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Two Door Cinema Club im LKA
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Two Door Cinema Club im LKA

Die Erwartungen an das Konzert von Two Door Cinema Club sind groß. In riesiger Vorfreude pilgern wir mit vielen Gleichgesinnten zum ausverkauften LKA und hoffen, dass die Band live hält, was ihre bisherigen Releases versprechen.

Pünktlich zum ausgeschriebenen Konzertbeginn erreichen wir um 20.30 Uhr das schon extrem volle LKA und: die erste von zwei Vorbands haben wir bereits verpasst, wie wir später erfahren mussten. Scheinbar ging das Konzert überpünktlich los und The 1975 konnten wir leider nicht sehen.

Dafür spielt kurz nach unserer Ankunft gleich Dog is Dead. Der Sound, den die Jungs aus Nottingham auf die Bühne bringen, weiß zu überzeugen und harmoniert perfekt mit dem Main-Act: Tanzbarer Indie-Pop, der etwas gitarrenlastiger daherkommt als der Sound von TDCC. Unterlegt wird das Ganze mit melodiösen Keyboard-Klängen und beim Glockenspiel Song sogar durch jazzigen Saxophon-Einsatz.

Der Opener Do the Right Thing geht dann auch direkt ins Ohr und stößt sofort auf Gefallen. Leider laufen alle Versuche, die Menge ernsthaft zu bewegen, ins Leere. Zwar wird durch die (unpersönlich-kurzen und im nordenglischen Dialekt genuschelten) Ansagen immer wieder dazu aufgerufen, zu springen, zu tanzen und sonstiges zu tun, aber die Lieder besitzen nicht die treibende Kraft, die nötig wäre, um das LKA wirklich in Tanzlaune zu versetzen. Die zeitweise rockigen Gitarrenriffs in ansonsten eher ruhigen Songs reichen einfach nicht, damit der Funke überspringt. Nach einem gefälligen und kurzweiligen Auftritt machen die Briten dann Platz für den Hauptact und ich habe eine neue Band kennengelernt, die ich mir daheim sicher noch einmal in Ruhe anhören werde.

Nun folgte zwangsweise eine längere Umbaupause. Zeit genug also, um noch einmal auf Toilette zu gehen, sich mit neuem Bier einzudecken und in Vorfreude, auf das, was da kommen wird, zu schwelgen. Merkwürdig war allerdings die fragwürdige Musikauswahl während der Pause: Von Limp Bizkit über Dr. Dre bis hin zu schrecklichstem Eurodance war da alles dabei – nur nichts, was auch nur halbwegs zu der Musik des Konzertes gepasst hätte. Über die zielgruppengenaue Ausrichtung der Pausenmusik sollte sich das LKA also noch mal Gedanken machen.

Dem musikalischem Martyrium zum Trotz war es dann soweit: Two Door Cinema Club betraten die Bühne und stellten gleich zu Beginn klar, dass die Besucher gar nicht erst mit einem langsam ansteigenden Spannungsbogen zu rechnen brauchen. Mit anderen Worten: TDCC ging mit Sleep Alone gleich in die Vollen. Auch die Licht- und Lasereffekte unterstützten diese Vorhaben entsprechend. Der Saal wurde ordentlich ausgeleuchtet, es flimmerte und flackerte nur so im Takt der Musik und das Tanzbein musste dabei unweigerlich bewegt werden.

Mit Undercover Martyn wurde gleich die nächste Single-Auskopplung hinterher geschossen. Nein, die Iren waren nicht gekommen, um Gefangene zu machen. Man ging sicher, dass die ersten Songs wirklich jedem bekannt sind, um die Besucher gleich auf die Seite der Band zu ziehen. Dieses Niveau wurde über das gesamte Konzert gehalten, Hit nach Hit wurde abgefeuert. Es gab nichts Halbgares, nichts, was nicht in das Konzept gepasst hätte. TDCC gehören zu den wenigen Bands, die Alben produzieren, auf denen man keinen Song wegskippen muss. Wer das Konzert besucht, wartet nicht – wie bei manchen anderen Bands – auf die ein, zwei Songs oder Veröffentlichungen, zu denen man dann steil gehen kann. Bei TDCC will man alles hören und müsste man wählen, welcher Song der absolute Liebling ist, würde die Entscheidung sicher schwer fallen.

Ein Problem gab es aber doch: Die Show war professionell, perfekt und fehlerlos, keine Frage. Die Songs klangen sogar fast so, wie man sie vom Album gewohnt ist. Das ging so weit, dass selbst das Jubelgeschrei, das man gegen Ende von Something Good Can Work auf dem Album hört, beim Konzert eingespielt wurde. Es war alles ein bisschen zu glatt, zu kühl, zu professionell, zu seelenlos – der spezielle Charakter einer Band, die live spielt, hat gefehlt. Genauso mangelte es an einer Verbindung zum Publikum. Zwar versicherten TDCC, wie sehr sie sich freuten, nach vier Jahren endlich mal wieder in Stuttgart zu spielen, aber letztlich war es doch nur Rhetorik, die natürlich trotzdem mit dem entsprechenden Jubel von einem Großteil des Publikums quittiert wurde.

Wer eine außerordentliche Live-Show sehen wollte, kam sicher nicht auf seine Kosten – dafür fehlte die Interaktion mit dem Publikum, trotz des guten Sounds und einer wirklich überzeugenden Lichtshow. Wer allerdings zu den Songs von TDCC tanzen wollte, der dürfte das Konzert wohl kaum enttäuscht verlassen haben. Es wurde alles geliefert, worauf man gewartet hatte: Sun, I Can Talk, This is the Life, Next Year, Eat that up – ein Feuerwerk, bei dem man sich fragte, welche Songs denn da überhaupt noch für die Zugabe bleiben. Aber auch dieses Rätsel wurde nach einer Kunstpause und dem kurzen Verschwinden der Band schnell beantwortet: Mit Someday und What You Know wurden noch ein paar tanzbare Up-Tempo-Songs nachgeliefert, zu denen die Menge noch einmal alles geben konnte.

Am Ende verließ man das Konzert gänzlich zufrieden, denn alle Bedürfnisse wurden auf äußerst hohem Niveau erfüllt. Nein, meckern konnte man wahrlich nicht. Echte Begeisterung fühlt sich dennoch etwas anders an.

Text:
Robert Willrich
Geschrieben am
21. Februar 2013
Two Door Cinema Club Two Door Cinema Club
Indie, electronic, british, alternative, synth indie rock