Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Gurr im Keller Klub

Ein Keller voller wilder Gurrls.

Die zwei jungen Frauen auf der Bühne zupfen schon an ihren Saiten, die Schlagzeugerin ist eben noch in Richtung Raucherraum verschwunden. Im ausverkauften Keller Klub haben sich die meisten inzwischen ein kaltes Bier gesichert und schönes Plätzchen gesucht, um die ein oder andere Anekdote über die sanitären Anlagen loszuwerden.

Als es schließlich losgeht, fügen sich Jealous aus Berlin zu einem noisigen Gesamkunstwerk aus Lack, Schnaps und Attitüde zusammen. Richtig gelesen, die Jägermeisterflasche gehört nicht nur zur Kulisse, die ist fast das vierte treu umsorgte Bandmitglied dieser krachig-schrammeligen Combo.
Die beiden Sängerinnen tauschen mal Bass, mal Gitarre, tanzen sich an, verknoten Beine und Blicke. Nach einer halben Stunde und einigen wilden Showeinlagen, mit denen sie den Keller fest im Griff haben, bekommen sie Besuch von Gurrs Laura am Schellenkranz. Bei diesem – nach Jealous - bisher einzigen Hit namens „Thunder“ (gleich mal reinhören) wird nochmal alles aus den Saiten rausgeholt: Gitarristin Sissy Johnny reibt ihre Saiten am Boden, am Hintern von Bassistin Dane Joe, am Drumset von Alice Huet, an ihrer Zunge, am Boden, an einer Flasche. Dieses Rauschen entlässt uns in eine kleine Pause, die wir ebenfalls mal nutzen, um ein bisschen in Sachen Alkohol und Nikotin nachzutanken.

Vor der Bühne schlagartig voller wird es bei Gurr, die für heute Abend ihre neue EP mitgebracht haben. Auch die zwei Sängerinnen von Jealous sichern sich noch schnell einen Platz zum Eskalieren in der ersten Reihe.
Alle sieben Songs auf “She Says“ driften eher in ähnlich gemächliche Gefilde wie „Hot Summer“ oder „Walnuss“, trotzdem wird ab dem ersten Song getanzt, geschüttelt und gewippt.
Nach einem kleinen musikalischen Ausflug zu Ehren Gwen Stefanis schenken uns Gurr einen schnellen Ausrastmoment zum guten alten „Rollerskate“ und einem Haufen mehr von ihren unwiderstehlichen Songs zwischen Punk, Surf und Garage. Besonders schön in Erinnerung bleibt Lauras und Andreyas schwelgender Exkurs über ihre guten alten Punkerjahre und die Band Ein Eimer voll Hass. Klar stimmen sie auch eigene Songs über tote Ratten und asoziale Biergelage an – alles im sauberen Hausmaus-Reim – und alle gröhlen mit. Gurr lassen sich für ihre Shows immer spontan neue Wendungen einfallen.

Während beim letzten Auftritt im Merlin noch einige Mädels zum Women’s March auf der Bühne marschierten, gab es diesmal ein heillos moshiges Durcheinander im überwiegend weiblichen Publikum. Anfangs noch mit crowdsurfenden Bandmitgliedern, fröhlichem Gehüpfe und Gerempel, am Ende leider unnötig stressig, weil sich noch ein Haufen miefender Trottel zum Pöbeln ins Publikum verirrt hat.

Kurz zusammengefasst, damit ihr euch jetzt endlich der neuen Gurr-EP widmen könnt: Die zwei Gurrls schaffen es, einfach geile Songs zu machen, uns mit ihren Ansagen und Anekdoten zum lachen zu bringen und am Ende des Abend verschwitzt durch die Nacht torkeln zu lassen. Nur Schade, dass so ein Abend irgendwann auch ein Ende hat.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
12. April 2019
Gurr Gurr
garage, bandcamp
Jealous