Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Brant Bjork im Universum

Sand, Schweiß und Bass. So sollte jeder Montag sein.

Aus den Tiefen des Charlottenplatzes wabert ein wummerndes Ungetüm in Richtung letzter Rest Tageslicht. Zahlreiche Besucher stehen sich vor dem Universum schon die Füße in den Bauch, während Brothers Of The Head ihr Bestes geben, um das volle Haus in Flammen zu setzen. Ein bisschen Kyuss, ein bisschen Black Sabbath. Vor allem die Desert-Valley-Einflüsse haben die Stuttgarter für sich gepachtet. Hunderte kopfnickende Gestalten bestätigen meinen ersten guten Eindruck des lokalen Supports, der noch vor wenigen Tagen als Bomb Whateva um die Häuser zog.

Schon die erste Standardsituation bei einem Konzertumbau macht mir klar, dass es sich bei dem Protagonisten des heutigen Abends um die wahrscheinlich coolste Sau auf dem Planeten handelt. Ganz gemütlich und mit fast schon zu tief sitzender Hose beugt sich Brant Bjork ganz entspannt über seine Effekte, arretiert alles was er braucht und verschwindet wieder. Die erstaunten Blicke der ersten Reihe prallen einfach an seiner Lässigkeit ab.

In dem Moment, in dem das Konzert beginnt, steigt der Bierkonsum scheinbar exponentiell. Der Raum verwandelt sich in einen brodelnden Kessel. Viel bewegt wird sich nicht, wenn Brant Bjork, einstiger Kyuss-Schlagzeuger und Kopf seiner neu geschaffenen Band The Desert Punks, zu bekannten Hymnen und endlos ausufernden Riffs abhebt. Seine Mimik dazu ist vielversprechend. Bjork fühlt den Rythmus, riecht die Hook und iniziiert sich die Basedrum. Immer so, als müsste er gleich losniesen, rümpft er beim Singen die Nase und greift ebenso dramatisch in die Saiten. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Automatic Fantastic, Lazy Bones, I Miss My Chick und Her Brown Blood schicken uns durch das komplette Werk des Multiinstrumentalisten. Seine Band spielt mühelos jedes Detail, auch wenn es nicht aus ihrer Feder stammt.

Gegen elf Uhr und einer schier endlosen Zugabe, bei der er sich herzlichst beim Stuttgarter Publikum bedankt, das ihn erst vor einem Jahr genauso herzlich empfangen hat, schwillt die Hitze ab. Mit ihr verfliegt auch der biergetränkte Schweiß, der uns klebend vereint. Für immer in der Wüste, für immer Punk.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
09. Oktober 2014