Kulturpegel

 
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Madsen – Sie waren doch nie weg

Madsen im LKA oder: Ein Abend voller Emotion und dem Gefühl, dass Jugend scheinbar doch nicht am Alter fest zu machen ist.

Das erste was uns heute im LKA auffällt ist, Madsen kommen nach wie vor noch bei einem jungen Publikum an. Gut, dann wird dieser Abend wohl keine wohlig-warme Kollektiverinnerung von Menschen in ihren 30ern, die von früher träumen. Wir sind gespannt! Den Aufschlag machen heute erstmal Grillmaster Flash und seine Jungs. Eine Gemeinsamkeit mit Madsen fällt einem schnell ins Ohr, denn beide Bands kokettieren nicht gerade mit einer klassisch-gefälligen Gesangsstimme. Dennoch kann man sich gegen die Spielfreude der Jungs aus Bremen-Nord schwer wehren. So groovt sich das Publikum zu Songs wie "Hängen mit den Jungs" langsam aber sicher warm.

Nach kurzem Umbau wird die klassisch bestückte Bühne und die LED-Wand darauf erst einmal dunkel. Zum Sound von Streichern aus dem Intro von "Lass die Musik an" schreiten Madsen langsam aber sicher auf die Bretter, die für sie diesen Abend die Welt bedeuten. Das Licht geht an, es geht los und ein Blick auf Sebastian Madsen genügt, um verunsichert zu sein, ob wirklich 15 Jahre seit ihrem Auftritt bei der Rheinkultur vergangen sein können. Heißt: Vor uns steht ein kaum gealterter Sänger im vielleicht gleichen streifen Pulli wie damals. Nur zu den bekannten Songs haben sich inzwischen neuere dazugesellt.

Den ersten Klassiker gab es prompt als dritte Nummer mit "Mein Herz bleibt hier" und die bunte Masse legt schon beim ersten Pogo-Kreis des Abends die Bewegungslatte hoch. Spätestens bei "Rückenwind" ist allen klar, ob 15, 30 oder 50 Jahre vergehen - Madsen funktionieren immer und das ganz ohne Alterbegrenzung. Eine kleine Runde Paartanz später lauschen wir "Nachtbaden" und beobachten die pure Stagedive-Eskalation des Frontmanns. Die Stimmung kocht immer weiter. Die jubelnden Madsen-Rufe verstummen nicht einmal, als das erste Cover des Abends ansteht, "1001 Nacht" von Klaus Lage. Ganz im Gegenteil: Selbst das jüngere Publikum war erstaunlich textsicher. Bei "Kein Mann für eine Nacht" zeigt auch noch Johannes Madsen, was er an der Gitarre kann. Nach "Sommerferien" forderte noch "Du schreibst Geschichte" die Tanzwut des Publikums heraus. in anderen Worten: Pogo, LOS!

Altes und Neues, aber immer mit Message.

Dank der Verschiebung auf einen neuen Termin gab es an diesem Abend mehr neue Nummern zu hören als beim Konzert im letzten Jahr. Auch "Mein erstes Lied" hat den klassischen Madsen-Sound. Der Text bleibt eine Hommage an die junge Liebe - wenn auch etwas poppiger. Wenn die Temperatur ein Gradmesser des Abends gewesen wäre, hatten wohl alle eine gute Zeit. Selten erlebt man das LKA so verschwitzt wie heute.

Dass die Jungs auch die ruhigeren Töne beherrschen bewiesen sie bei einem Duett mit Lisa Who zu "So Cool bist du nicht" oder bei "Kompass"; ein Song der tatsächlich zu einigen Eltern die mit ihren Sprösslingen im Publikum waren, nicht besser passen könnte. Ein weiteres Neues Werk an diesem Abend war ein Cover der Comedian Harmonists namens "Irgendwo auf der Welt", mit dem die Band eine klare Message verband: Seid nicht scheiße und helft Flüchtlingen, niemand weiß wann es uns treffen kann!

Mit "Die Perfektion" und einem MashUp von The Clash endet dieses grandiose Set erstmal. Nach kurzer Zeit gibt es noch ein bisschen Zugabe und der im Intro begonnene Kreis mit "Lasst die Musik an*" schließt sich.

Ja, sie können es noch. Nach all den Jahren reißen Madsen an diesem Abend noch immer Alt und Jung mit und sorgen für ein durchgeschwitztes Konzerterlebnis. Die Cover-Nummern und die gute Mischung von alten und neuen Songs ließen den Abend wie im Flug vergehen und zeigen, wir sind alle so jung, wie wir uns fühlen!

Text:
Tobias Leicher
Geschrieben am
19. Februar 2019
Madsen Madsen
german, rock, deutschrock, Indie, alternative