Forget
 

Forget von Twin Shadow

Genre: electronic, dream pop, new wave, lo-fi, electropop

 
  1. Tyrant Destroyed
  2. When We're Dancing
  3. I Can't Wait
  4. Shooting Holes at the Moon
  5. At My Heels
  6. Yellow Balloon
  7. Tether Beat
  8. Castles in the Snow
  9. For Now
  10. Slow
  11. Forget
 
 

Vom Weitersagen, Nicht-verstehen und Lieben...

„Hey kennst du das schon…?“,“ …ist der geilste Scheiß den ich seit langem gehört habe“, „hör dir das mal unbedingt an…“. Eine Konversation unter Musikliebhabern endet, beginnt oder besteht nur aus solchen Sätzen. Jedes Mal ist man bemüht die Begeisterung zu verstehen, sich das Album zu merken und vorzunehmen es sich bei nächster Gelegenheit einmal anzuhören. Daraus wird dann in den seltensten Fällen etwas. Nicht aus Gleichgültigkeit oder fehlendem Enthusiasmus des Gegenübers, sondern vielmehr treibt einen die Neugier Musik allein zu entdecken in den Strudel vieles zu übersehen und auch wieder zu vergessen. Auf einer anderen Ebene funktioniert da das Vorspielen. Oft praktiziert auf Partys, wird es dort nicht gewürdigt und mit Füßen getreten. Hat man gerade einen vielversprechenden Tipp bei youtube eingegeben, kommt mit Sicherheit in den nächsten 30 Sekunden ein Partygast, der unbedingt David Guetta auflegen will und sich auch nicht davon abbringen lässt.

Unter diesen ganzen Umständen wurde mir Twin Shadow nicht näher gebracht. Ich durfte mich auf ein Sofa setzen, der CD-Spieler wurde angemacht und ich konnte mit der Musik alleine sein. Kein störendes Gekicher, kein Vergessen, kein David Guetta. Und da schwingt zum ersten Mal Tyrant Destroyed durch den Raum. Dass dieses Lied mindestens 20 Durchläufe benötigt damit man es packt, wusste ich damals noch nicht. Dass dieses Lied einmal meine gesamte und eigentlich ziemlich große Lieblingsliedschublade komplett allein ausfüllen würde, dachte ich ebenso wenig. Ich schaltete also weiter. When we’re dancing machte die anfängliche Enttäuschung auch nicht viel besser, vielmehr unterstrich es zunächst die Gleichgültigkeit in meinem Ohr. Die 80er Synthies waren doch eine Spur zu sehr in der Vergangenheit, der Sänger wollte sich nicht an den Takt halten, der Bass machte was er wollte und der Refrain wird von einer hässlichen Soundwand unterbrochen. Dass ich weiterhörte, lag allein an der Tatsache, dass das Sofa so gemütlich war. Es dauerte sage und schreibe 5 Lieder, bis ich nicht mehr versucht war sofort das nächste Lied auszuprobieren. At my heels hat mich dann gepackt. Von kopfnickende in träumerische und wieder zurück in tanzende Position gebracht. Aber das war es dann auch. Castles in the snow war damals ein weiterer kleiner Lichtblick, mit dem Rest konnte ich nichts anfangen. Vielleicht waren es die ungewohnten Breaks, die zähen Keyboardparts, die düstere Stimmung die in manchen Liedern inne wohnt. Begeisterung sieht anders aus. Dies bemerkte auch mein Vorsteller und meinte mit einem Lächeln „Kommt noch!“

Und doch will ich euch das Album Forget von Twin Shadow vorstellen. Warum? Weil ich nun ein geläuterter Mann bin und mein jüngeres Selbst belächle. Seid der Zeit, als ich mich durch das gesamte Album mehr oder weniger durch quälte, sind 4 weise Monate vergangen. Und erst jetzt fühle ich mich bereit, es angemessen zu präsentieren. In diesen Monaten war ich bei nahezu jedem Lied schon sicher, dass es das Beste auf dem Album ist. In jedem Lied gibt es die eine Stelle, die den Kopf zur Synapsenexplosion bringt. In diesen Monaten habe ich allein bei der Rückfahrt von dem Konzert in München das Album dreimal angehört. Ich wollte nicht, dass das Konzerterlebnis des noch jungen Jahres dahin schwindet.

Nun ist dieser eigentliche sachliche Vorstellungstext zur emotionalen Liebeserklärung verschwommen. Das tut mir hier an dieser Stelle aufrichtig Leid, doch selten hat sich ein Album mit diesem Ausmaß in meinem Kopf festgesetzt. Und so sitzt ich hier und will mit einem wissendem Lächeln auffordern, euch es auf dem Sofa gemütlich zu machen und genauer hinzuhören als ich es damals gemacht habe.

Text:
Markus Bur am Orde
Geschrieben am
08. April 2013