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Turbostaat im franz.k Reutlingen
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Turbostaat im franz.k Reutlingen

Immernoch auf Tour sind mit aktuellem Album Das Island Manøver Turbostaat, welche es nach einer heißen Festivalsaison nun wieder in die Clubs des Landes zieht. Knifflig-kluge deutsche Texte, eine fabelhafte Portion Härte, feine Melodien, Turbostaat - das und mehr gab es am 15.10.2010 im franz.k in Reutlingen zu sehen.

Turbostaat sind nicht mehr länger nur die auf Dauer gemietete Vorband der Beatsteaks. Gefühlte 100 Konzerte gaben sie bisher allein in 2010. Doch anders als bei so Einigen, die die Bühnen der Welt für sich beschlagnahmen, so oft man den Namen auch gelesen hatte, Turbostaat blieben sympathisch und interessant. Auch das vierte Album Das Island Manøver offenbart einem auch nach jedem noch so often Durchlauf neue Facetten. Zurecht bekam das so viel Resonanz wie keines zuvor - und die war dann auch noch durchgehend positiv.

Doch bevor die Formation vom anderen Ende der Welt heute ihren deutschprachigen und melodieverliebten Punk aus Flensburg an die Leute bringt, ringen Monochrome um die Gunst der Zuschauer. Und diese sind weitaus farbenfroher als es ihr Name vermuten lässt. Denn Monochrome verfahren sich in keinem Genre und brechen in jede denkbare Richtung aus. Immerhin bleiben sie aber innerhalb des großen Begriffs Rock, sodass das alles gerade noch einen überschaubaren Rahmen hat. Das Duo Marc Calmbach und Kate Complikate am Mikrofon bleibt dazu kaum ruhig, tanzt mit den Gitarren und verliert sich in dem großartigen Sound, den die Band dahinter fabriziert. Zur Zugabe gibt es laut Ansage ein Experiment, welches sich als raues und schnelles Monster entpuppt, mit Handstand und Mikrofon im Mund versehen. Seltsam, dass es diese stilungebundene und musikalisch hochwertige Band noch nicht auf die ganz große Bildfläche geschafft hat.

Insel lässt dann das Kulturzentrum franz.k in Reutlingen aufhorchen, nachdem sich die fünf Mann von Turbostaat zu stillgelegten Hafenklängen auf die Bühen trauen. Husum, verdammt! proklamiert Jan Windmeier - und die Anwesenden schließen sich an. Ein altes Stück, das nicht alleine da steht. Besonders Vormann Leiss wird mit der Setlist gerühmt. Im Vordergrund sind aber die neuen Stücke wie Surt und Tyrann, Oz Antep oder das psychotische Titelstück. Die Band ist von der ersten Sekunde an voll da, der Schweiß perlt schon nach den ersten Songs, was eventuell auch an der angeheizten Menge liegt, die von Song zu Song hemmungsloser wird. Spätestens zur Single Pennen Bei Glufke wird da im großen Stil mitgetanzt.

Turbostaat überwerfen sich vor Spielfreude, gesunden Melodien, bedingter Härte und wahnsinnigen Texten, welche auch in der Menge sicher sitzen. Das erste Date, wie Sänger Jan den Auftritt in Reutlingen nennt, ist ein heißes und keineswegs ein zurückhaltendes. Man kennt sich ja auch schon lange und weiß genau, wie man miteinander umzugehen hat. Das da noch viel gehen kann, wissen sowohl Zuschauer als auch Band und so verwundert es nicht, dass Turbostaat zwei Mal nach draußen gerufen werden, um weiterzumachen. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, vielleicht sogar die vom Albumcover der aktuellen Platte. Und die wird auch aufgesetzt, mit einem runden und perfekten Abschluss. Denn 80 Minuten nach dem ersten Husum, verdammt! Gewitter gibt es nochmal dasslebe um die Ohren. Dann bleibt Applaus. Gefeiert wird hier eine Band, die ihren eigenen Weg längst gefunden hat. Und das ist kein schlechter.

Trotz Ankündigung von Turbostaat bleiben für die letzte Band I Not Dance dann leider nicht mehr viele im franz.k. Es ist mit Sicherheit ein undankbarer Slot als Band, nach dem Hauptact aufzutreten. I Not Dance aus dem Voralberg bekommen das zu spüren und haben es so doch gar nicht verdient. Eine bissige Instrumentierung, die mit lautem und brachialem Gesang versehen wird, findet doch immer wieder einen Moment Ausgeglichenheit. Das noch unbekannte Trio hat Potenzial. Das können aber leider heute Abend nicht mehr viele beurteilen, da die Meisten schon jetzt zufrieden nach Hause gegangen sind.

Text:
Stefan Haug
Geschrieben am
05. Oktober 2010
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