Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Wolf Alice im Keller Klub

Der Donnerstag im Zeichen des Wolfes.

21:06 Uhr: Ein voluminöser Vorhang aus Schall und Dröhn und Vibrato breitet sich von Seiten der Bühne über das Publikum und gibt einen Vorgeschmack auf den Fortgang des Abends. Der junge Mann vor mir fasst sich intuitiv ans Ohr - „F*** ist das laut!“ und aus dem Getöse wringen die ersten Takte mit Wiedererkennungswort; Your Loves Whore stimmt das Publikum mit einem fulminant langen Intro ein. An dieser Stelle wird mir zum ersten Mal klar, dass „Beginn 21 Uhr“ in der Facebook-Veranstaltung meinerseits fälschlicherweise als „Beginn 21 Uhr“ interpretiert wurde. Das war wohl nichts mit „Yeah, heute schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe — *Gengahr und Wolf Alice stehen ja beide auf meiner Wunschliste!“* (Nichtsdestotrotz versicherten mir Gengahr später beim Poster-Kauf, dass sie nächstes Jahr mit dem neuen Album zurückkommen und hinterließen mir netterweise auch noch aufmunternde Worte auf meinem Souvenir: „Sorry you missed it!!! It was the best show ever!!! Love Felix | We were SOOO!!!! GOOD!!! Thank you! John“)

Ein Blick in die Gesichter um mich herum offenbart mir, dass Wolf Alice eine besondere Anziehung auf die Generation nach mir zu haben scheint; der nächste Blick meinerseits ist musternder Art gen Bühne: die Band selbst ist auch jünger als erwartet, zumindest ausgehend von dem retro-Sound, den sie da produzieren. Irritation löst sich dennoch in Wohlgefallen auf.

Das Wolfsrudel wird in das KellerKlub-immanente Rotlicht getunkt — als hätten sie Blut geleckt. Und nicht nur der Glitzer-Totenkopf an der Decke blickt gebannt auf die Bühne, als Frontfrau Ellie Rowsell für You’re a Germ an der E-Gitarre ansetzt. Die gekonnt lässige auf-die-Fresse-Attitüde lässt die Mehrheit des Publikums spätestens ab dem Chorus aus der Haut fahren und mündet anschließend in Freazy, das zum langsamen Mitschwingen einlädt. Harsche und unschuldig-zurückhaltend klingende Töne — das gesangliche Repertoire Rowsell’s kombiniert mit den knackigen Beats, unaufdringlichen Riffs und spürbaren Bässen hält alles auf Trapp.

Den gesamten Abend hindurch überzeugen Wolf Alice davon, dass sie ein Händchen für Dramaturgie haben: vom einzelnen Song über das Album bis hin zum Konzert - gekonnt puristisch inszeniert. Zum letzten Lied steigt Rowsell ins Pulk hinab und tost mit ihren Fans bis alles gesagt ist. Eine Zugabe bleibt dem lechzenden Publikum dennoch verwehrt.

Text:
Bettina Marquardt
Geschrieben am
03. September 2016
Wolf Alice Wolf Alice
indie rock, nme new bands, Indie, british, uk