Kulturpegel

 
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Auf einen Plausch mit Intronomic
 
 

Auf einen Plausch mit Intronomic

Ein Interview, das alles hat, sogar einen Telefonjoker: Ein Gespräch mit den Jungs von Intronomic über die Musik, das Leben und die Welt

Kulturpegel: Die erste Frage ist eine klassische Kulturpegel-Frage: Was wolltet ihr schon immer einmal gefragt werden?

Intronomic: Na da hätten wir uns jetzt drauf vorbereiten müssen... Vielleicht sollten wir den Telefonjoker befragen?

Kulturpegel: Wir schieben einfach mal diese Frage ein bisschen und falls euch was einfällt, kommen wir nochmal zurück! Ich habe gelesen, ihr veröffentlicht bald ein neues Album, wie läuft’s denn da so?

Intronomic: Sehr gut, also jetzt, läuft ungefähr seit 1,5 Jahren, aber jetzt läuft’s gut.

Kulturpegel: Was hat euch da aufgehalten?

Intronomic: Der Zeitmangel und er [Band zeigt aufeinander und lacht]. Nein wir produzieren alles selbst, haben kein Tonstudio und damit auch keinen Zeitdruck. Wir haben alles erst einmal vorproduziert und aufgenommen und geschaut, was gut und was weniger gut funktioniert. Bis wir dann das Feedback wieder zusammen hatten, zog es sich dann etwas. Ein großer Unterschied zu anderen Bands ist sicher auch, dass wir uns nur alle drei Wochen sehen, da wir relativ weit verteilt wohnen und uns dann immer bei Schwäbisch Hall treffen. Wir arbeiten zwar viel übers Netz, lassen uns aber auch einfach Zeit.

Kulturpegel: Ich habe gesehen, euer erstes Album/EP kam schon 2010 raus ...

Intronomic: Unsere erste wirkliche Veröffentlichung war sogar schon 2006, also vor dem, was du meins, hatten wir schon drei Veröffentlichungen, aber noch mit einem ganz anderen Stil, ziemlich rockig, englisch und eher wenig authentisch.

Kulturpegel: Dann habt ihr aber echt früh angefangen, wo habt ihr euch denn getroffen?

Intronomic: Wir kennen uns eigentlich schon seit der Schulzeit und hatten damals auch schon eine Idee der Band und ein Konzept von einem Sound, der elektronisch und irgendwie experimentell sein sollte. Nach drei Jahren haben wir dann aber begonnen erst einmal Musik zu machen, die definitiv nicht so war. Und dann erst vor vier Jahren, als wir die Sprache von Englisch zu Deutsch wechselten und uns in die elektronische Richtung bewegten, begannen wir, diesen Sound und das Konzept wirklich umzusetzen. Nach einer Umbesetzung kam dann auch das E-Cello dazu...

Kulturpegel: Ja mega gut, ich finde Cellos ganz großartig, wie seid ihr denn auf die Idee gekommen, ist ja nicht so alltäglich?

Intronomic: Wir waren beim alten Sound schon auf der Suche nach einem neuen Gitarristen und da wir weniger das Technische eines Musikers, sondern viel mehr auch auf das Menschliche schauen, fiel die Wahl dann auf Max' Bruder, da es auch mit der Band harmoniert hat. Er hat dann sowohl bei uns in der Band angefangen, als auch Gitarre überhaupt zu spielen.

Kulturpegel: Ja krass, wie kam er dann zum Cello?

Intronomic: Irgendwann fiel uns dann mal auf, dass er früher ja mal Cello gespielt hat und dann haben wir das einfach mal ausprobiert und gemerkt, dass es viel besser zu uns, wie auch zu ihm passt und wir uns als Band damit viel wohler gefühlt haben, auch vom Sound her.

Kulturpegel: Ihr seid ja auch weltverbessernd engagiert, ich habe gesehen ihr habt da ja sogar ein Video....

Intronomic: Wir hoffen du hast auch gesehen, dass das schon steinalt ist [die Band schmunzelt etwas peinlich berührt]!

Kulturpegel: ... aber trotzdem, bei diesem schönen grünen Videodreh heute, dachte ich frage ich mal danach.

Intronomic: Das beantwortet dann der Joddock, unser Band-Öko [Er studiert in der Tat Ökosystemmanagement]: Die Band ist für uns alle natürlich ein Hobby und lässt sich hier und da sehr gut mir unseren anderen Aktivitäten verbinden. Wir wollen mit dem, was wir produzieren auch etwas bewegen und hatten deshalb schon dem Album Unikat einen Einleger beigelegt, der dazu anregen sollte, sich selbst und seinen Konsum zu hinterfragen. Wir haben vor langer Zeit schon Viva con Agua für uns entdeckt, wir kamen, glaube ich, über Irie Revoltes darauf und waren da eigentlich auch ein bisschen Vorreiter [schmunzeln]. Für jedes Album wird 1€ an die Organisation gespendet, denn wir finden, Wasser ist so das elementarste unter all den “Weltproblemen”.

Kulturpegel: Wenn ich mir eure Texte so anschaue, sind sie ja auch wirklich komplex, wie schreibt ihr eure Texte?

Intronomic: Unsere Texte entstehen immer sehr gemeinschaftlich, früher sogar im Zug im dem Modus: Jeder schreibt eine Zeile, bis das Blatt voll ist. Aber auch wenn der Sänger natürlich viel schreibt, steht bei uns die Band doch immer hinter den Ideen. Da wir uns als Menschen auch so gut verstehen, entsteht immer eine Energie, von der wir auch wieder beeindruckt sind.

Kulturpegel: Ich habe im Internet dann gelesen, dass ihr als Vorbild Peter Licht gewählt habt, ist das so?

Intronomic: Naja, irgendwo steht das, genau wie auch Vivaldi, aber unser eigentliches Vorbild ist eher Rammstein. Auch wenn wir jetzt vom Sound ganz woanders sind, war das immer das Ding, weswegen wir eine Band wollten. Bei ihnen steht auch das Kollektiv dahinter und dieser Sound. Früher wollten wir immer klingen wie Rammstein, da kam auch unser alter Sound her und heute haben wir eigentlich nichts mehr mit Rammstein zu tun, aber trotz allem, wenn man dann in die Texte schaut, dieses Lyrische, ist es doch immer noch zu erkennen.

Kulturpegel: Ich denke gerade, was kritische Texte angeht, erkennt man diese Idee auf jeden Fall, auch wenn Rammstein die Lyrik manchmal gut versteckt. Wie kamt ihr zu dieser Mischung, warum Vivaldi von all den Klassikern?

Intronomic: Da sind wir manchmal ein bisschen spitzbübisch und bei uns ist neben dem Ernst auch oft etwas Dadaistisches versteckt, da kommt das vermutlich her. Wir mögen auch die deutsche Sprache gern und vielleicht klang es auch einfach gut in dem Moment [grinsen].

Kulturpegel: Wie vertreibt ihr denn euer neues Album, euer aktuelles Album ist ja komplett auf Soundcloud zu finden, seid ihr bei Spotify aktiv? Heute wird die CD ja immer nebensächlicher, ich kaufe sie bei Konzerten eigentlich immer eher als Andenken ...

Intronomic: Das stimmt natürlich, daher sind und waren unsere Datenträger auch immer eher darauf ausgelegt eine Erinnerung zu sein. Bei unserem Album Unikat haben wir damals auch schon die Verpackung selbst gebastelt und werden das auch wieder beim neuen Album so machen und da auch einiges unterbringen, was man im Nachgang entdecken kann. Es wird auf jeden Fall etwas Extravagantes, es muss gut produziert sein und auch ökologisch okay. Man darf gespannt sein!

Kulturpegel: Ich hoffe ihr schaut damit dann auch mal wieder in Stuttgart vorbei! Was war denn euer bester Auftritt bisher?

Intronomic: Unser größter Gig war das Taubertal Festival, es war eine absolut tolle Erfahrung und definitiv auch die aufregendste, aber wir spielen auch immer sehr gern auf kleinen Festivals und haben da auch super viel Spaß, da stimmt oft auch einfach das Drumherum, eine familiäre Verpflegung und ein “Zuhause-Feeling”. Unser nettestes Festival war da das Sommerfühl-Festival in Feuchtwangen, da waren gar nicht viele Leute, aber die Atmosphäre war sehr toll.

Kulturpegel: Vielen Dank für das Gespräch, ist euch eigentlich noch eine Frage eingefallen?

Intronomic: Ich glaube, wir lassen es wohl lieber aus.

Kulturpegel: Dann freue ich mich, dass wir euch hoffentlich bald mal wieder in Stuttgart mit eurem neuen Album begrüßen dürfen!

Text:
Tobias Leicher
Geschrieben am
21. September 2015