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Fotos im Schocken Stuttgart 2008
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Fotos im Schocken Stuttgart 2008

Da waren Sie wieder. Die Fotos im arg gefüllten Schocken rissen alle mit. Eine gut gelaunte Crowd und eben die Fotos selbst in gewohnt lässiger, charmanter Stimmung waren der Auslöser für eine mehr als dreistündige (Indie-)Sause.

Recht pünktlich um 21.00Uhr kommt am 17.04.2008, auf die Bühne des gemütlichen Schockens in Stuttgart, die Vorband Cartridge. Während die ersten Songs relativ sphärisch vor sich hinplätschern überzeugen vor allem die letzten Songs des Sets, die mit überwiegend vorprogrammierten Beats aus dem Keyboard und Synthie-Sounds untersetzt werden. Dennoch leisten die vier allesamt viel Handarbeit an Ihren Instrumenten und auch am Mirkofon, wo Sänger Mathias Wullum Nielsen seine gesichtsverzerrten Lyrics zum Besten gibt. Die vierköpfige, dänische, Indie-Rock-Formation bringt in Ihre englischen Ansagen immer wieder ein deutsches Wort unter, sodass die Vermutung nahe liegt, hier würde eine deutsche Band im heimischen Stuttgart rein international denken und es lustig finden, in einer falschen Sprache Songs anzusagen.

Die Fotos um Tom Hessler, Deniz Erarslan, Frieder Weiss und Benedikt Schnermann eröffnen danach ein vor Melodien, Powerakkorden, enorm tanzbaren Rhythmen und souligen Einlagen strotzend geprägtes Set. Passend dazu schicken Sie mit Das ist nicht was ich will und Serenaden zwei Songs vom just erschienenen Nach dem Goldrausch -Album in die Menge, die wie so viele Songs des Albums die Symbiose aus neuen Ideen und bewährten Stärken perfekt darstellen.

Im Folgenden wechseln sich neue und alte Songs ab. Bei den einen wird geschwelgt ( Ein Versprechen oder Ein Freak und ein Spinner ), bei den anderen mitgesungen ( So fremd ), bei den nächsten das Publikum aktiv aufgefordert mitzuschreien ( Ich häng an dir und du hängst an mir ), bei manchen das neue Können bestaunt ( Fotos ) oder es wird einfach nur so arg getanzt ( Komm Zurück ), dass die Fotos dazu gezwungen werden, immer wieder kurz zu stocken, um das Publikum wieder runterzubringen.

Mit diesem Publikum wird sich aber durchgehend nett unterhalten, doch im Mittelpunkt stehen klar die Songs, die dazwischen geparkt werden. Da wird aus den klaren Glücklich Eigentlich und Wiederhole deinen Rhythmus eine unüberhörbar raue Angelegenheit, im positiven Sinne.

Immer wieder wird betont wie großartig die Stimmung ist in Stuttgart, wie toll die Fans, sich bedankt - Standardsprüche für jede Band. Nur möchte man dies nach der sechsten Ansage nur zu gerne Glauben, denn die Fotos spielen, als hätten sie auch noch Spaß an der ganzen Sache. Und genau das macht die ganze Angelegenheit rund um die Fotos so charmant und bringt den Fotos allerorts Sympathien ein.

Zum Schluss wird dann nicht wie gewohnt überzeugend Deichkinds Remmi Demmi in der zurechtgemachten Fotos-Version präsentiert, sondern die neue Single Explodieren . Es folgen zwei Zugaben, darunter Giganten , welches zuerst arg ruhig angegangen wird, um dann doch abgefeiert zu werden wie kein anderer Song am Abend. Man stellt fest, dass die Fotos inzwischen genügend eigene Songs haben, die wie in Stuttgart ein zweistündiges Set bestücken können und das bekommt man bei einer Band mit zwei Alben nicht bei jedem Konzert präsentiert.

So wird um nach Mitternacht die ausgelaugte, tanzbare Crowd wieder nach draußen geschickt, in das trübe Stuttgart, ins normale Leben, nach dem Goldrausch.

Text:
Stefan Haug
Geschrieben am
25. September 2008