Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

We Butter The Bread With Butter im Keller Klub 2015

Wenn Butterbrote fallen. Und Dellen im Tanzparkett hinterlassen.

Der Abend begann mit einigen Überraschungen. Erst hieß es beim Kartenabriss seit langer Zeit mal wieder, dass uneingeschränkt fotografiert werden darf. Jedoch waren Fall Of Gaia nach dem Schritt in den Keller wohl schon fertig. Ärgerlich, da der Einlass um 19.30 Uhr begann und es gerade mal kurz nach acht war. Diese zeitlich offensichtlich missgeplanten Opener-Slots werden leider zusehends zur Regel und degradieren die Vorbands zur lediglichen Geldmaschine für die Tourkasse der Headliner. Und das ist nicht nur für die Bands, sondern allen voran natürlich für die Fans sehr ärgerlich. Nun denn, wir sollten unsere Tanzschuhe also zu To The Rats And Wolves ausprobieren.

Die Trancecoreler aus Essen gastierten ihres Zeichens schon öfters in Stuttgart und setzen auf ein äußerliches Gesamtkonzept aus Vollbemalung und leuchtenden Kontaktlinsen. Leider macht eine stimmige Optik jedoch noch lange keine gute Show und wurde von Bands wie Eskimo Callboy nicht nur vorgemacht, sondern auch besser umgesetzt. Was übrig blieb, war eine laue Darbietung, die sonst nur durch unangebrachte Arroganz überzeugte. Den durchwegs jungen Leuten gefiel die Chose dennoch ganz gut. Songs wie Wolves in L.A. oder Glamour & Beauty bespaßen am Ende des Tages aber zwar vielleicht den einen oder anderen Fan, schaffen es aber keineswegs, aus dem Einheitsbrei herauszustechen.

Freitagskonzerte im Keller Klub wirken immer ein wenig gehetzt, da Band und Techniker bis zum Diskobetrieb eigentlich schon raus aus dem Club sein sollten. Daher waren wir dank des Merchandisers auch vorgewarnt, dass um halb elf schon Schluss sein sollte. Schon kurz nach 21 Uhr gingen die Lichter also erneut für We Butter The Bread With Butter aus und ein gesprochenes Intro wünschte uns 90 Minuten lang Spaß. Mit Ich mach was mit Medien schoss uns die angehärtete deutsche Spaßmusik sodann aus vollem Rohre um die Ohren. Neben einer Techno-Einlage macht sich der süffisante Dancefloor-Gassenhauer mit der Zeile Deine Kunst ist voll komplex, mit ’ner Canon Spiegelreflex über die Generation Hipster lustig, was das Publikum zum Anlass nimmt, dem Autor ironisch auf die Schultern zu klopfen.

Mit den nachfolgenden Pyroman & Astronaut und Breekachu blieb die Hitdichte und dadurch die Moshpit-Geschwindigkeit hoch. Auf Stagedives wurde verzichtet, um den Fokus auf Pogo zu belassen. Die Mischung aus alten Sünden wie Backe Backe Kuchen und Songs der unlängst veröffentlichten Platte Wieder Geil funktionierte überraschend gut. Sogar die polarisierende Platte Goldkinder wurde mit dem wütenden Makellos bedacht. Sänger Paul war bestens aufgelegt und demonstrierte, was sich in ihren roten Verstärkerboxen verbirgt: Natürlich Bier. Nach dieser Einlage durfte Schlagzeuger Can mit einem Drum Solo in die letzten Lieder einstimmen. Mit Alles was ich Will gab es nochmals einen Paukenschlag vom Vorgängeralbum, bevor der Zugabeblock mit einer Coverversion begann. Remmi Demmi von Deichkind bleibt ein immer wieder gern gebrachtes Eskalationsmanifest auf vielen Konzerten, den wirklich jeder mitsingen kann. Unterstützung bekamen WBTBWB von den Jungs von To The Rats And Wolves, die jedoch einen eher widerwilligen Eindruck machten. Meine Brille bildete den Abschluss für heute.

Löste der Beginn des Abends noch etwas Unmut aus, schafften es die Deathcoreler aus Lübben, uns positiv überrascht den Heimweg antreten zu lassen: Die Entwicklung der Band von der Spaßkapelle zu einer ernstzunehmenden deutschen Band ist vollends vollzogen. Und ringt uns vollsten Respekt ab. Die konsequente Weiterführung des auf Goldkinder eingeschlagenen Weges, macht die Band also tatsächlich Wieder Geil.

Text:
Rene König
Geschrieben am
07. Dezember 2015
We Butter the Bread With Butter
deathcore, experimental, buttercore, grindcore, german