Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Wolfmother im LKA

Wenn die Wölfe kommen steppt in Stuttgart der Bär!

Wolf Alice, Wolfmother, Oscar and the Wolf, Wolf Mountains, „Wolf Like Me“ (TV on the Radio), „Running with the Wolves“ (Aurora) - Der Wolf scheint eine Mond-gleiche Anziehungskraft auszuüben, nicht zuletzt spürbar am stark frequentierten LKA an diesem Mittwochabend.

Zur Garderobe kommt man noch einfach. Zu den Toiletten und dem Merch auch. Ab Bar und mittleren Rängen wird es jedoch schwierig und verlangt gewilltem Zuschauer eine polierte Dreistigkeit ab, hin und wieder auch einen Schluck vom eben geholten Hopfen-Smoothie, um erzürnte Gemüter zu besänftigen.
Vorne links ist der perfekt gewählte Spot, um dem Konzert zu folgen; Aussicht, Übersicht, ausreichend Platz und Geländer für allerlei Tamtam. Fein fein.

Die unterwegs vergangene Zeit über manövrieren sich auf der Bühne drei hübsche junge Herren an Bass, E-Gitarre und Schlagzeug durch ihre Setlist. Im Hintergrund das Erwartung anfeuernde Platten-Cover mit einem prächtigen Wolf. Es handelt sich um die österreichische Perle Mother’s Cake. Wie der Bandname zu verstehen ist, sei hier nicht näher beleuchtet.
Die Band tut genau das, was sie soll — sie heizt dem Publikum ein, ohne dem Folge-Act die Show zu stehlen.

Beizeiten meine ich, Mother’s Cake könnten in ein paar Jahren in die Fußstapfen von Wolfmother treten, denn die hier präsentierten Lied-Kompositionen legen den Verdacht nahe, dass das Wolfsrudel doch zumindest klanglich Vorbild sein könnte. Schnelle und ausgefeilte Riffs, eine hohe, kraftvolle Singstimme und zotteliges Erscheinungsbild.

Ein Blick ins Publikum lässt mich ein wenig stutzen, denn dort bewegt sich kaum etwas, die Augen sind auf die Bühne gerichtet und das Bier schwebt Nähe Brust — Euphorie ist etwas anders. Nach den letzten Takten des aktuellen Songs aber zerbirst dieser Eindruck im tosenden Applaus. Nach etwa halbstündiger Darbietung wird die Stage geräumt und Pausenfüller-Musik über die Boxen verstreut.

Ich bin gespannt, wie es wohl sein wird, Wolfmother in diesem Setting zu erleben - keine Festivalbühne, sondern ein Konzert vor Leuten, die nur für diese Band erschienen sind!

Von Austro zu Aussie

Vom Jubel des Publikums getragen, spaziert die dreiköpfige Hard- und Stoner-Rock-Band mit musikalischer Untermalung die gewundene Treppe des LKA herunter und tritt an ihre Instrumente heran — das Wolfsrudel hat seine Höhle betreten. Schlag auf Schlag werden die wuchtigen, rebellischen und prunklosen Hits serviert: „Victorious“, gefolgt von „New Moon Rising“, „Woman“, „White Unicorn“, später „Love Train“ und in einer phänomenalen Zugabe dann auch „Joker and the Thief“. Die ganze 17-Song starke Setlist? Ein Schmaus und eine musikalische Reise durch ein Jahrzehnt Erfindergeist: Vom Erstlingswerk „Wolfmother“ (2005) über „Cosmic Egg“ (2009) mit einem Schwenk zu „New Crown“ (2014) und dem aktuellen Tour-Anlass „Victorious“ (2016). Und die Menge dankt es ihnen, den Hundeartigen!

Bemerkenswert an dieser Stelle ist vor allem, dass die Mehrzahl der Lieder, nämlich 10, vom Debütalbum stammen, „Victorious“ hingegen nur mittels dreier Lieder Platz an diesem Abend findet. Und natürlich in Form des riesigen Bühnenbanners, auf dem das Cover abgebildet ist — ein riesiger, Ehrfurcht erregender Wolf im Eingang einer Höhle, darüber ein rotes Himmelszelt, gespickt mit Mond und weiteren Planeten, unter den Klauen des Wolfes eine Siedlung in einer Art Labyrinth, die der Wolf mit grünlichen Strahlen beleuchtet.

Das Schöne an diesem Abend: an keiner Stelle bekomme ich das Gefühl, dass lediglich eine Liste abgearbeitet wird, vielmehr imponiert die Formation um man in charge Andrew Stockdale durch raffiniert dargebotene Lied-Übergänge, Luftsprünge und spaßige Posen, kaum verständliche Unterhaltungen mit dem Publikum und einem funktionierenden Mix an Liedern.

Die Menge geht voll mit und auf in den kraftvollen Songs der Vagabunden-Hippies; im Minutentakt werden Crowd-Surfer von Securities vor der Bühne abgefangen; Stockdale richtet zeitweise das Mikrofon auf die gröhlende Crowd und entblößt seine weißen Beißerchen. An den Keys und dem Bass steht heute und seit 7 Jahren Ian Peres, der Haarpracht und Hintern gekonnt wackeln lässt, dabei Kunststückchen an seinen Instrumenten vollführt.

Nach der Zugabe geht es schnell; die Band bedankt sich und verlässt die Bühne, Licht und Musik gehen an und die träge Truppe schiebt sich gen Ausgang des "Longhorn-Kultur-Austausch", wo nun ein heller Mond den Weg nach Hause leuchtet.

Text:
Bettina Marquardt
Geschrieben am
17. November 2016
Wolfmother Wolfmother
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