Pegelblog - kein Fashion, kein Food

húrra, húrra

húrra, húrra

Isländer rempeln, rumpeln, rülpsen, stinken. Pylsa. Sie erkennen offensichtliche Papageien-Jäger nicht und sind verkappte Amis mit scheiß Wetter.

Aufgrund der Krankheit des Passagiers, welcher sich an Britney Spears Musik die Ohren anschwellen lässt, waren wir dann zu viert. Klein, Frau, klug und Robert. Sonja war ob der männlichen Präsenz überrascht, doch wir sind ja wieder weggelaufen, weit weit weg. Trotz Wetter und so! Bus ging noch nicht, weil man Städte laufenderweise erkundet. Waschstraße rauf und runter. Wir hatten ja sowieso keine 400 Kronen im Gepäck und das auch noch passend, dafür aber verweichlichten Schnaps.

Es ist ja alles wegen der Musik, so war Reykjavik ausgebucht und uns verschlug es zu Andrí. Er war einer fremden Kultur entlaufen, ruhig hatten sie es dort, ein wenig in sich gekehrt und immer in Jogger oder Morgenmantel. Breit ausgelegte Brillen mit einem Hang zu weiblichen Finnen und deren Musik. »For Lilou« hörte man es tröten, aus den Zimmern dieser Kultur.

Trotz der skandinavischen Verwandtschaft zum Gastgeber waren die Finnen im Schnapseln dabei und mit ihren blauen Punkten auf der Stirn sehr offensichtlich als Avataren unterwegs. Diese Finnen spielten das beste Samstag-Abend-Konzert an diesem Samstag Abend. Und das in der hiesigen Küche, welche auch ab und an als After-Party-Ort missbraucht wurde. Zu acht, hier mit drei Stühlen und einem kleinen Tisch. Kein Wunder, dass Light-Beer nicht leer getrunken wird, obwohl es voll teuer ist. Fast 300 Kronen. Guck mal selber, wie viel das jetzt bitte ist.

Sagen wir es so: Busfahrer, lieber Busfahrer, was ein kleiner geiler Junge. Als hätte man es nicht anders erwarten können, kommt der in voller Arbeitsmontur zurecht gemachte Olgúr in den Rapschuppen unseres Vertrauens und zieht den Inder in Schere, Stein, Papier (auch Schnick, Schnack, Schnuck; Ching, Chang, Chong; Klick, Klack, Kluck; Stein schleift Schere; Schnibbeln, Knobeln oder Schniekern) ab.

Glas und Treppen, viel mehr braucht man nicht, um an einem Sonntag-Mittag einen Sonntag Mittag zu verbringen. Die Bar war natürlich verschlossen, aber isch ja egal, ham wer geblickt. Sofas lagen verstreut auf der Empore und die Sonne brannte uns auf den Bauch. Aber ohne Sonnenbrand. Wegen Glas und Treppen. Die Harpa ist das Opernhaus und Wahrzeichen und Statussymbol und Musikzentrum Reykjaviks und unser eigenes Wohnzimmer.

Glatzen, die in Kirchen weinen. Vök, Vök, Vök. Metallscheibenschlagende Vielleicht-Isländer: lautes Gitarrengebrüll und durstige Drummer. Gruska Babuska und BRNS. Das ist wohl das Iceland Airwaves. Hört sich gut an!

Text:
Robert Böing
Geschrieben am
06. November 2015