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Drittes Freikonzert am Pariser Platz
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Drittes Freikonzert am Pariser Platz

Mit dem Kopf in den Wolken.

Die drückende Hitze des letzten Tages der Woche lässt langsam von zahlreichen geplagten Stuttgartern ab, die nach Sea & Air langsam im Takt zu elektronischen Beats von Pauls Artists wippen. Neben ein paar Fressständen gibt es Hängematten zum Ausruhen, ein paar Kinder sitzen erschöpft auf dem Boden und trinken kühle Rhabarberschorle. Mit der Hitze schwindet auch der Tag. Die Baustelle hinter dem Pariser Platz, an deren Ende sich ein Monstrum von neuer Einkaufsmeile in den Himmel reckt, ist in diesem Moment das schönste und beschreibendste Bild, das dieses Freikonzert haben kann. Rings um die Bühne erheben sich hohe Mauern von Wohnhäusern und in den Büros erlischt langsam das letzte Licht. Das Klappern der Skateboards etwa 200 Meter entfernt, das mir kurz zuvor noch wie eine unvermeidbare schöne Wendung zwischen Beton und Asphalt vorkam, ist schon lang nicht mehr zu hören.

Heute Abend weicht die triste Bürokulisse einer Freikonzertkultur, die uns bereits zwei mal aus dem Haus gelockt hat, um gefühlt mit der ganzen Stadt unterwegs zu sein. Viele Besucher sitzen am Boden, sind hervorragend gelaunt. Der Sommer zeigt sich von seiner besten Seite. Schon in wenigen Minuten errichten Rangleklods aus Dänemark vor einer traumhaft beleuchteten Kulisse neue Wände aus Bass und anziehenden Stimmen.

Dünne weiße Gebilde, einem sich endlos drehenden Fächer ähnlich, wabern auf der kalten Fassade der Häuser. Die Bewohner blicken von ihren Balkonen herab, als der Hauptact des Abends für die nächsten eineinhalb Stunden Stuttgarts Mitte verzaubert. Keiner drängelt, niemand nörgelt. Selbst die roten blinkenden Leuchten der Kräne tragen ihren kleinen Teil zur Stimmung bei. Rangleklods Konzert scheint endlos. Songs wie Clouds, Riverbed oder Young And Dumb muss niemand ankündigen. Alles bewegt sich leicht im dubbigen Takt und lässt sich für einen langen Moment vom synthieverspielten Sound und durch Licht erzeugte Geräusche davontragen. Die Stimme von Percussionistin Pernille Smith-Sivertsen füllt die Lücken, die die tiefe, weiche Stimme des Sängers und Masterminds Esben Andersen kurz hinterlässt, um sich kurz darauf wieder mit ihr zu vereinen.

Als der Sänger plötzlich verkündet, um zehn müsse Schluss sein, steht sein Entschluss schon lange fest, noch ein paar Zugaben zu spielen. Erst als Reiner Bocka, der Organisator und Besitzer des Café Galao, zum Mikro greift und die traurige Nachricht verkündet, dass es aufgrund fehlender städtischer Genehmigung nicht mal mehr für die altbekannte Silent Disco reicht, wird das Ende greifbar. Alles, was wir noch tun konnten, ist bis um 23 Uhr die Bar zu bevölkern, um solange wie möglich die wunderbare Stimmung, so viele verschiedene Menschen an einem Platz zu versammeln, zu genießen.

Danke für diesen weiteren musikalischen Höhepunkt, der beweist, dass diese Stadt noch so viel unentdecktes Potential besitzt.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
02. August 2014
SEA + AIR
german, Indie, indie rock, luisterpaal, radioparadise
Rangleklods Rangleklods
electronic, Indie, berlin, norwegian artist, eurosonic 2013
Adna Adna
swedish, singer-songwriter, Indie, indie pop, sweden