Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Popbüro Sessions Live #2 im Club Zentral

Es waren einmal die Amelie und der Steffen, die trafen sich auf einem roten Sofa im Club Zentral.

Sie waren umgeben von musikinteressierten Stuttgartern, die an diesem Samstagabend an jenen schönen Ort gekommen waren, da sich vier tolle Nachwuchsbands ihres Städtles angekündigt hatten, um etwas von ihrer Musik zu präsentieren.

Kapitel 1
Als erstes füllten die Jungs von Mick Baff die Bühne. Die Besucher lauschten der Harmonie von Trompete, Schlagzeug, Gitarre, Bass und Raptexten Mick Baff's, die zum ersten Mal unplugged ihre Kunst zur Schau stellten. Sie wirkten trotz der für sie besonderen Umstände sehr eingespielt und routiniert, womit sie sofort die volle Aufmerksamkeit der Zuschauer für sich gewannen und niemand bemerkte, wie Amelie und Steffen währenddessen ihre Plätze im Hintergrund auf der roten Couch einnahmen. Definitiv überzeugt und gefesselt haben die Jungs durch ihre intelligent wortgewandten und kritischen Texte. Nach vier Songs war ihr kurzer, aber eindrucksvoller Auftritt vorbei und die Schweinwerfer richteten sich auf Amelie und Steffen, die voller Vorfreude zwei der Bandjungs auf ihr Sofa baten.

Da die beiden Moderatoren aus gutem Hause waren, fragten sie sie zunächst, nach welchem Getränk es ihnen denn gelüstete. Sie entschieden sich für einen guten Tropfen Rotwein, den Amelie ihnen sofort in einem feinen Plastikbecher servierte. Nach einem kurzen Plausch löcherte Steffen die beiden in einem einminütigen Powerinterview mit vorher bereitgestellten, knappen Fragen über beispielsweise ihren persönlich unbeliebtesten Politiker. (Um hier nicht unserem Regierungsoberhaupt zu Nahe zu treten, verzichte ich auf die Veröffentlichung der Antwort). Außerdem würde Arno, der Bassist und Trompeter der Band, mit Celine Dion jede Party vor dem absoluten Untergang retten.
Nach der kurzen, knackigen Fragerunde wurden Mick Baff, die übrigens „geile Chemie“ als ihr Bandgeheimnis offenbarten, verabschiedet.

Kapitel 2
Amelie und Steffen lehnten sich entspannt und zufrieden zurück und kündigten die Band MAS an, die nun die frisch umgebaute Bühne des Club Zentral betraten.
Ähnlich Hip- Hopig, aber mit anfänglichen Soundproblemen nahm der Abend seinen Lauf. MAS waren zu fünft und konnten trotz der Startschwierigkeiten, was vielleicht aber auch an der besonderen Popbüro Sessions Live- Atmosphäre oder der unplugged- Vorgabe lag, zeigen, warum sie an diesem Abend nicht fehlen durften.
Nach vier Liedern wechselten zwei von ihnen wieder den Ort des Rampenlichts und nahmen zwischen Steffen und Amelie auf der Couch Platz. Auch sie wurden zunächst von Amelie mit dem Getränk ihrer Wahl versorgt und MAS entschieden sich ohne langes Gedruckse für eine Runde Lebenswasser. Im Gegensatz zu Steffen, der an seinem Schnaps nur nippte, bevor er mit seinen Fragen fortfuhr, machten die Jungs keine halben Sachen. Als erstes erklärten sie, dass MAS die Initialen vom Bandgründer Miles sind. Dann sprach Steffen sie darauf an, dass ihm auf Youtube Jennifer Rostock vorgeschlagen wurde, nachdem er MAS gehört habe. Nach einem kurzen Gedankenaustausch kamen sie auf die wohl bedeutendste und individuelle Gemeinsamkeit zwischen Jennifer Rostock und MAS, die Gitarre. Im Kurzinterview kam dann noch ans Licht, dass sich Steffen zu alt fühlt, als Miles von MAS die Frage nach seiner ersten Platte mit Azad beantwortete.
Als alle Wangen von Licht und Schnaps passend zum Sofa rot gefärbt waren, wurde die zweite Unterhaltungsrunde aufgelöst. Amelie und Steffen wiesen die Besucher daraufhin sich für die dritte Band wieder zur Bühne zu kehren und sie begrüßten Calves aus Reutlingen.

Kapitel 3
Calves, eine wie sie sich selbst bezeichnen melancholische Indie- Rockband, legten sofort los und als erstes stach der auffällig schwarz- weiß gemusterte Pulli des Sängers ins Auge. Auch sie hatten vier Songs im Gepäck, die sie solide präsentierten. Bei den vier Nachwuchskünstlern aus Reutlingen fiel die Mischung unterschiedlicher Typen auf, die alle in ihren Songs ihren Nenner wiederfanden.
Auch sie mussten sich nach ihrem Auftritt den Fragen von Amelie und Steffen stellen, doch damit es nicht langweilig wurde, tauschten Amelie und Steffen die Rollen. Dementsprechend kümmerte sich Steffen um das leibliche Wohl der zwei Vertreter von Calves auf der roten Couch, die bisher etwa 50 Auftritte seit 2012 zusammen meisterten. Calves würden Köln sowohl Hamburg als auch Berlin vorziehen. Leider blieb im Ungewissen, woher diese Präferenz stammt.

Kapitel 4
Da sich der Abend nun langsam dem Ende näherte und die letzte Band in den Startlöchern stand, um den Abschluss zu bilden, wurden die Jungs von The Tremolettes zuerst auf das Sofa gebeten, bevor sie die Zuschauer mit ihrem Rock 'n' Roll in die Stuttgarter Samstagnacht entließen.
Elvis und Magnus wählten auf Steffens Anfrage hin zuerst den Schnaps und nahmen anschließend noch ein Bier dazu. Da lag wohl etwas Nervosität in der Luft. Sie berichteten von gemeinsamer Musikgeschichte in anderen Bands und beantworteten die Frage, warum sie Akustikauftritte eher weniger erstrebenswert finden mit der logischen Erklärung, dass es keine akustische E- Orgel gäbe und akustischer Rock'n'Roll auch irgendwie keinen Sinn mache. Mit Amelies Anspielung auf die doch besondere musikalische und äußerlich sichtbare Schiene der Tremolettes weckte sie Neugier und Spannung im Publikum.
Magnus beantwortete die 60 Sekunden- Fragen sehr gelassen und entspannt mit Antworten wie „Star Wars“ als seinen Lieblings- Disneyfilm.
Dann machten sich die zwei auf den überschaubaren Weg in Richtung Bühne und entführten die Zuschauer in eine Welt, die einem Quentin Tarantino Kinoschlager sehr gleich kam. Sie fesselten mit instrumentalen Höhepunkten und Solostücken. Der letzte Titel, Black Heart, der schon zuvor im Gespräch mit Amelie aufgrund seiner Überlänge thematisiert wurde, bildete einen besonderen Abschluss dieses schönen und gelungenen Popbüro Live Sessions- Abends im Club Zentral.

Epilog
Alle Bands kann man gern nochmals auf dem Youtube-Kanal des Popbüros anhören.
Vielen Dank an alle Bands sowie Amelie und Steffen, die diesen Abend gestaltet haben.

Und wenn die Stuttgarter Musikszene nicht ausgestorben ist, folgt in Kürze ein weiterer spannender Teil der Popbüro Sessions Live.

Text:
Jenny Ziegeler
Geschrieben am
02. Dezember 2014
Calves Calves
experimental, avant-garde, post punk, punk rock, lofi
The Tremolettes The Tremolettes
Mick Baff
MAS MAS
jazz, japanese, electronic, funk, post-rock