Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Waxahatchee in der Manufaktur

Gegensätze ziehen uns an.

Der Auftakt zum Wochenende beginnt mit überschaubarem Enthusiasmus. Allison Crutchfield & The Fizz eröffnen nur langsam in Fahrt kommend den Abend an Drums, Bass, Gitarre und Gesang und weisen dabei unerwartet große Nähe zum Hauptact Waxahatchee auf. Erst in der zweiten Hälfte der Supportshow geben die drei Musikerinnen Gas, als hätten sie sich an die große Bühne und das davor versammelte Publikum gewöhnt und erste leichte Brisen von klangvoll-borstigem Rock weht durch die kleine Halle. Aus kurzen "Thanks" wird kurz vor der Pause sogar eine kleine Liebeserklärung an die Manufaktur in Schorndorf.

Umso größer ist die Überraschung, als nach einer kurzen Pause fünf Musikerinnen im feinen Zwirn die Bühne erneut betreten - vier davon in Statements setzenden Herrenanzügen. Katie Crutchfield nimmt die Stelle ihrer Zwillingsschwester ein und predigt ganz in schwarz und mit wehender Mähne ihre fast schon schmerzhaft offenen Songtexte. Viel alte Stücke sind zu hören, immer wieder durchdrungen von neuen, die sie erst kürzlich auf "Out In The Storm" veröffentlicht hat.

Manchmal blickt sie einfach an die Decke, als müsste sie sich immer wieder kurz finden. Immer wieder geht es darum, man selbst zu sein, als Frau, als Mensch. "I see myself through my sister's eyes," ist nur eine dieser Nachdenklichkeiten, die ihr Verhältnis zu ihrer Schwester thematisiert, die sie musikalisch immer wieder ergänzt - sei es gesanglich oder emotional. Waxahatchee in ihrer Gesamtheit als Band - das merkt man auch heute in Schorndorf - ist eine Band, die auf sich ergänzende Gegensätze setzt. Wilde Popmusik mit textlicher Tiefe, eine introvertierte Bassistin, eine eher extrovertierte Gitarristin, hohe und tiefe Stimmen und am Ende eben auch vier Frauen in typischer Männerkleidung hinter einer Katie Crutchfield im langen Schwarzen.

Waxahatchee spielen, als hätte der Tag nicht genug Stunden, einen Song nach dem anderen. Sie stürzen sich förmlich von Stück zu Stück, kaum ein Zwischenwort geht an das Publikum. Dabei bleiben auch sichtbare Zeichen auf der Strecke, die Spaß oder Freude an dem Konzert selbst signalisieren. Am Ende lassen sich Waxahatchee auch nicht lange um eine Zugabe bitten und offenbaren auf den letzten Metern ihren unvergleichlichen Charme mit kurzer Verwirrung und anschließendem, unter vielen Lächeln vorgetragenen "Under A Rock".

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
24. September 2017
Waxahatchee
singer-songwriter, female vocalists, Indie, alternative, acoustic
Allison Crutchfield And The Fizz