Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Turbostaat und Ef

Es gibt Dinge, die passen gut zu einander: Spätzle mit Soße oder Bier und Konzerte. Was nicht zueinander passt: Eine deutsche, bekannte Band und ein zu kleiner Club.

Als um halb 9 die meisten Leute auf die Vorband warteten, war im Club Zentral die Hölle los. Kein Durchkommen zu Bar oder Klo und der Konzertraum füllte sich erschreckend schnell bis an die Eingangstür. Aber das sind alles nur Randnotizen im Nachhinein für diesen Abend, da „wirklich jeder da sein wollte“ (Wie auch Turbostaat Sänger Jan während des Konzertes bemerkte).
So starteten die Postrock-Schweden Ef auf einer komplett dunklen Bühne. Und Ef waren herausragend als Vorband, in musikalischer Hinsicht und auch menschlich. Postrock und Punkrock teilen sich bis auf das „P“ und drei Buchstaben zwischen dem „Rock“ nicht wirklich viel. Okay, Gitarren vielleicht noch. So herrschte leichte Verwirrung und beim ein oder anderen auch Feindseligkeit gegenüber dieser Truppe. Doch mit Hymnen wie Sons Of Ghosts oder Delusions of Grandeur wurden die Wogen der Wut geglättet und verwandelten sich in Harmonie. Verdammt tight und ohne Schnitzer gingen die Schweden in ihrer Musik auf und explodierten an den lauten Stellen förmlich. Kurzfristig musste man sich in Acht nehmen, da die Gitarristen ins Publikum sprangen, um von dort aus den Text mitzusingen.
Eine äußerst packende Erfahrung, die ich mir auch 2 Stunden lang angeschaut hätte!

Nach dem Auftritt vonEf waren die Nachteile des Clubs schnell deutlich: Es war eine Affenhitze in dem Schuppen, die Toiletten waren viel zu klein für die Menge an Menschen und das Barpersonal kam überhaupt nicht hinterher mit den Bestellungen. Oje, oje. Aber gottseidank spielte Turbostaat ja kurz im Anschluss.

Fast ohne Schnickschnack traten die gebürtigen Flensburger den Stuttgartern entgegen. Also kein Banner, keine Sidedrops oder anderer Krimskrams. Einzig ein durchgebranntes Schirmlämpchen machte die Bühne zum Turbostaat´schen Wohnzimmer. Bemerkenswert war die Auswahl der Lieder, die von ganz alt bis zu ganz neu reichte. Fand ich vor dem Konzert die Lieder von Stadt der Angst noch sehr sperrig, stellten sich gerade diese zwischen den alten Gassenhauern als brillant heraus. Viel Aufforderung brauchte Sänger Jan nicht, um das Publikum zum Tanzen zu bewegen. Nur der nötige Platz dafür war nicht wirklich vorhanden. Sehr textsicher zeigten sich die Menschen bei Harm Rochel, bei dem die erste Strophe komplett im Alleingang gesungen wurde. Wunderbare Augenblicke!

Doch durch die Hitze (nochmals: Es waren max. 5 Grad draußen!) wurden die munteren Körper immer schwächer. Wie Gitarrist Rotze das in seiner Jeans-Kombi aushielt, ist mir ein Rätsel. Einzig Torben kam den Ausziehen-Rufen nach, der neben seinem Bauchblitzer auch verkündete in den nächsten Tagen 34 Jahre alt zu werden. Quasi alte Säcke diese Turbostaat.

Nach gefühlten 2 Stunden und 30 Liedern wurde um reichhaltige Zugabe gebeten. Doch die ersten Menschen zog es nach draußen, um frische Luft (und eine drohende Erkältung) zu schnappen. Turbostaat bleibt meine große Liebe, gerade durch solche Konzerte. Aber zukünftig muss eine andere Location her!

Text:
Rene König
Geschrieben am
16. Oktober 2013
Turbostaat Turbostaat
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