Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Pascow im Universum

Bandliebe auf den zweiten Blick.

Wenn man sich erst beim sechsten Album für eine Band erwärmen kann, ist die Erwartung an eine Show der selbigen dann ein wenig ambivalent. So geschehen bei Pascow und ihrem Werk „Jade“, mit dem sie gerade durch einige deutsche Clubs ziehen.

Im restlos ausverkauften Uni betrat das saarländische Punk-Quartett die Bühne und alle Zweifel verflogen binnen Sekunden. Schnell war klar: Hier stehen würdevoll alternde Punks auf der Bühne, die sich alles andere als verstecken müssen! Schon beim Opener „Silberblick und Scherenhände“ fliegt der erste Gast durch die Luft und die Stimmung kocht über. Wenige Minuten später tropft dann das Kondenswasser von der Decke und auch die Band schwitzt mit dem Publikum um die Wette. Die Ansagen von Sänger Alex Pascow (Klugschiss am Rande: alle Bandmitglieder heißen Pascow, kleine Reminiszenz an die Ramones) sind genau so politisch wie lustig. Seitenhiebe gegen ihr Herkunftsbundesland Saarland fallen des Öfteren, genau so wie die mehr als angebrachte Kritik an unserer Gesellschaft, an Kommerz und Engstirnigkeit:
„Die da vorne wie aus Jade. Die reißen uns jetzt auf. Für kaum mehr als eine Stunde wird dieses Rattenloch zum besten Platz der Stadt. Himmel auf für das Geballer. Hört einfach nie mehr auf. Werdet Riesen, bleibt nur weg von leeren Szenendogmen und verdammtem Mittelmaß.“

Die Punk-Kapelle spielt gut anderthalb Stunden lang neue und alte Songs (und auch ein Against me!-Cover, yeah!) und es ist nicht auszuschließen, dass sich schon bald zum sechsten Album die fünf vorherigen Alben in der Plattensammlung gesellen.

Setlist:
Intro
Silberblick&Scherenhände
The Weltordnung ist the Fuck
Die Realität ist Schuld
Merkel Jugend
Wenn Mila schläft
Jade
Diene der Party
Lauf Formest Lauf
Im Raumanzug
Äthiopien die Bombe
Kriegerin
Spraypaint the walls / White people for peace
Castle Rock
The Strongest of The Strange
Trek der Toten
Poison au coeur
Unter Geiern
Too doof to fuck
Mond über Moskau
Heute Jäger, morgen Taucher
KO Computer
Nach Hause
Wunderkind

Text:
Nataša Knežević
Geschrieben am
29. April 2019
Pascow
punk, punk rock, deutschpunk, german, bukowski pop