Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Drangsal im Wizemann

Zores, Zärtlichkeiten und Liebe.

Wer Max Gruber a.k.a. Drangsal ( mit und ohne Band) schon Mal live gesehen hat, erwartet nicht weniger als ein astreines Konzert. Enttäuscht wurden wir glücklicherweise am Samstag im Im Wizemann nicht. Gruber betritt kurz nach 21 Uhr die Bühne, nachdem der Support Search Yiu dem vollen Club im Wizemann mit seinem Mix aus Hip Hop und Trap eingeheizt hat.

Bestens gekleidet und mit rotem Glitzer geschminkt, begrüßt er das Stuttgarter Publikum und legt mit der ersten Nummer „Jedem das meine“ los. Gut 80 weitere, kurzweilige Minuten folgen, in denen Gruber nicht nur Songs vom Neuling zum Besten gibt, sondern auch von seinem Debut „Harieschaim“. Die volle Bandbreite seiner wunderbaren Indie-Popsongs, die mal post-punkiger, mal waviger klingen, bringen die Meute zum Kochen. Zores gab es bei „Jedem das Meine“ („Wenn sich einer fragt, warum ich weine. Ich will doch nur euer Bestes - ich will jedem das Meine!“), zärtlich und fast schon verzweifelt dagegen klingt dann „Und Du?“ („Gegen die Decke meines Schädels schlägt ein Spalier junger Mädels. Und du? Schaust mir hilflos zu.“). Liebe verteilt Gruber in alle Richtungen. Sei es ins Publikum, als jemand reinruft „Max, ich liebe Dich!“ oder in Richtung seines Bassisten, den er liebevoll den „zweitschönsten Bassisten Stuttgarts“ nennt. Denn der schönste sei ja Julian Knoth (Die Nerven).

13 Nummern spielt die Gruber`sche Band und legt vier weitere Nummern bei der Zugabe hin. Das Finale Grande macht dann „1000 & 1 Nacht“, ein Klaus Lage Cover. Schöner könnte man so eine Show nicht beenden.

Mit seinen morrisseyesquen Gesten und seiner weltoffenen Präsenz schlägt Gruber ordentlich Falten in der glattgebügelten deutschen Poplandschaft. Dafür muss man ihn einfach lieben. Er will nicht gefallen und tut es trotzdem. Erwachsen und aufgeräumt wirkt der sympathische Pfälzer und wir freuen uns jetzt schon riesig auf das nächste Album und die nächste Tour.

Text:
Nataša Knežević
Geschrieben am
18. März 2019