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alt-j im Zenith München
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alt-j im Zenith München

Ein wunderbares Konzert, jedoch nichts für einen konservativen Geist oder ein lichtempfindliches Gemüt.

Frisch gerädert von der Karnevalshochburg gehts nach München zum Entspannen: alt-J spielen. Ich als Laie der Musikszene kaufe die Karten drei Monate im Voraus, weiß dass sie den renommierten ‚Mercury Music Prize‘ gewonnen haben und hege große Erwartungen. Aber was soll man von dem Liveauftritt einer Band erwarten, die es vermeidet, einem jegliche persönliche Videopräsenz unter die Nase zu reiben? Gute Musik natürlich.

Wir fahren nach Freimann ins ausverkaufte Zenith und die denkmalgeschützte Kulturhalle imponiert: Ein Dutzend Stahlträger formen eine Art Kirchenschiff, am hinteren Ende die Bühne. Während der beiden Vorbands Gengahr und Wolf Alice füllt sich die Halle immer weiter. Dann stehen plötzlich vier unscheinbare Gestalten auf der Bühne und blutrote Scheinwerfer pulsieren zu Hunger of the Pine. Das Publikum erstarrt. Weiter geht es mit Fitzpleasure. Vergnügen macht dabei auf jeden Fall die Lichtshow. Ein sehr sympathisches, kurz reingeworfenes „Hello Munich, how are you guys doing today?“ ist vorerst die letzte direkte Interaktion mit dem Publikum. Es braucht auch nicht mehr. Wäre falsch am Platz. Auch dringt bei dieser Fülle an audiovisuellen Reizen zusätzlich nicht mehr viel zur Menge durch. Dann geht es nahtlos weiter. Sie spielen viel vom alten Album, fast genauso viel vom neuen. Bei Taro geht das Gekreische los. Ich kann nicht anders und stimme ein. Am Ende gibt es vier Zugaben, was ich angemessen finde. Dann verschwinden die Jungs so schnell, wie sie aufgetaucht sind.

Ich habe irgendwo mal gelesen, alt-Js Musik sei eine Mischung aus Rock, Hip-Hop, Reggae und Electronic. So eine Mischung kann sich meiner Meinung nach nicht gut anhören und sie trifft auch nicht auf alt-J zu. Gute Musik ist individuell, ihrer Zeit voraus und grundsätzlich nicht mit Worten zu beschreiben. Alt-J ist all das. Meine Erwartungen haben sie erfüllt und ich glaube auch die der meisten anderen Zuhörer an diesem Abend.

Text: Sven Deutschländer

Text:
Geschrieben am
18. Februar 2015
alt-J alt-J
Indie, electronic, british, alternative, indie pop