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Hundreds im Speakeasy - das Konzert
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Hundreds im Speakeasy - das Konzert

Retro ohne Stromson hatten also keinen Saft in ihren Saiten und Tasteninstrumenten. Und deshalb wurden den wunderbaren, selten mit Worten gerechtfertigten Hundreds dann doch ein Besuch abgestattet. Und wem man auch danken musste, dem Elektriker im Schocken, den Gitarren von Retro Stefson oder dem Trafo in der Hirschstraße, man sollte Ihnen oder Ihm von Herzen huldigen, dass sie es komplett verkackt haben, denn Hundreds waren mehr als nur ein kurzer Besuch wert.

Nach 20 Minuten war uns eigentlich klar, dies ist das Highlight des Pop.notPop. Mit solch einer Wucht hatten wir die lieben Nordlichter nicht erwartet. Mit solch einer Präsenz und ausgelassenen Bühnenperformance auch nicht. Und wie schön das in dunkle Farben getauchte Speakeasy sich in den Liedern des Sets wiederfindet, war schlicht atemberaubend. Die Pop.notPoper tanzten und staunten über das neue Material, dass dicht, undurchdringlich und progressiv sich den Weg durch den Nebel suchte und, wie eher selten bei solcher Musik, auf Anhieb auf begeisternde Ohren stieß. Wie die beiden Hamburger das machen: kalter Musik Leben einzuhauchen, perfekt Elektro mit Pop zu verschmelzen und dabei den Hörer nicht zu verlieren, ist und bleibt mir immer noch ein Rätsel. Dass sie es grandios live mit Visuals umsetzen und dabei jedem im Saal eine Gänsehaut verleihen, wenn sie grandios abgestimmt, genau dann einsetzten als man es am wenigsten ahnt, war so nicht zu erwarten und wird für lange Zeit in Erinnerung bleiben. Man wird sich an einen Rauschzustand zurückerinnern, an geschlossene Augen, an zur Fleisch gewordene Musik. Hundreds sind zu einer Institution geworden und wenn sich dieses Konzerterlebnis auch nur annähernd auf der neuen Platte fortsetzt, erwartet uns ganz großes.

Dann können wir also nach Hause gehen!? Alles gesehen, alles gehört?! Na dann schauen wir mal noch kurz bei Retro Stefson vorbei, man hat ja sowieso schon bezahlt, besser kann es ohnehin nicht werden, dachten wir, dachten viele…Wie falsch wir doch lagen und wie es mal wieder zeigt, dass man diese abgebrühten Isländer niemals abschreiben sollte…

Text:
Markus Bur am Orde
Geschrieben am
13. November 2011
Hundreds Hundreds
electronic, electronica, Indie, ambient, german