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Loisach Marci im Interview
 
 

Loisach Marci im Interview

Don’t Mess With Bayern. Die Berliner Fashion-Week will ihn haben, während man ihn in der bayerischen Provinz am liebsten mit den Mistgabeln aufspießen würde.

Loisach Marci über Kurtaxe, Stuttgart und sein neues Album "Nia Z’Spat".

Alles gut bei dir?

Ja, ich bin schon wieder On The Run…Ich muss jetzt heute dringend noch für die Firma Gössel ein paar Soundfiles rüberschicken und dann bin ich auch schon wieder zum Tonstudio unterwegs.

Etwa schon wieder eine neue Platte?

Ne, aber wir haben jetzt einen Loisach-Brand, Kurtaxe und machen dafür so ein paar verrückte T-Shirts. Weil, ich hatte jetzt so gar keinen Bock, Shirts zu machen auf denen "Loisach Marci" draufsteht. Deshalb Kurtaxe. Irgendwas geht immer bei uns. Immer "On Fire".

Von vorne. Gebürtiger Bayer. Wie hat es dich nach Stuttgart verschlagen?

Das hat sich einfach so ergeben. Meine Mutter kommt aus Stuttgart, mein Vater aus Garmisch. Also meine Kindheit habe ich in Garmisch verbracht. Wirklich, 'ne supergute Kindheit. Und trotzdem freue ich mich jetzt, in so einer freien Stadt wie Stuttgart zu leben. Hier darf ich meine ganzen verrückten Ideen ausprobieren, was ja in Garmisch gar nicht möglich gewesen wäre. Das ist mir erst im Nachhinein klar geworden. Mit der Musik, Elektronik und Tradition, das hätte da gar nicht funktioniert.

Du konntest also deine Musik erst hier ausleben?

Total. Ich habe dann hier ja selber auch viel mit Elektronik ausprobiert. Das hat mich total inspiriert. Deshalb war es auch irgendwie logisch, dass das früher oder später passieren musste: Man hat einen Elektro-Beat und sagt, kimm, jetzt packe ich dazu noch das Alphorn aus und dann mach mer oin. Es wurden immer mehr Instrumente. Wir haben noch ein Hackbrett am Start, Löffel und Kuhglocken und woiß dr Goier ois. Irgendwie passt das absolut dazu. Ein paar Trompeten haben wir noch und eine Posaune.
Komischerweise gibt es da ein paar Schnittstellen, wo man jedes Mal denkt: Ja krass, dass das überhaupt funktioniert und dann es hört sich so cool an. Aber was genau da passiert, kann ich dir nicht erklären. Aber die Leute feiern es. Wir auch.

Wie würdest du deine Musik benennen?

Joa….Das interessante ist, dass schon ganz viele gesagt haben, für den Loisach Marci gibt es keine Schublade. Ich bin der Meinung, wir machen ganz einfach eine moderne, bayerische Musik. So würde ich es nennen: Alpin-Modern. Besonders toll ist, dass man damit so viel machen kann. Wir bekommen auch immer mehr Anfragen, zum Beispiel vor Kurzem von der Fashion-Week in Berlin.

Die Songs sind relativ einfach zugänglich, man kann gut dazu tanzen. Es gibt auch viele dieser Momente, wo man die Freiheit im Herzen einfach spürt, auch dank der Roots, die wir ja haben. In Bayern, aber auch in der Schweiz oder Österreich holt es deshalb die Leute nochmal ganz anders ab, weil sie mit dieser Tradition ja auch irgendwie eine Verbindung haben. Die Leute in Baden-Württemberg schauen eher von außen drauf. Kern ihrer Wahrnehmung ist mehr die elektronische Musik. Sie sind verwundert über die Instrumente, die ich dann noch zusätzlich benutze. In Bayern ist es genau anders herum. Die sehen eher die Instrumente, das Traditionelle und denken sich dann, krass, was der für elektronische Sounds dazu spielt.

Wo kommt die Musik besser an?

Das ist Einstellungssache der Leute. Ich meine, ich hab auch echt schon Drohungen von ganz krassen Leuten bekommen… die halt sagen: Du ziehst die Tradition in Dreck. Ist doch bemerkenswert, dass sich solche Leute die Zeit nehmen, um mir extra eine Mail zu schreiben. Das heißt aber auf jeden Fall auch, dass wir wahrgenommen werden und ein Stück weit auch polarisieren. Am nächsten Tag kommen wieder die Mails von Leuten, die sagen ich soll weitermachen, denen es einfach gefällt. Das ist dann schon verrückt.

Ist denn niemand froh, dass du die traditionelle Musik bewahrst und in gewisser Art und Weise in die Moderne überträgst?

Naja, also…das bekomme ich jetzt ehrlich gesagt nicht mit. Vielleicht, dass die Leute nach den Shows noch darüber quatschen, aber da bin ich ja nicht dabei. Aber was die dann genau mitreißt, weiß ich nicht. Ich denke, jeder muss unseren Sound für sich selber entdecken.

Absolut. Aber was war zuerst: Synthie oder Alphorn?

Eigentlich ist es so: Mit den traditionellen Instrumenten war ich in Garmisch sehr vertraut. Mein erstes Instrument war eine Mundharmonika…Alphörner und Trompeten hat man ja sowieso gespielt. Ich glaube, dadurch lernt man dann ganz viel als Musiker, auch unterbewusst, über die harmonischen Zusammenhänge und was die für Emotionen auslösen. Es gibt da ja ganz schöne alte Musik, mit einem Dreiklang aus Zither, Harfe und Gesang. Wenn du das hörst, da hast du echt Tränen in den Augen, ohne genau zu wissen warum. Irgendwas macht es halt mit dir. Ich glaube für diese Momente habe ich ein ganz gutes Gespür. In der Elektronik ist es genau dasselbe. Ich denke auch deshalb passen beide Komponenten so gut zusammen.

Wann ist denn genau dein Album "Nia Z’Spat" erschienen?

Release war im März, am 13. oder so…hab ich schon wieder vergessen, sorry…(Lacht). Jetzt läuft gerade die komplette Release-Tour. Wir haben so viele Konzerte, da komme ich selber gar nicht mehr ganz mit.

Wie sind die Songs entstanden? Die erste Single "Nia Z’Spat" hört sich ja doch ein bisschen anders an, als was du davor so auf Youtube hattest.

Ich hatte das Gefühl, auf die Platte habe ich mein ganzes Leben gewartet. Es war alles schon da, man musste sie nur noch machen. Dann ist es ganz schnell passiert. Ich war 1 ½ Wochen alleine im Tonstudio. Die haben mir die richtigen Mikros hingestellt und ich habe einfach nur losgelegt. Ich brauchte auch niemanden, der mir dabei hilft zu überlegen, wie das Album werden soll…ich brauchte nur einen technischen Support.
Der Titel "Nia Z’Spat" ist einfach so entstanden. Irgendwie war das ein wichtiges Thema für mich, dass man sein Kinderherz wiederfindet. Das musste noch auf die Platte mit drauf.

Wo gibt es denn in Stuttgart einen bezahlbaren Proberaum, in den auch ein Alphorn passt?

(Lacht). Na, den gibt es tatsächlich nicht. Also ich trenne das. Ich spiele mit dem Alphorn grundsätzlich nur draußen, und es gibt ein paar sauschöne Plätze in Stuttgart. Dann habe ich noch einen Raum für die Elektronik, der ist vollgepackt mit Synthies und insgesamt 13 Instrumenten. Da spiele ich dann meine Elektronik und die ganzen restlichen Instrumente ein.

Wie kann man sich die typische LM-Liveshow vorstellen?

Boah…auf jeden Fall ULTRAKRASS. Als erstes Stückerl gibt’s halt so einen ganz krassen Alphorn-Sound, in Kombination mit einem unfassbar brutalen Synthesizer, der echt richtig wehtut…haha. Und, es gibt ja so geile Namen bei uns in Garmisch, die haue ich dann raus. Da kimmt der Beat, ois schebbert, die Namen…und das hat halt so a krasse Energie und dann beginnt das Konzert. Es kann auch passieren, dass während der Show alles in sich zusammenbricht, dann spielen wir nur akustisch, ganz ohne Elektronik. Das gehört eben auch dazu, dass man da mal ganz runterfährt. Dadurch entstehen diese schönen Momente.

Text:
Julian Fischer
Geschrieben am
13. Juni 2016