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ClickClickDecker im Keller Klub
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ClickClickDecker im Keller Klub

ClickClickDecker hat ja schon einen Namen in der Branche. Nach Auszeiten für andere Projekte folgt jetzt ein neues Album, das wir uns gerne anhören und kritisch bewerten.

Im Publikum spricht man von Petula, dem Tour Support: "Ist es das schon?", „Das ist die Vorband? Der soll uns einspielen?“ Nach einigen Minuten hinschauen: „Sollen wir die Jacken abgeben?“ Ein Nicken.
Petula, der alleine angereist ist, bewegt sich diffus, als höre er etwas anderes als wir. Er singt auf einer Tonhöhe, die nicht mal seine Musiklehrerin halten kann. Die Ansagen zwischen den Stücken sind wie aus einem Sketch und auswendig gelernt. Wie er wackelt, hört er in seinem Kopf Pink Floyd. Oder Led Zeppelin. Die Loops sind erbarmungslos, vielleicht eine Frechheit, vielleicht deswegen cool. Noch nach dem dritten Stück glaube ich daran, dass er gleich einen schlechten Scherz entlarven wird. Nicht.
Zum vierten Stück sind Leute von ClickClickDecker dabei und es klingt nach Musik. Aber nur bis er wieder zu Singen beginnt. Erst zum Schluss wird’s erträglich, aber da klingt’s dann auch nach Joshua Radin und daher auch nicht wirklich gut.

Das ist der Moment an dem ich raffe, dass Oliver Stangl da ist. Der gehört zu ClickClickDecker, krass. Gutes Zeichen. Zuletzt habe ich ihn gesehen beim ehrwürdigen Konzert des Nils Koppruch. Erst jetzt bemerke ich die Pedal Steel Guitar, das herrlichste Instrument. In meiner persönlichen All Star Indie Band ist Olli gesetzter Mann für alles was Saiten hat.
Mit diesen Gedanken abgeschlossen, ist Kevin Hamann auch da und die Band komplett. Los geht’s mit dem beliebtesten Spotify Hit, gefolgt von Bücher deine Kissen. Ein gut gewählter Start und schon sind alle wieder versöhnt. Das bleibt man auch als Petula wieder da ist, sich ans Schlagzeug setzt und von da an begleitet, als wäre das schon immer so. Was kommt wenn nichts kommen will ist zwar kein neues Stück, landet nun aber auch auf meiner Liste zum Nachhören und dient heute als Teil einer Geschichte um Leberkäse. Schon sind alle Instrumente gestimmt.
Harmonisch, melodisch bin ich arg überzeugt, textlich wird zwar viel gebogen, mit etwas Wohlwollen geht das aber voll in Ordnung. "Man läuft halt um die Wette um zu gewinnen", so sagt er es selbst. Gilt das auch für Songwriter? Er hätte starke Wettbewerber, die sind flinke Renner. Der Vorteil seiner Musik ist, dass er sie manchmal schreien kann. Laut wird er so manches Mal. Und schafft damit ein Stück Abgrenzung. Schön wäre trotzdem, wenn da noch mehr Pedal Steel vorkommen würde.

Zur Zugabe macht das Publikum nochmal Lärm und ein schönes Konzert geht zu Ende. Einen Montag kann man durchaus so verbringen, das neue Album wurde als solide Weiterführung vorgestellt, ohne die ganz großen Überraschungen.

Text:
Manuel Niedermann
Geschrieben am
20. Februar 2014
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Indie, german, singer-songwriter, deutsch, indie pop
Petula Petula
singer-songwriter, experimental, Indie, german, berlin