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Mal Zwischendurch bei den Popbüro Sessions
 
 

Mal Zwischendurch bei den Popbüro Sessions

Bei den ersten Popbüro Sessions im Jahr 2015 schnuppern wir zum ersten Mal Frühlingsluft. Zusätzlich gute Laune verbreiten Christoph und Andre von der Band Mal Zwischendurch - auch, wenn sie eigentlich zu der ganz poetischen Sorte Liedermacher gehören.

KP: Kurze Frage zu Beginn: Seit wann gibt es Euch? Im Netz findet man immerhin ein komplettes Album.
Mal Zwischendurch: Uns gibt es seit 1989 und 1990, wobei wir uns erst um 2000 kennengelernt haben. Spaß beiseite, wir haben kein explizites Gründungsjahr. Wir machen schon seit der Schulzeit zusammen Musik, haben immer wieder Lieder geschrieben und sie für uns gesungen. Was man sagen kann ist, dass wir uns im Dezember 2013, genauer gesagt am bierseligen, Heiligen Abend in den Kopf gesetzt haben, ein Album aufzunehmen mit all den Liedern aus unserer gemeinsamen Zeit. Somit haben wir uns quasi „im Laufe der Jahre“ gegründet und die Album-Release Party in der Dieselstraße in Esslingen Ende letzten Jahres, war dann der endgültige Startschuss.

KP: Und warum seid Ihr nur zu zweit? Passt man da besser zwischen durch?
Mal Zwischendurch: Das ist gewissermaßen sogar ganz richtig. Es hat viele Vorteile nur zu zweit zu sein. Man muss beispielsweise nur einen Anruf tätigen um Dinge zu besprechen, die die ganze Band angehen. Die Techniker freuen sich, wenn sie nur acht Kanäle belegen müssen, wir könnenimmer und überall spielen wo wir zwei Quadratmeter Platz finden und als Nightliner reicht uns ein Kleinwagen. Da wir mittlerweile leben wie in einer Beziehung ist das mit der dritten Person vielleicht auch zwischenmenschlich ein wenig schwierig. Fakt ist aber auch: Wir wollen Musik machen, wie wir sie immer gemacht haben und
dass wir dabei nur zu zweit sind ist nicht bewusst gewählt, sondern ein Produkt unserer langjährigen Freundschaft.

KP: Das hört sich nach ganz praktischen Arbeitsbedingungen an. Vielleicht habt Ihr es gemerkt: Euer Bandname Mal Zwischendurch lässt sich hervorragend als Wortspiel verwerten. Ist das Absicht?
Mal Zwischendurch: Wir haben den Namen mit Absicht gewählt, beziehungsweise beibehalten und nehmen das Wortspielpotential daran natürlich gerne in Kauf. Jedoch war das nicht der Hauptgrund. Wir sind mal zwischendurch entstanden, haben immer nur mal zwischendurch Musik gemacht und irgendwie haben wir uns mit der Zeit in die weitreichende Bedeutung verliebt. Schließlich passieren so viele schöne Dinge mal zwischendurch, die wir oft gar nicht bewusst wahrnehmen. Oft überlagert das Negative im Alltagsstress der Schlag-Auf-Schlag-Gesellschaft das Wesentliche, das Schöne. Für vieles bleibt keine Zeit mehr, was jedoch nicht heißt, dass man diese Dinge aus den Augen verlieren muss. Vielleicht ist es eine kleine Aufforderung an die Leute sich dessen bewusst zu werden und auch mal zwischendurch sich grundlos zu sonnen, mal zwischendurch das Smartphone stumm zu schalten oder mal zwischendurch einen Mittagspausenkaffee zu viel zu trinken.

KP: Fühlt Ihr Euch denn auch ein bisschen dem Poetry Slam verwandt?
Mal Zwischendurch: Der Poesie fühlen wir uns durchaus verbunden. Dem Slammen eher weniger. Wir besuchen gerne Poetry Slams begleiten gerne jede dieser Veranstaltungen musikalisch, aber unsere Texte gegen jene anderer Autoren ins Feld zu führen, liegt uns relativ fern. Genau aus diesem Grund spielen wir auch keine SongSlams.

KP: Wie poetisch seid Ihr demnach Eurer Meinung nach unterwegs?
Mal Zwischendurch: Passabel, paralinguistisch passend poetisch! Im Ernst: Christoph verbringt wirklich einen Großteil seiner limitierten Lebenszeit damit, sich anlässlich ausgefallener Anlässe ausschließlich abnormal anstößige, arglos anmaßende, aber auch artverwandt alberne Alliterationen auszudenken.

KP: Was ist der Unterschied von Singer-Songwritern und Liedermachern? Warum zählt Ihr Euch zu letzteren?
Mal Zwischendurch: Zunächst mal singen wir auf Deutsch, daher passt die deutsche Umschreibung schon rein sprachlich besser zu uns. Keiner von uns beiden ist DER Sänger/Songwriter von „Mal Zwischendurch“, weil wir alle Songs zusammen entwickeln. Jeder Song ist halb Andre, halb Christoph. So sind wir gewissermaßen gemeinsame Liedermacher. Ansonsten ist das so ein Gefühlsding: mit Singer-Songwritern verbinden wir Melancholie, Weltschmerz, und eine gewisse Verkopftheit, die wir an vielen Singer/Songwritern sehr gerne mögen. Nachdenkliche Lieder und Texte die eher rein persönliche Erfahrungen verarbeiten. Mit einem Liedermacher assoziieren wir dagegen Nostalgie, Eloquenz, Gesellschaftskritik, und Denkanstöße. Und eben eine gewisse Unverkopftheit, eine Direktheit. Wir hoffen und denken eine Portion von all den zuletzt genannten Schlagwörtern in unserer – für den gemeinen Singer/Songwriter wohl meist zu – positiven Musik zu vereinen. Auch wenn wir uns textlich natürlich des Öfteren an unserem persönlich erlebten Erfahrungsschatz bedienen; der Interpretationsspielraum für jeden in jegliche Richtung ist immer noch groß genug bemessen.

KP: Bei der Session habt Ihr gerne mal mit einer Aneinanderreihung von Vornamen eingezählt. Was steckt dahinter? Und kennt Ihr die genannten?
Mal Zwischendurch: Bei dem Lied „Westentasche“ hat Andre einfach nur auf Russisch eingezählt. Das weiß er wohl selber nicht, was ihn da geritten hat. Beim „nächsten Zug nach Haus“ sind es tatsächlich enge Freunde von uns, die wir seit vielen Jahren kennen und die das Lied in gewisser Weise für uns geschrieben haben. Da könnten wir natürlich noch viele weitere Namen nennen, bei jedem Konzert variiert das.

KP: Abschließend ... auf welche Frage habt Ihr gar keinen Bock?
Mal Zwischendurch: Und ...könnt ihr von der Musik leben?

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
31. März 2015