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Schmutzki im Interview
 
 

Schmutzki im Interview

Bei ihrem Besuch bei den Popbüro Sessions haben wir mit Dany, Beat und Flo von Schmutzki einen gemütlichen Nachmittag in der Sonne verbracht und bei einem kühlen Bierchen über ihren Mob, Punkrock mit Luxuslärm und 300 000 rote Sticker gesprochen.

Kulturpegel (KP): Warum heißt Eure neue Platte eigentlich Bäm? Ist ja nicht der einfallsreichste Titel.
Beat: Warum sollte sie nicht so heißen? (lacht)
Dany: Für uns ist alles gerade ziemlich „Bäm“. Außerdem wollten wir wieder was mit drei Buchstaben.
Beat: Ja, nach „Mob“ musste wieder was kommen, was drei Buchstaben hat.

KP: Über den Titeltrack wurde an mancher Stelle berichtet, dass Ihr darin nun politisch seid. Wollt Ihr als Punkband jetzt echt mal auf die Kacke hauen und Euren Stand vertreten?
Dany: Das war auf jeden Fall mal notwendig. Davor haben wir ausschließlich Partysongs gemacht. Ich mein', wenn du mal ein ganzes Album schreibst, machst du dir ja auch mal Gedanken, um was es noch so gehen könnte. Und wenn du dann noch mit einer Band namens Wizo unterwegs bist, wird man schon ein wenig politisiert.
Beat: Was wir vor allem nicht wollten, war mit erhobenen Zeigefinger auf der Bühne zu stehen und euch zu sagen, was richtig und falsch ist.
Dany: Machen wir aber.
Beat: Machen wir aber. (alle lachen)
Dany: In dem Song gibt es eine Zeile namens „positive brutality“. Jetzt gibt es ja schon viele Leute, die sich für uns interessieren und sich vielleicht auch mal die Texte genauer anhören. Warum nicht diese Aufmerksamkeit nutzen um auch mal klar zu stellen, hinter was wir stehen und was wir scheiße finden. Ist ja nicht verkehrt.

KP: Nö. Nachdem ihr mit u.a. Wizo auf Tour wart und euch ein bisschen mitreißen habt lassen: Begreift Ihr Euch denn als klassische Punkband?
Dany: Eigentlich nicht. Viele bezweifeln sogar, dass wir überhaupt eine Punkband sind. Wir hatten es gestern erst davon, dass das schon unsere gemeinsamen musikalische Wurzeln sind. Und dass Punk das ist, was uns nach wie vor beeinflusst. Aber am Ende des Tages schreiben wir Songs, die wir gut finden und die sind meistens eben schneller und dämlicher als richtige Musik. Was soll es also sonst sein?
Beat: Eher Punk als Hip Hop auf jeden Fall.
Dany: Für ne Indieband sind wir zu rumpelig und nicht schön genug.

KP: Wie lange habt Ihr denn an den neuen Songs geschrieben?
Beat: Zwei Tage ungefähr.

KP: Für’s ganze Album? Bäm!
Dany: Nein, wir haben im August angefangen, sind im Oktober ins Studio und hatten vorher keinen einzigen Song. Viel haben wir dann noch im Studio gemacht.
Beat: Wir hatten im Studio ein Fenster voller Post-Its, so 40 bis 50 Stück, auf die wir Songtitel geschrieben haben. Über mehrere Stunden hinweg haben wir dann ein Ranking von „Must have“ bis „eher wurscht“ erstellt.
Dany: Ja, das war alles ziemlich planlos. Wir waren dann noch zwei Wochenenden auf einer „Band-Hütte“ im bayrischen Wald und haben dort noch ein bisschen rumgerödelt. Hätte auch schiefgehen können, aber am Ende kam das raus, was wir jetzt vor uns haben.

KP: Auf der Platte fällt vor allem ein Lied beim ersten hören besonders ins Auge: Kunst der Verdrängung hört sich krass nach Spider Murphy Gang an.
Durcheinander: Ach, pff, ich bitte dich. Wir haben keine Ahnung wovon du sprichst.
Beat: Nein, es ist ein Zitat.
Dany: Unbewusst ist der Song tatsächlich so entstanden. Also kein absichtliches Plagiat doch plötzlich hörte sich der Song wirklich so an. Aber hey, drauf geschissen. Wie lange ist das her? 30 Jahre?

KP: Läuft auf jeden Fall immer noch gut im Bierzelt. Habt ihr darauf Mal Bock, beim Wasen zu spielen?
Flo: Wir haben ja schon den Mischer, der auch im Hofbräuzelt den Sound macht.
Beat: Ja doch, der Wasen und wir rücken immer näher zusammen. Wir würden es auf jeden Fall machen, aber wir würden wahrscheinlich nicht … wobei wir würden auch Helene Fischer covern. Aber irgendwo ist dann auch die Grenze, ich weiß grad nur nicht genau wo.
Dany: Das ist das Gute an unserer Band: Wir können jeden Blödsinn machen, das kann uns einfach niemand übel nehmen.
Beat: Obwohl, wir haben schonmal in einem Bierzelt gespielt … mit Luxuslärm war das doch.

KP: Fast so geil wie Glasperlenspiel!
Beat: Oh ja, auch ne geile Band.
Dany: Also Luxuslärm sind echt unsere Feinde.
Beat: Ich wollte mit ihr Wein trinken und sie nicht. Seitdem ist es aus mit uns beiden.
Dany: Wir hatten mal ne Backstage-Kabine neben denen in Friedrichshafen.
Beat: Den Gig hat uns übrigens das Popbüro besorgt! Oder war das die Popakademie? (lacht)
Dany: Da haben wir ein bisschen gespielt und gesungen, bis irgendwann so ein Spacko rüberkam und meinte …
Beat: „Entschuldigung, die wollen sich noch ausruhen da drüben!“
Dany: Solche Pussies, ey!
Beat: Und der hat das wirklich ernst gemeint. Klar mag das nervig sein mit uns daneben, aber das war schon richtig uncool.
Dany: Sowas mögen wir nicht so gern, ne.

KP: Kommen wir doch mal zu den Sessions. Warum habt ihr Euch die beiden Songs, die ihr eingespielt habt, ausgesucht? Gab‘s da auch ein Ranking?
Dany: Rodeo ist ganz klar unsere nächste Single. Da bietet sich’s ja an den nochmal zu üben. (lacht) Auch der andere Song … der ist auch auf dem Album drauf. Viel Spaß spielt übrigens auf die PEGIDA-Bewegung an. (Anm. d. Red.: Das Interview wurde am 16. Mai aufgezeichnet - einen Tag bevor die PEGIDA mit 200 Mitgliedern in Stuttgart auf 4000 Gegendemonstranten traf.)
Beat: Im Grunde wollten wir einen langsameren und einen schnelleren Song spielen.
Flo: Sonst ist es zu anstrengend.

KP: Habt ihr auch mal Bock auf nen Metalsong oder wollt ihr mal rappen?
Dany: Da sind wir zu schlecht für. Er rappt zu schlecht (zeigt auf Beat) und wir spielen zu schlecht.
Beat: Och, ich könnte schon rappen. Der Rhyme in Risiko ist mega fett!
Dany: Jaja, der Ryhme ist fett. Aber ne, soweit ging‘s noch nie. Wir bleiben schon bei unseren Leisten. Gerade wenn du halt nicht so geil spielen kannst, musste halt bei Punkrock oder bei allem, was unter ein gewisses Niveau fällt, bleiben.

KP: Wie viele Interviews habt ihr denn schon gegeben?
Beat: In letzter Zeit viele, gerade auf Tour. Eigentlich läuft es immer so: Man stellt uns ne Frage und wir antworten alle drei das Gleiche, also alle aus ihrer eigenen Sicht, alle fallen sich irgendwann ins Wort und ... naja. Wir sind harte Laberbacken, vor allem vor der Kamera. Ja und Phoner und Mailer … aber am besten ist es immer noch, wenn man sich einfach gegenüber sitzt und miteinander spricht.

KP: Gab‘s da auch mal ne richtig nervige Frage?
Dany: In Wien hat eine gefragt: „Warum habt ihr den Hund aufs Cover gemacht? Das ist doch doof.“
Beat: Hat sie echt gefragt?
Dany: Ja, schon mit so nem Unterton „Ich find’s scheiße, erklärt mir das mal“. Und danach soll sie es gut finden oder wie? Das war schon ne unnötige Frage.

KP: Und warum habt ihr den Hund auf’s Cover genommen?
(Alle lachen)
Beat: „Weil ich find’s scheiße?“

KP: Warum kein Kätzchen? Ist rot jetzt eure Lieblingsfarbe? Warum eigentlich Schmutzki?
Beat: Warum eigentlich Schmutzki?

KP: Ja, erklärt doch mal für die, die es nicht wissen.
Beat: Warum heißen wir nicht Schmutzki? Ich heiße Schmutz mit Nachnamen. Maierski wär halt nicht so geil. Obwohl Hagmüllerski ist auch cool.
Dany: Wir machen einfach alle mal Soloprojekte! Ne, ich fand Beats Nachnamen einfach geil. Und wir saßen in der Bredouille, weil wir ein Konzert spielen sollten und dafür natürlich nen Bandnamen brauchten. Ich hab dann mal ein bisschen drüber nachgedacht und festgestellt, nur „Schmutz“ heißen ist auch doof. Als ich dann kurz später einen Schimanski-Tatort gesehen hab und der Typ einfach ein geiler Assi ist, hab ich festgestellt, dass wir eigentlich auch ganz geile Assis sind. Tja, so kam eins zum anderen.
Beat: Ich wollte am Anfang nicht, dass wir so heißen. Die Band wäre ja dann irgendwie nach mir benannt.
Dany: Ach, tu doch nicht so bescheiden.

KP: Klingt, als wärst Du der Kopf der Band.
Beat: Aber natürlich bin ich der Kopf der Band! (lacht)
Dany: Alle fanden den Namen am Anfang scheiße.
Flo: Du hast ihn ja auch mit „y“ geschrieben.
Beat: Jetzt finden alle den Namen geil, man schmunzelt ein bisschen, wenn man ihn hört.

KP: Man „schmunzkit“ quasi … So wie bei der Masse an Sticken, die ihr unters Volk bringt. Wie viele von diesen scheiß Stickern habt ihr eigentlich?
Flo: Wir sind jetzt aktuell bei 170 000. Und für die kommende Festivalsaison werden 300 000 bestellt.

KP: Gab’s da nicht irgendwann mal Ärger?
Flo: Ja, als wir 2013 zum PLAY LIVE Finale als Special Guest, also Vorjahressieger, geladen waren. Da sind wir mit einem Bus nach Mannheim gefahren und die Leute haben’s vor Ort ein bisschen übertrieben. Die Veranstalter haben von uns verlangt, die Sicker am Klo abzumachen. Erst wollten wir es nicht einsehen, aber als wir in die Toiletten gekommen sind, war wirklich der ganze Spiegel vollgeklebt.
Dany: Auf der Wizo-Tour gab’s auch schonmal Ärger deswegen. Aber insgesamt ist es nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Das war übrigens so unser erstes Ding. Vor unserem ersten Konzert oder Releaseparty im Zwölfzehn haben wir die ersten bestellt und dort haben sich die Leute das erste Mal mit diesen Dingern beklebt. Das ist schon irgendwie geil zuzusehen, wie alle damit rumspielen. Auf Facebook hat mal einer geschrieben: „Hey, ich will meinen Roller komplett mit Schmutzki-Aufklebern zutapen. Bitte schickt mir ganz viele!“
Beat: Man kann auch schön basteln. Zum Beispiel aus ner Flasche Radler „Dinkelacker Naturschmutzki“ machen (klebt einen Sticker auf sein Getränk). Das ist schon ganz lustig.
Dany: Ich glaube wirklich, dass viele Leute uns zuerst über diesen Sticker wahrgenommen haben.

KP: Auch schön ist die Präsenz des Schmutzki-Mobs. Auf jedem Eurer Konzerte sind mindestens die ersten Reihen komplett rot.
Flo: Osnabrück war krass. Da waren ungefähr 2/3 der Leute in Schmutzki-Shirts.
Beat: Ja, da hab ich aus dem Fenster geschaut und das war, als warten da jede Menge Fussball-Fans, die mit ihren Trikots ins Stadion stürmen.
Dany: Fast schon ein bisschen gruselig. Ich warte drauf, dass der erste Schmutzki-Fan einen anderen Schmutzki-Fan, den er von einem unserer Konzerte kennt, heiratet.
Dany: Der Name kommt übrigens daher, dass, als wir beim PLAY LIVE Finale 2012 nach unserem Auftritt vor der Jury saßen und draußen die 80 Verrückten, die wir noch selbst mit dem Bus angekarrt haben, wie wild „Schmutzki! Schmutzki!“ gebrüllt haben. Wir dachten da nur, oh Gott, wenn wir jetzt nicht gewinnen, was macht dann dieser Mob mit uns?
Beat: Die Shirts kamen dann erst zu unserem ersten Auftritt beim Southside. Da haben wir alle zusammen als Camp gezeltet.
Flo: Das machen wir auch dieses Jahr wieder! Nur viel übertriebener.

Schmutzki Schmutzki
punk, deutsch, southside, under 2000 listeners, southside 2013
Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
16. Juni 2015