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Marz im Interview
 
 

Marz im Interview

Das hier ist ein langweiliger Anreißer. Das spannende Interview gibt's unten.

Im September kommt dein Debüt „I love 2 hate“ raus. Was erwartet uns auf dem Album?
Daran arbeite ich schon sehr lange. Vor vier, fünf Jahren habe ich den ersten Song geschrieben. Kurz gesagt, wollte ich meine Musik nicht an das sogenannte Internet vergeuden. Darum hab’ ich ein Mixtape gemacht. Das kam gut an. Und dann noch eins, das noch besser ankam. Und jetzt ist es Zeit für das Album. Darauf hört man guten, traditionellen Deutschrap, unterstützt von den Bixtie Boys. Die vier Jungs gehören zu der Jazzband, die das ganze live im Studio unterstützt hat.

Was unterscheidet die Platte von deinen beiden Mixtapes „Hoes. Flows. Tomatoes “ & „Hoes. Flows. Kollabos“?
Auf den Mixtapes waren zehn Tracks zum Downloaden. Die klingen unrund, unzusammenhängend. „I love 2 hate“ ist hingegen ein rundes Album mit 13 Songs, Intro & Outro und einem klaren Soundbild.

Die Mixtapes hätten eine Trilogie sein sollen. Wo ist der dritte Teil geblieben?
Der Veröffentlichungszyklus schreit danach, die Trilogie zu beenden und dann das große Album zu releasen. Zum einen wollte ich aber etwas Anderes machen. Und zum Zweiten hat es sich mit den Bixtie Boys zeitlich ergeben, das Album jetzt rauszubringen.

Derzeit begleitest du Lakmann auf Tour. Kann das Publikum da bereits neue Songs hören?
Teilweise. Es ist schwierig, ein Publikum, das du als Support von dir überzeugen musst, auch noch von neuen Songs zu überzeugen. Deshalb nehme ich abhängig von Spielort und Spielzeit portionsweise ein paar neue Songs mit in mein Set.

Laut Sickless ist Lakmann eines deiner Jugendidole. Was macht ihn so besonders für dich?
Lakmann war früher schon besonders. Er schwimmt keinem Strom hinterher, sondern macht sein Ding. Er war Teil der großartigen Band Creutzfeld & Jakob. Sie sind der goldenen Zeit des Deutschrap entsprungen: Sie haben Untergrundrap gemacht und nur zwei Alben rausgebracht. Lakmann ist einer der wenigen, die aus dieser Zeit noch Mucke machen. Und zwar nicht als Alibi, sondern weil der denkt, dass diese Mucke gemacht werden muss. Und das hört man in jedem Wort, in jeder Zeile, in jedem Takt. Vor allem ist er mit den Jahren besser geworden und nicht schlechter oder müder wie viele andere Leute.

Wie fühlst es sich an, mit Lakmann die Bühne zu teilen?
Verrückt. Es geht auch nicht so sehr um die Bühne sondern eher darum, dass du mit ihm in Kontakt bist. Früher hab ich mir seine Platten gekauft und hart gefeiert und heute schreiben wir auf Whatsapp. Das ist wirklich sehr verrückt und ich bin sehr dankbar dafür.

Wie wichtig ist das Stuttgarter Erbe für deine Musik?
Arg wichtig. Ich kann nicht viel dafür, hier geboren zu sein und hier zu leben. Aber ich feier’ es auf jeden Fall. Wenn ich überlege, welchen Sound wir machen, würde ich es von der Wärme und dem Gefühl am ehesten mit dem Sound von Kopfnicker von den Massiven vergleichen. Mir hat mal jemand gesagt, dass ich die Mucke, die ich mache, nicht in Buxtehude machen könnte. Und ich davon profitiere, aus Stuttgart zu sein. Außerdem bin ich hart VfB-Fan. Von daher: Fick alle anderen Städte.

„Fick alle anderen Städte.“

Wirst du oft mit den alten Hasen verglichen?
Es gab in Stuttgart die Kolchose und dann irgendwann das Chimperator Umfeld mit Die Orsons und Cro. Ich steh' alterstechnisch dazwischen. Deshalb ist der Begriff „Alte Hasen“ für mich so verwirrend. Ich glaub nicht, dass ich damit verglichen werde. Niemand eigentlich. Die Kolchose und auch die Massiven haben ein Alleinstellungsmerkmal, damit kann man niemanden vergleichen.

Was sagst zur Stuttgarter „Boyband“ des Hip-Hop - Die Orsons?
Großartig. Großartig wie sich’s entwickelt hat. Stuttgart isch ja oi neschd. Man kennt sich, läuft sich über den Weg. Deshalb hat man schon früh mitbekommen, was Plan B und Maeckes, auch mit ihren Theaterstücken in Ludwigsburg, gemacht haben und was für ein krasses Potential dahintersteckt. Auch und gerade in Sachen Bühnenshow und Präsenz. Die haben eben gebraucht, um sich zu finden. Zum Glück hat man ihnen die Zeit dafür gegeben. Denn das letzte Album ist auf jeden Fall ihr bestes. Obwohl das durchchoreografiert ist, hat man nie das Gefühl, dass es ne Choreo, sondern etwas Spontanes dabei ist. Die Jungs haben Bock, wenn sie auf der Bühne sind und mit Leuten reden. Da kann man nur Props geben.

Moneyboy hat den Orsons am Splash ja ein bisschen Fanta gebracht. Was soll er dir kredenzen?
Einfach nichts. Stille. Das wäre das Beste. Stille sollte man ihm kredenzen. Keine Klicks, keine Aufmerksamkeit. Einfach nichts.

Und wo gibt’s die besten Maultaschen, außer bei Mutti?
Nen guten Rostbraten gibt’s im RatRat im Westen. Und im Schwabenpfännle. Weil da isch ne Mouldasche un Fildrkraut un Spätzle und Zwiebelroschdbroda un Kartoffelsalat alle in einem Döpfle drin. Das ist das schwäbische Mixed Bucket.

Apropos Essen, welche Zutaten unterscheiden dich vom Deutsch Rap Einheitsbrei?
Authententizitätätät. Und ne geile Jazzband. Und ein bedingungsloser Wille nach einem geilen Soundbild. Aber das klingt so Nazi.

„Ich bin einfach kopfgefickt.“

Was können wir als nächstes von dir erwarten?
Das Album, wenn es endlich fertig wird. Mein Umfeld ist wie meine Stimme: Gereizt. Und das schon seit Monaten. Weil ich einfach kopfgefickt bin. Ich geh nebenher arbeiten und mach das Album fertig. Danach kann man von mir erwarten, dass ich wieder am Leben teilnehme. Mich gesund ernähre. Auch mal wieder Wasser trinke und hoffentlich viel live spielen werde. Danach arbeite ich an einem Mixtape, das „Hoes. Flows. Flamingos.“ heißen wird.

Wir warten solange und trinken Wasser. Prost.

Foto: 0711blog

Marz Marz
rap, Horrorcore, nwobhm, electronic, heavy metal
Text:
Isabel Thalhaeuser
Geschrieben am
08. Mai 2016