Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

The Dirty Nil im Goldmark's

"Welcome to the rock'n'roll show!"

Dieser Support macht seinem Namen alle Ehre: White Trash aus dem englischen Bristol. Raunend und feixend stolziert der Front-Showman durch seine selbsternannte "Danger Zone" vor der Bühne herum. Zugegeben mal eine andere Betrachtungsweise des anfänglich oft leeren Raums, den Bands in der Regel mit Einladungen, näher zu treten, füllen wollen. Die fünf Briten, die den kleinsten Raum auf der Goldmark's-Bühne in fünfköpfiger Besetzung ohnehin restlos aufbrauchen, performen leidenschaftlich, singen mehrstimmig, blödeln zu Songs wie „Fuck U“, „Kill The Cool Kids“ oder „Reverse Engineering“ quer durch den Raum. Zum Abschluss der schnellen Show, die von Punk’n’Roll, Rockabilly und purer Unterhaltungskunst geprägt ist, turnt der Mann am Mikrofon noch vom Bartresen über zum Mini-Merchstand, auf dem Shirts mit seinem Konterfei und ein kleiner Sticker mit „Got Weed?“ zu finden sind. Also wir wären jetzt bestens aufgewärmt!

Von White Trash gibt es übrigens bisher nur zwei Songs auf einer 7inch zu kaufen. Bei dem Live-Aufgebot folgt aber sicher bald mehr.

Also plötzlich amerikanischer Hip Hop (War es „Gold Digger“ von Kayne West?) durch den Laden ertönt, sind viele kurz verwirrt. Ein lockiger Drummer, ein Gitarrist mit silbrig glitzerndem Rodeo-Hemd und ein klein wenig älterer Bassist mit einem The Dirty Nil Shirt grooven sich dazu auf der Bühne ein und legen nach wenigen Atemzügen Motorhead-like frontal los. Die Songs der Kanadier sind live zigfach greifbarer als nur von der Platte und schon nach wenigen Augenblicken lassen sich die ersten im Publikum spingend und wankend gehen.

Im Zentrum des Geschehens turnt ein junger Mann in Daunenjacke, Beanie und Sonnenbrille. Mit seinen Tanz- und Gesangseinlagen, die oft unkoordiniert und erheiternd improvisiert wirken, könnte er auch locker als Ultrafan durchgehen, den die Band seit einigen Shows nicht loswird. Aber nein – seine eingegipste rechte Hand entlarvt ihn als den eigentlichen Bassist, der auf der Europatour von The Dirty Nil nach seinem Malheur kurzerhand vom Bassisten der Band vertreten wird, deren Support sie vorher waren: Billy Talent. Jon Gallant für seinen Teil macht seiner Vertreterrolle alle Ehre, rockt und rollt sich durch das Set, als wäre er schon Jahre mit The Dirty Nil unterwegs.

Nach einer ganzen Menge alter und neuer Songs, nimmt die „Rock’n’Roll-Show“ auch schon wieder ein Ende. Moshend schreien alle nach noch einer Zugabe, niemand hat die Absicht, schon nach Hause zu gehen.
Bei dieser inzwischen zweiten (oder sogar dritten?) Stuttgart-Show liefern die drei bzw. diesmal vier Kanadier wieder großartig ab. Und wir sind uns sicher – trotz gleichzeitiger Shows von Turbostaat, … Trail of Dead und und und – haben wir mit diesem Konzert an diesem Donnerstag alles richtig gemacht.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
22. Februar 2019
The Dirty Nil The Dirty Nil
rock, punk, grunge, canadian, toronto