Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Tito & Tarantula im franz.K

Ein Mann. Eine Gitarre. Eine Sonnenbrille. Tito & Tarantula machten das franz.K zum Titty Twister

Wie nicht anders zu erwarten, war die Stimmung im Publikum feuchtfröhlich und es wurde gefachsimpelt, ob From Dusk Till Dawn nun von Tarantino oder Rodriguez ist. Natürlich hat Robert Rodriguez bei dem Vampir-Horrorfilm Regie geführt. Bunt gemischt, ob nun Metaller oder betagter Hippie, wurde dem emsigen Aufbauen auf der Bühne zugeschaut, bis mit ein wenig Verspätung Meister Tito und seine Band aus dem Schatten nach vorne traten.
Tito & Tarantula – eigentlich in quasi Originalbesetzung beworben, zeigte sich leider ohne Gründungsmitglied Peter Atanasoff. Gut, solche Besetzungswechsel ist man langsam von den Mexikanern gewohnt, doch schade war es dann doch. Dafür brillierte neben Titos linker Flanke seine Tochter Lolita am Bass. Mit ihrer leicht lasziven Spielart und ihrem offenherzigen Outfit zog sie die Blicke auf sich. Kein Wunder, dass es bei ihr vor der Bühne immer voller wurde. Doch niemand konnte den Meister selbst in den Schatten stellen. Tito Larriva liebt und lebt für seine Musik und lies immer wieder bluesige Riffs aus seiner Gitarre gleiten. Mit 19 Liedern war die Setlist opulent bestückt, leider blieben dadurch auch seine Anekdoten zwischen den Liedern teilweise aus. Am Mittwochabend erzählte er uns Geschichten, wie er Tom Waits' Ersatz bei einem deutschen Film wurde und dass er Mexican Sky auf einem brodelnden Vulkan geschrieben hat.

Ein weiterer Blickfang, leider ein wenig versteckt auf der Bühne, war Tausendsassa Allysa Grace. Mal Violine, mal Mandoline spielend begab sie sich in ihre eigene Welt und träumte sich von Stück zu Stück. Ab und zu nahm sie auch das Publikum wahr und lächelte schüchtern.

Wieder die Blicke auf Tito gerichtet, bediente er sich gerade aus seinem beachtlichen Gitarrenfundus und stimmte ohne große Ankündigung After Dark an. Das doch eher ruhige Publikum im franz.K stimmte zum Jubel an sang lauthals mit. Nebenbei durften auch noch ein paar Damen auf die Bühne, um ein wenig den „booty“ zu „shaken“. Die Stimmung blieb fulminant stark mit weiteren Tarantism Klassikern wie Angry Cockroaches und Strange Face Of Love. Und wie beendet man standesgemäß einen Blues-getränkten Konzertabend? Richtig, mit La Bamba! Bitte was? Den ollen Schinken bringt er etwa? Aber natürlich, denn diesen Song kann ja schließlich jeder mitsingen, meinte Tito, und er sollte recht behalten. Unter Jubel verließ die Band kurz die Bühne, um als letzte Zugabe Torn To Pieces zu spielen.

20 Jahre Tarantism - davon hat man bis auf wenige Lieder nicht viel gespürt, was nicht weiter schlimm war, sondern Perlen wie Mexican Sky den Abend abwechslungsreich gestalteten.
25 Jahre Tito & Tarantula – ein bestens aufgelegter Tito Larriva mit seinen virtuosen Mitmusikern und natürlich seiner Tochter. Davon gerne noch weitere 25 Jahre.

Text:
Rene König
Geschrieben am
16. September 2016
Tito & Tarantula Tito & Tarantula
reggaeton, pop, spanish, demoscene, male vocalists