Halb Oder Gar Nicht
 

Halb Oder Gar Nicht von Helgen

 
  1. Anfang
  2. Fernsehturm
  3. Das Vergessnis
  4. Das Rätsel
  5. Gator
  6. Nackt
  7. Hamburg/Amsterdam
  8. Schlecht
  9. Lass uns Feinde sein
  10. Alles was wahr ist
  11. 12
  12. Es passiert
  13. Peter und Paul
  14. Fressneid
  15. Halb oder gar nicht
 
 

Auf einen ersten Eindruck, dass sich diese noch jungen Helgen doch eigentlich wie alle anderen anhören, folgt schnell ein zweiter, denn hier wird musikalisch nicht nur an der Oberfläche gekratzt.

"Das Rätsel" besitzt durch die scheppsen Handclaps einen Hauch Komik. In "Nackt", wenn man genau hinhört, klappert, klingelt und ruckelt es gleichzeitig. Nicht zu vergessen: Der nett anzuhörende Chor, der an diesem Punkt für einen kleinen Höhepunkt sorgt. An so mancher Stelle ist das Album zackig und sogar ein wenig tanzbar, was Helgen auch gerne live beweisen. An anderer Stelle sind die Gitarrenrhythmen an Lässigkeit kaum zu übertreffen und lassen Vergleiche mit Boy & Bear zu.

Tatsächlich sind aber vor allem die Texte auf dem Debütalbum des charismatischen Hamburger Trios das, was uns gerne genauer hinhören lässt. "Lass uns Feinde sein" spielt mit dem durch die sozialen Meiden oft vermittelten ideal des Everybody's Darling: "Ich will, dass Leute sagen, wenn sie mich scheiße finden". "Hamburg/Amsterdam" hingegen beleuchtet die Wahrheit hinter vermeintlich optimalen Fernbeziehungen: "Die Wahrheit ist, dass ich dich vermiss‘. Und gelogen war, dass es mich nicht trifft." Helgen packen Themen an, die man nicht nur schön zitieren kann, sondern auch an der richtigen Stelle berühren. "Fressneid", um ein weiteres gutes Beispiel zu nennen, hält der modernen Gesellschaft großzügig den Spiegel vor: "Ich bettel so lang, bis du es mir gibst, hab ich es dann, will ich es nicht. [...] Das, was ich hab, macht mich nicht satt."

Die großen Portionen Mut zur Verwirklichung ihrer Ideen haben Helgen übrigens Olaf Opal zu verdanken, der auch für Produktionen von The Notwist oder Die Sterne verantwortlich zeichnet. Diesen Mut, wie die Hamburger ihn mitbringen, braucht man auch, wenn man in einem in viele Richtungen überladenen Genre mit einem neuen Popmusikprojekt noch ausfallen will.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
11. August 2017