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The Hunting Elephants on a Sunday Afternoon
 
 

The Hunting Elephants on a Sunday Afternoon

Sonntag Nachmittags bei den Popbüro Sessions im Römerkastell durften wir The Hunting Elephants interviewen: Was treibt sie an, wo wollen sie hin und warum schwärmen sie für rosa Elefanten?

Kulturpegel: Ich darf euch mit einer Frage begrüßen, die wir immer gern bei Interviews stellen: Was wolltet ihr schon immer einmal gefragt werden?

The Hunting Elephants: Puh, ob es uns gut geht? Nein, das ist jetzt echt ne schwierige Frage.

Kulturpegel: ... Eine Alternative wäre natürlich, was wollt ihr auf keinen Fall gefragt werden?

The Hunting Elephants: Ist eigentlich ganz ähnlich, wir sind vielleicht einfach noch gar nicht groß genug um zu sagen "Wir hassen diese Frage", wir nehmen noch alle Fragen!

Kulturpegel: Die Kollegen vom Popbüro waren so aufmerksam zu bemerken, dass ihr vor dem Gig mit einer Münze entschieden habt, welche Stücke ihr spielt. Spielt Zufall für euch eine besondere Rolle?

The Hunting Elephants: Naja, das war wohl eher da Problem, dass wir uns nicht entscheiden konnten, welches Stück wir denn wohl zuerst spielen sollten. Wir mögen beide Stücke ganz arg und da haben wir dann einfach eine Münze geworfen um uns zu entscheiden.

Kulturpegel: Ihr habt gestern auf dem Mini Rock Festival gespielt, wie war es denn in Horb?

The Hunting Elephants: Es war der Hammer, wunderschön! Wir Jungs waren schon Donnerstag da und haben vor Melissas Ankunft schon eine kleine Marketingaktion gestartet: Wir haben zehn Paletten Bier gekauft, jede Menge Sticker drucken lassen und die überall auf dem Campingplatz in rosa Eleffantenkostümen verteilt. Fast alle hatten dann Sticker von uns - wir haben Schmutzki da ordentlich Konkurrenz gemacht!

Kulturpegel: Aber nicht, dass ihr auch Ärger bekommt. Schmutzki mussten schonmal eine Toilette von Stickern befreien.

The Hunting Elephants: Nein nein, die Jungs von Schmutzki waren trotzdem überall in Stickerform vertreten! Das wir das auch machen sind sie im Prinzip selbst schuld, der Flo von Schmutzki hat uns das empfohlen. Wir haben unsere EP im Proxy Studio aufgenommen und da sind wir mit Schmutzki in Kontakt gekommen und haben uns dann mal Abends getroffen und er hat uns super viele Tipps gegeben. Es war ein tolles Gespräch über Videos, Bands und Marketing. Er hat uns dann auch empfohlen auf jeden Fall CDs zu machen, nicht nur digital.

Kulturpegel: Das ist ein guter Punkt, ich sehe immer mehr Leute Interesse an Vinyls entwickeln und an CDs zu verlieren. Wäre das was für euch?

The Hunting Elephants: Auf jeden Fall, aber im Moment müssen wir erstmal unsere Bandkasse etwas füllen.

Kulturpegel: Euch gibt es ja noch gar nicht so lange, wie habt ihr euch letztes Jahr gefunden?

The Hunting Elephants: Wir kennen uns eigentlich schon seit der Schulzeit und Phil und Melissa hatten da schon eine Band zusammen, die hat sich dann aber aufgelöst und so haben wir eine neue Band gegründet.Wir haben dann einen Gitarist und Bassist gesucht und dann gab's The Hunting Elephants. Wobei die Band ganz am Anfang Birds hieß, denn Melissa fand es cool, wenn man den Namen der Band auch gut mit den Händen darstellen kann, aber irgendwie wollte der Name nicht so passen. Dann haben wir uns Elephants genannt, aber beim Emergenza Bandcontest hat man uns gesagt, dass so kein Treffer auf unsere Band bei Google zu erwarten ist. Wir hatten damals aber schon einen Elefanten auf dem Logo und wir wollten nicht ganz von vorn starten. Wir sind dann zu The Hunting Elephants geworden, denn wir haben diesen gemeinsamen Drang nach vorne und wollen etwas schaffen. Elefanten werden oft gejagt - jetzt drehen wir den Spieß um und jagen den Erfolg. Das passt sehr zu uns, denn wir wollen auch wirklich den Erfolg und trotz unserer aller Studiumspflichten gehen wir wirklich voran und haben in der Zeit schon viel geschafft.

Kulturpegel: Ja das darf man euch auf jeden Fall unterstellen, ihr kommt auch gut an. Welche Einflüsse habt ihr dabei?

The Hunting Elephants: Melissa mag gerne Rap und ist gar nicht so der große Rock-Fan. Wir wollten immer etwas Melodisches machen, denn das ist uns sehr wichtig. Wenn das dann auch noch massentauglich ist, wird es super. Für Melissa ist das wirklich wichtig, denn wenn sie einen Text geschrieben hat, muss Michis Melodie 100%ig dazu passen. Da hilft es nicht, wenn er sich sehr über ein bestimmtes Riff freut, es muss auch wirklich passen und Melissa muss sich hineinfühlen können.

Kulturpegel: Melissa schreibt also immer die Texte und Michi die Musik dazu?

The Hunting Elephants: Ja, ganz klassisch bei uns. Melissa ist beim Texte schreiben etwas stur und da wollen wir anderen ihr gar nicht rein reden. Melissa schreibt dann die Texte sehr oft in der Bahn, während sie zur Uni pendelt und selbst anderer Musik lauscht. Als Sängerin hat Melissa für sich selbst viele Dinge vom Gangsterrap übernommen und bewegt sich auch ein bisschen so. Michi hingegen ist immer so konzentriert, dass er gar keine Zeit hat, auf sowas zu achten.

Kulturpegel: Was war denn euer tollster Auftritt bisher?

The Hunting Elephants: Wir hatten jetzt glauben wir so 26 Gigs, aber gestern war definitiv unser bester. Es war echt der Wahnsinn und es waren echt viele Leute da. Wir haben erst letztes Jahr im April angefangen zu proben. Dafür sind wir recht viel unterwegs gewesen. Wir haben aber noch einige Auftritte diesen Sommer, wir spielen beim Containerkiez in Cannstadt, beim Klinke im Merlin und auch bei der Stuttgart Nacht. (Anm. d. Red.: Im Herbst spielen die vier noch in Holzgerlingen und Böblingen, Anfang 2016 in der Schweiz und im Keller Klub)

Kulturpegel: Schreibt ihr dann überhaupt neue Songs, wenn ihr so viel unterwegs seid? Oder habt ihr auch Phasen in denen ihr nur schreibt?

The Hunting Elephants: Wir haben recht viel geschrieben bevor wir im Februar ins Studium gegangen sind und hatten dann fünf oder sechs Lieder fertig. Aber generell haben wir keine Schreibphasen und Songs entstehen auch während unserer Gig Zeit. Damals haben wir gemerkt, dass wir für die Aufnahmen ein gutes Studio brauchen. Wir hatten auch mal versucht im Wohnzimmer oder in Jugendzentren aufzunehmen und es hat einfach nie gepasst. Marten in den Proxy Studios in Stuttgart hat uns dann mal zu sich eingeladen und es hat direkt auch menschlich gepasst. Durch sein gutes und konstruktives Feedback haben wir dann auch endlich im Studio unseren Sound gefunden.

Kulturpegel: Was ist denn euer großes Ziel für dieses Jahr?

The Hunting Elephants: Also Horb war schon eine große Sache. Vor allem wenn man überlegt, welche Bands dort noch so gespielt haben (Anm. d. Red.: Beim Mini Rock Festival 2015 spielten u.a. Trailerpark, Royal Republic, Genetikk, Heisskalt und Teesy). Schon um 14:20 Uhr waren Leute da, die uns sehen wollten. Und das waren echt viele! Als sie dann noch, ohne uns je gesehen zu haben, laut "Elephants!" gerufen haben - das war schon ein tolles Gefühl. Besonders, dass wir unsere EP raus gebracht haben war ein super Erfolg. Unser Ziel ist natürlich auch, dass wir einfach bekannter werden und das auch über Baden-Württemberg hinaus. Philipps großer Traum ist es übrigens immer noch, auf der White Stage beim Southside zu spielen. Der Sänger von Royal Republic hat sogar bei unserem Auftritt beim Mini Rock zugeschaut und zu einer Freundin von uns gemeint, dass wir gut seien.

Kulturpegel: Das ist aber echt mal was!

The Hunting Elephants: Und Melissa war die einzige Frau auf der Bühne auf dem ganzen Festival. Es war schon ein tolles Erlebnis.

Kulturpegel: Melissa hast du denn jemals aktiv Gesangsunterricht genommen?

The Hunting Elephants: Eigentlich nicht. Als ich 13 war habe ich damals mit "Fruity Loops" meine ersten Beats gemacht. Zum Singen kam ich viel später. Als ich vor fünf Jahren nach Deutschland kam hab ich ein paar Jungs im Keller proben gehört und gedacht, ach wenn die das können, kann ich das auch. Ich wollte mich beweisen und so hab ich damals mit der ersten Band "Fear of Lion" angefangen. Aber so richtig hat es dann erst mit den Hunting Elephants alles gepasst und wir haben dann auch bald gemerkt: Wir wollen nicht in Büros sitzen und Briefe schreiben. Wir wollen das mit der Musik schaffen!

Kulturpegel: Und da seid ihr ja auf einem guten Weg! Ich denke ohne, dass ihr aktiv daran gedacht habt, weiß ich nun auch die Frage, die ihr schon immer gefragt werden wolltet: Spielt ihr nächstes Jahr auf der Green Stage beim Southside? [Einstimmiges: "Auf jeden Fall!"] Na dann, viel Erfolg und bis zum nächsten Gig!

Text:
Tobias Leicher
Geschrieben am
01. November 2015