Pegelblog - kein Fashion, kein Food

Karlsruhe, es ist Samstag

Karlsruhe, es ist Samstag

Ein bisschen gegrillt haben wir am Mittag, Deutschland hat sich nicht für die Handball-WM qualifiziert. Ein schöner Tag war es dennoch gewesen. Wir hatten ein paar Biere und so gut gestärkt und gelaunt, traten wir dann den Spaziergang in die Stadt an.
Erstes Ziel das Liebstoeckel. Ich hatte auf www.ka-nightlife.de (kennt jemand eine bessere Quelle?) von einer Elektro-Party gelesen. Sowas wie ein Abschied sollte es sein. Wir also da hin. Abschied war nicht und der Elekro war eher so Techno und die wenigen Männer in diesem Laden waren mit fluoreszierenden Farben angemalt. Lukas und Anne waren bei mir. Wir beschlossen den Abend woanders fortzusetzen. Zum Liebstoeckel muss aber wie so oft gesagt werden: Die Location solide, Musik und Leute, nunja.

Wir also dann so weiter. Ich traue es mich ja kaum zu schreiben, doch die Karambolage ist direkter Nachbar des Liebstoeckel. Wo wir also schon mal dort waren, dachten wir, könnten wir unser Glück versuchen. Für die 5€ Eintritt sollte es ein Schnaps unserer Wahl geben. Auch wenn wir lieber Bier hätten, lag es dann an dem großartigen Türsteher, warum wir nichtmal die Nase in den Laden gesteck hatten. Ich weiß ja nicht, ich bin ja vielleicht weltfremd oder eben aus Stuttgart oder eventuell hat das auch alles ganz andere Gründe, aber liebe Frauen: Ist es normal, dass ihr Freigetränk und Freieintritt bekommt, falls ihr mit dem Türsteher einen Kaffee trinken geht?
Ist das nicht ein wenig arg direkt oder ist das Standard? Ich weiß es ja nicht. Nur warum genau dieser Türsteher dann so ganz in Kumpel-Manier die Hand um die Schultern seiner potentiellen Errungenschaft legt, darf man doch schon fragen? Ist ja nur ein bisschen Körperkontakt unter Fremden. Ich bin ja keine Frau und trauriger noch, selten werde ich von Türstehern geknuddelt und das ist dann wohl meine Sehnsucht, liebe Türsteher des Karambo. Das nächste mal knuddelt mich einfach auch, dann bin ich nicht so neidisch und denke nicht, ihr wäret ein wenig arg auf der Suche. Busserl an euch!

Wir sind dann weiter, auf dem direkten Weg Richtung Erdbeermund und dort dann so: „Können wir mal schnell reingucken“. Es ist ja nicht so, dass wir an dem Abend nicht schon viel gesehen hatten. Ich dann also rein, musikalisch ganz cool. Konnte es nicht so recht einsortieren, aber war schon irgendwie gut, nur war der Laden leer. Es war Samstagabend 2 Uhr und vll. 50 Leute in dem Ding. Sehr traurig, aber ich komme wieder und dann hoffe ich auf Publikum und dann lieber Erdbeermund, dann werden wir gute Freunde, weil du mir gefällst, irgendwie.

Aber jetzt ist Samstagnacht, jetzt will ich tanzen. Also hatten wir uns wieder in Richtung Stadt aufgemacht und Leute gefragt, was man denn jetzt so machen könnte und was dann passieren sollte, macht mich bis jetzt betroffen.

Alle wollten uns mal wieder in die Marktlücke schicken und ich war der ganzen Idee gar nicht mal so abgeneigt. Ich meine, die Marktlücke war ja immer voll. Klar, musikalisch war sie eher so 'geht gerade noch irgendwie so' und dieses Konzept der Tanzfläche im Obergeschoss erschließt sich mir auch nicht, aber es war voll. Kaum dort angekommen, stellte ich den ungemeinen Männerüberschuss fest, dies ist in Karlsruhe aber bekanntermaßen keine Besonderheit und ich selbst störe mich daran gar nicht so sehr. Wenn diese Spezies Mann sich auf der Tanzfläche aber zu Rudeln zusammenschließt und mit möglichst viel Körperlichkeit ihre Genitalien in Richtung Frauen streckt, dann ist diese Szenarie kaum auszuhalten. Doch wenn dann noch die Jungs, die auf den Boxen am Rand der Tanzfläche tanzen, sich ihre T-Shirts vom Leib zerren und zum Sound der absoluten Beginner ihre Oberkörper zur Musik bewegen, musste ich diesen Ort verlassen. Der Abend war für mich gelaufen.

Einen kleinen Beweis habe ich auch mitgebracht:

Auf dem Rückweg nach Hause hatte die Karambolage leider schon zu.

Das klingt jetzt ja alles sehr negativ und das Gegenteil möchte ich erreichen. Ich glaube an Karlsruhe und ich glaube an die Menschen, nur hat sich mir die Club-Kultur in Karlsruhe leider noch nicht erschlossen. Aber lang wird es nicht mehr dauern, dann werde ich wieder losziehen und berichten, wie sich dieses behutsame Städtchen für mich entwickelt. Ich freue mich schon auf die ersten Nächte im Vangarde und wie gesagt, der Erdbeermund und ich wir wollen ja auch bald Freunde werden.

Text:
Robert Böing
Geschrieben am
07. Juli 2014