X“ im Bandnamen Wolf Down ist nun raus. Doch die Energie keineswegs: Die Wölfe betreten die Bühnenbretter unter verhaltenem Jubel. Nur, um sie direkt mit ihren Beatdowns zu zerlegen. Doch leider tönt die literarische Übertreibung genau so: Als würde man auf Stahl klopfen. Matschig und blechern tönt die Anlage des Im Wizemann. Es sollte für den ganzen Abend so bleiben. Doch Wolf Down, lassen sich keineswegs beirren und betören die Hardcore-Jünger auf der Suche nach Bedeutung mit glasklaren Botschaften: Zur Befreiung von Kriegsgefangenen wird hier mehr aufgebrüllt als aufgerufen. Und zur Verteidigung von Tierrechten. Der Pulk antwortet mit verhaltenem Moshen, das sich steigert, als Jesse von Stick To Your Guns Fronter Dave zum Abschluss mit seinem Organ unterstützt.

Zügig übernehmen Counterparts und sorgen für ein Feuerwerk des melodischen Hardcores: Schreiend, schleppend und schlagkräftig ziehen die Kanadier alle Register. Wäre da nicht diese schreckliche Brühe an Sound, die überall aus den Boxen läuft. Doch auch Counterparts nehmen nicht weiter darauf Rücksicht. Sie fordern das Publikum zu immer mehr Bewegung auf und eine immer größer werdende Menge kommt ihrer Forderung gerne entgegen. Kurz und knackig fuhrwerken sie sich durch ihr Set, das sich mit Stillborn, Stranger, Choke und Burn stark auf ihre jüngste Platte Tragedy Will Find Us konzentriert.

Alles ist eine Kopie.
Die nachfolgenden Stray From The Path haben, so scheint es, durch ihre letzten Shows im Juha West und in der Karlsruher Stadtmitte einige Fans dazu gewonnen. Denn mit so einer überwältigenden Begrüßung hätten wir in Stuttgart nicht gerechnet. Ein großer Moshpit wütet direkt durch den Wizemannschen Saal und spuckt permanent Stagediver in den Graben. Stray From The Path präsentieren sich souverän und stark. Auf alte Lieder wird fast gänzlich verzichtet. Zwei Songs von Anonymus stehen im Vergleich zu acht Songs von Subliminal Criminals.
Und so grooven sich Drew und seine Mannen mit all ihren Altlasten im Hip Hop und DJing der 80er energiegeladen in einen Siegeszug. Selbst wenn man zweimal Hinschauen muss, um auf den Bühnenbrettern nicht Rage Against The Machine zu erahnen. Selbst wenn die Band sich dank Beleuchtung im Halbdunkel befindet. Die Moshpit-Kids kümmert das keineswegs. Und Kreativität bedeutet ohnehin immer Kopieren.

Höher, schneller, weiter.
Doch das eigentliche Highlight hält der Abend noch parat: Stick To Your Guns. Im Dunkel beginnt der sympathische Fronter Jesse bereits die ersten Lyrics von It Starts With Nothing. Die Band stürmt die Bühne. Und der Hit Against Them All macht alles dem Erdboden gleich. Doch herrscht auf den Brettern koordiniertes Chaos: Die Gitarrenfraktion springt höher, schneller und weiter, während Jesse immer wieder auf die Absperrung zugeht, um Kontakt mit der Crowd aufzunehmen. Und hinter dicken Rauchwolken zerlegt Drummer George seine Stöcke. Nun ist der schlechte Sound auch völlig egal, denn die Szene-Kids geben Vollgas und wirbeln vor der Absperrung, als gäbe es kein Morgen.

Und das hat einen Grund. Denn statt überlangen Spielzeiten gibt es bei Stick To Your Guns genau eine Stunde voll auf die Mütze. Hits wie D(I AM)OND und Nobody werden schlau in petto gehalten, um dem Publikum zum Ende hin den Gar auszumachen. Wie sehr die Truppe aus Orange County den Zahn der Zeit trifft, zeigt die euphorische Publikums-Reaktion auf diese Band, die vor wenigen Jahren wirklich niemand auf dem Radar hatte. Dennoch bleibt ein Wermutstropfen: Obwohl alle Bands einen bleibenden Eindruck hinterlassen, zeigt sich das Im Wizemann nicht wirklich von seiner besten Seite. Die Lichtshow hätte stimmungsvoller eingesetzt werden können. Auch einen besseren Sound hätten die Bands verdient. Vielleicht passiert bei zukünftigen Shows ja mehr in den beiden Punkten. Bis dahin hören wir Disobient einfach nochmal über die heimische Anlage.

Text:
Rene König
Geschrieben am
17. Februar 2016
Stick To Your Guns
hardcore, metalcore, melodic hardcore, straight edge, moshcore
Stray from the Path Stray from the Path
mathcore, hardcore, chaotic hardcore, metalcore, grindcore
Counterparts Counterparts
melodic hardcore, metalcore, hardcore, melodic metalcore, canadian
Wolfdown