Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Arkells im Zwölfzehn

Ein Abend, der vor Extraversion nur so strotzt.

Ein Gutes hat es also doch, dieser Heuschnupfen: Man hat als Geplagter immer Taschentücher griffbereit in diesen Tagen. Schon nach den ersten Takten der Vorband Taymir muss ich selbige zweckentfremden, um mir daraus Ohrstöpsel zu basteln. Es wird laut heute Abend im Zwölfzehn, das ist sofort klar.

Die vier Jungs aus Holland erinnern ein wenig an die Beatles der 2010er und sie geben alles, um das Publikum im noch übersichtlich gefüllten Zwölfzehn davon zu überzeugen, dass sie das Zeug zu einer neuen Lieblingsband haben. Das betonen sie auch ganz frei aus ihrem selbstsicheren Musikerherz heraus und spielen ihrer Aussage nach nur „best songs“. Trotz überschwänglichem Selbstbewusstsein oder gerade deswegen überzeugen die Jungs mit absoluter Spielfreude, sodass sogar die Schnapsflaschen hinter der Bar vom Regal fallen.

Nach kurzer Verschnaufpause füllt sich das ausverkaufte Zwölfzehn rasch und mit sichtlich erwartungsvollen und gutgelaunten Fans der Arkells. Auch die Kanadier starten voll durch und geben von Anfang an Vollgas. Da fällt es als Nicht- Fan etwas schwer mitzuhalten. Der Großteil der Besucher scheint jedoch von Beginn an auf den rasanten Zug aufgesprungen und textsicher an die Jungs auf der Bühne gefesselt zu sein. Kein Wunder, denn Frontmann Max Kerman sucht immer wieder den Kontakt zu seiner Stuttgarter Partymenge. Bei Zuschauerchören habe ich das Zwölfzehn selten so energisch mitsingen hören und bin beeindruckt. Laut, lauter, Stuttgart.
Gleichzeitig gebe ich jedoch zu, dass ich irgendwann vom Zug gefallen bin und es mir etwas schwer fällt zu folgen. Wenn man die Songs nicht mitgrölen kann, ist es etwas eintönig und mir fehlen Höhepunkte oder zumindest eine kleine Abwechslung, die mich ergreift und wieder mitnimmt auf die geile Party, auf der die eingesessenen Fans tanzen.

Text:
Jenny Ziegeler
Geschrieben am
28. Mai 2015
Arkells Arkells
canadian, indie rock, rock, Indie, alternative