Hot Thoughts
 

Hot Thoughts von Spoon

Genre: Indie, indie rock, seen live, alternative, rock

 
 
 

Das Schöne am Erwachsensein ist ja, dass die eigene Identität nicht gleich ins Wanken gerät, sobald man sich auf Umwegen bewegt und experimentiert. Das neue Album von Spoon, das ab dem 17. März in den Plattenläden steht, vereint Spoon'sche Kantigkeit mit jungem, hippen Sound.

„Hot Thoughts“, der Einsteiger, quasi das Vorspiel des gleichnamigen 10-Akte andauernden Albums, zeigt schon einen Glimpse, wo die Reise hingeht. Indie-Rock mit neuen groovigen Facetten, der Tanzqualitäten birgt. Wobei: Vielschichtigkeit ist man von Spoon ja gewohnt. Mal sind sie rockiger, mal poppiger, dann funkiger und dann wieder souliger. Die neuen experimentellen Einflüsse sind suptil – aber durchgängig und schnüren das Album zum Gesamtpaket zusammen.

Bei „Whisperl'lllistentohearit“ verschwimmen die Linien zwischen zugänglich und experimentell schon immer mehr. Rockgitarre, Bass, Synthies und treibende Drums schaffen zusammen mit Britt Daniels hallendem Gesang ein verzahntes Stück. „Do I Have To Talk U Into It?“ ist mit seinen stampfenden Drum-Beats mindestens genauso treibend, fast fordernd. Da muss man zu gar nichts überredet werden, da geht man ganz freiwillig mit dem Sound. Der zweite vor Veröffentlichung des Albums herausgebrachte Teaser „Can I Sit Next To You?“ hat ähnlich hohes Ohrwurmpotenzial. Britt Daniels Stimme ist poppig genug für das Ohr der breiten Masse, aber immer noch markant kratzig. „Shotgun“ wiederum hat den Groove inne und schießt mit den flotten Rock-Beats nur so um sich.

Doch so krachig das Album auch ist, so sanftmütig sind seine Einlagen zwischendurch. „Pink Up“ rollt den Klangteppich, der ebenso klassisch wie synthetisch ist, so spielerisch aus, dass es auch ein schönes Intro hätte sein können. „I Ain't The One“ ist bittersüß, schwer und mit klagendem Gesang. Das Outro „Us“ ist auf ruhigere Weise experimentell und so sphärisch und klangvoll, dass es länger nachhallt.

Mit neun herausgebrachten Alben in über 20 Jahren ist Spoon eindeutig erwachsen. Das neunte Album könnte den Bogen spannen von den alteingesessenen Fans, die den gewachsenen Indie-Rock-Songwriter-Sound schätzen, zu jenen, die den experimentellen Groove entdecken. In erster Linie weil es wahrhaftig und Spoon immer noch nach Spoon klingt. Man könnte es mutig nennen. Man kann es aber auch einfach einen weiteren Schritt auf dem Weg einer Band nennen, die eben Musiker und nicht nur Rockstars sind.

Text:
Jelka Ottens
Geschrieben am
13. März 2017