Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Love A, Kontrolle und Maffai im Juha West

Sie sind individuell, das machen sie gut.

Eins gleich Mal vorneweg: Love A habe ich erst vor fünf Wochen in einem größeren Venue gesehen und wusste ja eigentlich schon, was mich erwarten würde. Das mindert den Spaß keineswegs und umso größer war die Vorfreude, sie in einem kleineren Laden zu sehen. Im rappelvollen und ausverkauften Juha West ging es dann richtig rund.

Aus Zeitgründen hat es für die erste Vorband, Maffai, leider nicht mehr gereicht. Dafür knallte die zweite Band Kontrolle dann so richtig! Hinter Kontrolle verbergen sich keine Unbekannten, Drummer Andrew kennt man von Sunlun, Daniel und Carsten von Blank. Die ganz alten Hasen kennen Carsten sogar noch von Forced To Decay. Die drei Herren sollte man sich auf jeden Fall merken, denn das wird sicherlich nicht das letzte Mal sein, dass sie in der Region spielen. Uns haben sie auf jeden Fall direkt mit ihrer gut dosierten Mischung aus Postpunk und Wave überzeugt und bereiteten Love A den perfekten Nährboden für den weiteren Abend.

Nicht nur im Punk zuhause.

Wie in der Ankündigung bereits versprochen: Die sehr nachdenklichen Jungs haben sehr schlaue Songs gespielt. Sie hatten viele Kracher im Gepäck und den Anfang machte „Oder?“ vom 2013er Album „Irgendwie“. Die über 20 Songs stammten aus dem gesamten Repertoire der Band und man merkte auch schnell, dass einige eingefleischte Fans im Publikum waren, denn es wurde gleich lauthals mitgesungen. Und dass Love A schon auch ein wenig im Mainstream angekommen sind, machte sich anhand des ein oder anderen Konzertbesuchers bemerkbar, der bei einem Revolverheld-Konzert nicht weiter aufgefallen wäre. Und das ist ja auch gut so, denn Love A sollen von ihrer Musik leben können.

Und Love A können sicherlich auch damit leben, dass ihre Fans nicht nur im Punk zu Hause sind. Zum Publikum jedenfalls haben sie immer einen engen Draht und rattern nicht nur ihre Songs runter. Sänger Jörkk interagiert zwischen jedem der einzelnen Songs mit dem Publikum und erzählt zum Beispiel, dass der nächste Song seinem Zahnarzt gewidmet sei, da er sich in München einen Zahn ausgeschlagen habe (kleine Anmerkung am Rande: vor fümf Wochen in Mannheim erzählte er davon, wie er sich mehrere Zähne (!!) beim Maifeld Derby ausgeschlagen habe. Lieber Jörkk, solltest Du das lesen: ich hoffe, Du hast ne Zahnzusatz?).

Und dann setzt „Trümmer“ ein. Bäm! Und so ging es in einer Tour weiter und weil man sich die ganzen Sprüche, die Jörkk reißt, nicht merken kann, sagt er selbst, dass er eine Sammlung seiner schlechtesten Ansagen seit Bestehen der Band herausbringen und es „Das Schlimmste aus 10 Jahren alkoholinduzierter Dummheit“ nennen sollte. Viel zu schnell vergehen dann die gut anderthalb Stunden zwischen weiteren Songs und Jörkks brüllend komischen Ansagen („Ich wollte eigentlich gegen die Schwaben hetzen, aber wir waren gestern in Zürich. Neue Pole Position, würde ich sagen!“) und Verbiegungen am Mikro. Das große Finale setzt dann mit „Brennt alles nieder“ ein und alle singen mit. Die Band, sichtlich gerührt, steht da und freut sich. Und wir freuen uns auch. Auf ein Wiedersehen. Ein baldiges!

Setlist:
Oder
Juri
Nachbarn II
Lose your Illusion
Brain Decoder
Entweder
Die Anderen
Trümmer
Kanten
Unkraut
100.000 Stühle
Atomstrom
Individuell
Nichts ist leicht
Totel Winkel
Weder noch
Pascow
Windmühlen
Chefkoch
Freibad
Valentinstag
B.A.N.

Text:
Nataša Knežević
Geschrieben am
10. Dezember 2018
Love a
punk, punk rock, german, Indie, pop punk