Magic Life
 

Magic Life von Bilderbuch

Genre: austrian, Indie, rock, german, indie rock

 
 
 

Mit ihrem Album Magic Life erfinden sich Bilderbuch zum erneuten Male komplett neu. Das wird nicht allen Fans gefallen, aber sie werden weiterhin Anlass zur Diskussion sein.

Erste Vorboten auf den Stil, den Bilderbuch bei Magic Life anschlagen, gab es mit Barry Manilow und Softdrink bereits auf Schick Schock. Das waren jedoch nicht die abgefeierten Hits des Albums. Diesen Weg gehen Bilderbuch nun aber konsequent weiter.
Der typische Bilderbuch-Stil, der sich auf Schick Schock bereits andeutete, ist noch auffälliger geworden: Maurice Ernst liefert als Sänger elliptische und verkürzte Sätze, die eine Mischung aus dem deutschen und englischen Vokabular darstellen. Reime, die keine sind, werden durch eigenwillige Betonung auf den Reim gebogen. Was nicht passt, wird passend gemacht. Das klingt in der Theorie nach einem textlichen Horrorszenario, ergibt bei Bilderbuch aber Kunst und ein durchaus interessantes Album. Neben Maurices Stimme, die mit Autotune und anderen Effekten verfremdet wird, spielt sich immer wieder die verzerrte Gitarre von Michael Krammer in den Vordergrund.
Bilderbuch kennen keine Genre-Grenzen und liefern eklektische Songs (I <3 Stress), minimalistische Gitarrenstücke (Sweetlove), klassischen Bilderbuch-Pop (Bungalow), elektronische Machwerke (Sprit'n'Soda) oder die große Funk-Party (SUPERFUNKYPARTYTIME).

Vielleicht springt der Funke nicht gleich beim ersten Mal über, aber wenn man dem Album eine dritte oder vierte Chance gibt, entwickelt sich das Album zu einem Boyband-Konzert mit neonfarbenem Konfettiregen auf Halluzinogenen, das trotz Referenzen aus der Vergangenheit zukunftsweisend ist.

Mit Magic Life werden Bilderbuch mehr "Kunst" als ein massenkompatibles Musikphänomen. Die Band fordert sich Aufmerksamkeit ein und zieht einen mit ihrer eigenen Ästhetik in den Bann, ob nun auf Platte, in Videos und auf Konzerten. Das muss man nicht mögen, aber meinungslos wird es einen auch nicht lassen.

Das Album in einem GIF

via GIPHY

Text:
Alexander Willrich
Geschrieben am
12. Februar 2017