Kulturpegel

 
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Tour of Tours zurück im Zwölfzehn

„From nothing to dust and from dust to stone and from stone to plant then man.“

Anfang des Jahres war es ein großartiges Spektakel, die zehn Musiker aus sechs Nationen und einer Kombo aus fünf Bands im Zwölfzehn miterleben zu dürfen. Es waren vor allem die individuellen Charaktere, die auf der kleinen Bühne ein wunderbares Ensemble bildeten. Dass dies nicht nur Stuttgart gefiel, sondern wahrlich als „Tour of Tours“ in der ganzen Republik gefeiert wurde, zeigt sich jetzt mit einer zweiten Reise durch die deutschen Clubs.

Anders als bei der Premiere präsentieren sie sich gleich zu Beginn mit gemeinsamen, für dieses Projekt geschriebenen Songs. So startet der Konzertabend mit dem, man könnte sagen, „Soundtrack“ dieses gelungenen Projektes: Song of Songs lässt keine Startschwierigkeiten im Publikum aufkommen, sondern treibt alle Anwesenden vom ersten Takt an das Tanzbein zu schwingen. Es geht einschlagend weiter. Im zweiten Song gibt Tim Neuhaus direkt sein Talent am Schlagzeug zum Besten, während Ryan Thomas Carpenter, der sympathische Chaot an der Seite Ian Fishers, auf dem DJ- Pult steht und in die Tasten haut.

Der Abend verspricht jetzt schon heiß und intensiv zu werden.

Auf einen Country-Song von Ian Fisher, der in mir wieder die Kuh- Metapher aus dem ersten Tour-Trailer wachruft, folgt ein Stück von Honig. Wie auch bei der ersten Tour sind die Stuttgarter bei den Liedern von Stefan Honig stets textsicher. Wenn ich dabei in die Menge schaue und die lächelnden Gesichter sehe, denke ich bei Lemon Law einfach an 'sauer macht lustig' - aber mit Honig viele Menschen glücklich.

Dann wird es etwas ruhiger. Es folgen Songs der betitelten „Zweiten“. So startet der Bandkollege von Tim Neuhaus, Florian Holoubek, mit seinem Song und überrascht mit sanfter Stimme und ruhigem, eingängigen Sound, sodass nach dem ersten rasanten Abschnitt des Abends alle ein wenig runterzukommen scheinen. Ebenfalls rückt die einzige Frau und Geigerin auf der Bühne Heta Salkolahti von Town of Saints für ihr finnisches Lied in die Mitte der kleinen Bühne und der unscheinbare, italienische Kollege von Jonas David wird während eines Stage Dives durchs Zwölfzehn getragen. Dieser Teil des Abends lässt keinen Zweifel daran, dass diese Musiker im Laufe der letzten Monate zu einem großen Ganzen zusammengewachsen sind. Es ist nicht mehr nur eine Idee, fünf Bands auf eine Bühne zu stellen und gemeinsam die Songs des jeweils anderen zu spielen. An diesem Abend ist klar, dass sich die Tour of Tours zu einer großen Einheit entwickelt haben.
Mit Lost at Sea von Honig und dem bekannten „Lalalalala“- Teil dieses Songs, der mit dem weit fortgeschrittenen Konzertabend leicht in Fußballstadiongegröle übergeht, verabschieden sich die Tour of Tours das erste Mal von der Bühne. Doch bei einem Blick auf die vor mir liegende Setlist weiß ich, dass dieser Abend noch lange nicht vorbei ist.

Ryan Thomas Carpenter von Ian Fisher and the Present nimmt nun ein wenig das Partyruder in die Hand und hüpft vom Dj- Pult in die Menge bis auf die Bar und wieder zurück, spielt während der letzten Songs sein Keyboard an der Decke und die Stuttgarter fangen mit Knicklichtern um den Handgelenken zu Euphrates das Pogen an.

Mit einem Golden Circle inmitten des Zwölfzehn geht wieder ein einmaliger, dreistündiger Konzertabend der Tour of Tours voller Leidenschaft und Energie zu Ende und ich bin gespannt, wie die Entwicklung weiter geht.

Text:
Jenny Ziegeler
Geschrieben am
24. September 2015
Tour of Tours
Honig Honig
singer-songwriter, Indie, german, indie pop, calm
Tim Neuhaus Tim Neuhaus
singer-songwriter, german, Indie, acoustic, live gesehen
Jonas David Jonas David
acoustic, german, Indie, singer-songwriter, luisterpaal
Town of Saints
folk, acoustic, under 2000 listeners, mumford and sons, fleet foxes
Ian Fisher and The Present