Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Von Wegen Lisbeth im Keller Klub

Grande Ringelpiez mit Anfassen.

Alles steht schon bereit: In großen strahlenden Lettern prangt der Bandname als übergroße Heißer-Draht-Installation über der Szene, die kleinen Kinderinstrumente legen wie desinteressiert weggeworfen am Bühnenrand, die Häkeldecke schmückt das Effektpad. Fünf ausgewachsene Jünglinge tummeln sich auf der Bühne, setzen an und bitten „komm mal rüber“ - eine große Menge junger Frauen summt und trällert einstimmig mit.

"Ackermann, Merkel, Jan Fleischhauer, Voldemort - nette Menschen wenn du tanzt."

Alles wippt mit, alle Texte sitzen lückenlos. Alles handelt von Liebe, von fallen und hängen lassen. Bei soviel Leidenschaft würde man einer Publikumsmeute aber irgendwie – noch dazu in einem ausverkauften Keller Klub – etwas mehr Eskalation zutrauen. Schließlich lässt es sich zu „Kafka Luise“ oder „Sushi“ mindestens sanft moshen. Problematisch wird es aber, wenn man diesem Drang einfach so nachgeht und mit strengen, stillstehenden Blicken bestraft wird.

Vielleicht hängt dieses hohe Maß an Harmonie mit der hohen Frauenquote zusammen, die das permanente Mitsingen wenigstens durchaus harmonisch klingen lässt. Nicht einmal ein Lied über den vermeintlichen „Untergang des Abendlandes“ und ein paar energische Zwischen-Buuhs gegen rechts bringen diese homogene Masse ins Wanken. Darauf noch ein Bier.

"Scheiß auf Kafka, Luise. Lass uns einfach mal uncool sein."

Die Licht- und Toneffekte sitzen, man merkt Von Wegen Lisbeth seit ihrem letzten Auftritt in Stuttgart beim Hello Pop Festival fast schon einen Hauch Routine an. Und doch ist immer etwas unerwarteter Witz in jeder Ansage oder ein unterhaltsamer Blick in überleitenden Zwischenanektdoten.

Der Abend mit Von Wegen Lisbeth war wunderbar, wenn auch gediegen. Aber, dass die Schwaben gerne mal noch ein ruhige Kugel schieben, wo andere schon der Ohnmacht nahe sind, ist bereits bekannt. Schließlich schlägt man in Stuttgart bekanntlich lieber vor Freude innerlich Purzelbäume anstatt den Freudentränen nahe mit der Wimper zu zucken.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
21. Oktober 2016
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