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Dillon im Rocker 33
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Dillon im Rocker 33

Hype oder Geniestreich, Ohrenschmaus durch wohlige Klänge oder Durchzug wegen lautem Geschrei. Am 14ten Dezember haben wir im Rocker 33 dem Debutalbum des Jahres gelauscht.

Ein Hype bricht über einen Künstler meist wie eine Welle ein. Das wir im Zusammenhang mit Dillon über einen Hype sprechen ist nicht zu diskutieren. Wenn sich vor dem Rocker, zwei Stunden vor Beginn des Konzertes, noch einmal so viele Menschen befinden wie eigentlich Platz haben um noch eine Karte zu ergattern um auf keinen Fall das Highlight des Konzertjahres zu verpassen, ja, dann können wir ohne Bedenken von Hype sprechen. Damit gab es am Eingang glückliche und traurige Gesichter. Kartenbesitzer und Nicht-Kartenbesitzer. Stylos und Extrem-Stylos. Immer lecker mit Bier und Wein hinein in das Rocker 33. Doch wie so oft lief alles einmal völlig anders als erwartet. Und sehr selten wende ich mich von einem Künstler ab, der mich auf Platte so begeisterte.

Dillon ist natürlich kein dummes Mädchen und weiß schon längst, dass die Hypewelle über sie eingebrochen ist. Viele haben sich bei diesem riesen Druck schon das Genick gebrochen, doch Dillon geht in Deckung und taucht ab. Haare vors Gesicht, hinter dem Klavier verstecken und so wenig möglich auffallen. Blöd nur wenn man auf der Bühne steht. Und vielmehr kann man nun auch wirklich nicht sagen über das sogenannte Konzert. Braune lange Haare, ein Bass der den braunen Ton sucht und Lieder die sich auf der Bühne wie auf Platte anhören. So etwas kann funktionieren, wenn man Lykke Li, The Knife oder Hundreds heißt, doch diese Souveränität muss man sich erst erspielen. Dillon hat sie nicht und das merkt man ihr auf jedem Schritt den sie macht an. Einmal geht das Licht an und alle dürfen Tip-Tapping mitsingen. Das ist schön, erinnert ein wenig an Weihnachtsfeier, doch postwendend muss das Licht wieder ausgemacht werden. Zuviel Spaß wäre bei dieser Musik ja auch unangemessen. Warum sie die Menge auf Englisch zum Mitsingen animiert bleibt mir dabei genau so ein Rätsel, wie ihr leises Geflüstertes: man kann das Licht jetzt wieder ausmachen.

Den Anwesenden ist dies sowieso alles egal. Und nun beginne ich eigentlich abzukotzen. Denn warum die meisten Leute sich an diesem Abend versammelt haben, weiß ich nicht. Um Musik zu hören sicherlich nicht. Dillon wird dermaßen wenig beachtet, dass ich nicht weiß ob die Konzertbesucher überhaupt wissen, was ein Konzert ist. Diese Veranstaltung mit einer Bühne und musizierenden Menschen oben drauf. Ja, liebe Dillon-Besucher, dies nennt man ein Konzert. Und wenn ihr unbedingt einen Austausch sucht um über die nettesten und neuesten Jutentaschen und Hornbrillen zu diskutieren, dann kann man das auch sehr gern auf einer Messe machen. Vorschläge für Lokalität und Termin für solch eine Messe könnt ihr an info@kulturpegel schicken. Wir werden das dann aufziehen und keiner muss mehr 15€ für ein Konzert ausgeben, dass er eigentlich gar nicht sehen will, dies aber machen muss um sich und seine Szenemode zu präsentieren. Alle wären glücklich! Ihr, Dillon, Wir und vielleicht auch Manuel Niedermann: mal sehen was er über das Konzert zu berichten hat:

Hype! Und nun wirklich nicht das Debutalbum des Jahres. Ich nehme auch die quasselnden Besucher in Schutz. Nach vorne schauen hat eh nicht gelohnt, zu sehen gab es nämlich nichts, zumindest nicht die erste Hälfte des Konzerts. Dass Madame Dillon dann aus ihrem nebeligen Eck hervorkriecht, sogar die Haare aus dem Gesicht nimmt, als ich die Kamera gefrustet eingesteckt und den nahen Bühnenrand verlassen habe, kann keiner ahnen. Denkt euch halt das, was ihr auf den Bildern nicht erkennen könnt. Sonst gilt die Ansage des Vorredners: hundert bessere Konzerte dieses Jahr in unserer Stadt und nicht halb so viele Leute dort gesehen. Gut gemischt war das Tape, dass da abgespielt wurde schon, und Dillon hat auch eine schöne Stimme. Sie macht nur nichts schönes damit.These: Ein Konzert dass im Rocker stattfindet muss so cool, so hipp sein, dass man einfach hingeht, egal was es ist. Lasst mal nen Test starten, danach könnt ihr die Bude dann auch abreißen.Oder macht was ihr wollt, ich geh' jetzt los zum Weihnachtskonzert des Möhringer Musikvereins.

Text:
Markus Bur am Orde
Geschrieben am
08. Dezember 2011
Dillon Dillon
female vocalists, experimental, electronic, piano, german