Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Wanda in der Manufaktur

"Oans, zwoa, drei, via - es ist so schön bei dir!"

Hinten stehen macht hier keinen Sinn. Zwischen älteren Herrschaften und vollen Bierbechern sehe ich sehnsüchtig die ausgelassenen Menschen in den ersten Reihen, die zum Auftakt mit "Luzia" leidenschaftlich die Arme hochreißen. Dann doch lieber die baulichen Vorteile der Manufaktur nutzen und schnell zum Fanblock gedrängelt.

Seit dem 31. März ist das Konzert der Wiener, die ihren Namen der Hure von Wien zu verdanken haben, ausverkauft. Anfang des Jahres hat sich kaum jemand um ein Konzert der Band gerissen. Bis die österreichische Popmusik mit "Amore" unsere Herzen im Sturm erobert hat. Fast alle hier im Saal sind textsicher, alle freuen sich hier zu sein. "In Schorndorf trifft man sich in Downtown, Baby!", heißt es und die Manufaktur bewegt sich zum abgedrehten Sound der Synthies. Nach ein paar Songs vom Debütalbum gibt es den ersten Vorgeschmack auf das Zweitwerk, das schon im Herbst erscheinen soll. "Unser neues Album im Oktober wird nicht so brillant wie "Amore". Wird sich aber besser verkaufen.", sagt der Sänger Marco Michael Wanda und badet immer mehr im ausgelassenen Applaus. Mit einem ausgewachsenem Gitarrensolo geschmückt gibt es gleich noch ein neues Stück.

Bei "Stehengelassene Weinflaschen" ist es ganz um Wanda und Schorndorf geschehen. "Es ist schön bei dir!" rufen alle im Chor und der Frontmann lässt sich theatralisch leidenschaftlich auf die Bühne fallen. Darauf brauchen eigentlich auch wir einen Schnaps. Nach einem kurzen Crowdsurf zur Bar und zurück setzt die ganze Band wieder zum kollektiven "Wenn du mich liebst" ein.

Das erste Finale gibt es dann nach knapp 70 Minuten mit "Bologna". Mit vielen von Hand geformten Herzen und Luftsprüngen lassen sämtliche vordere Reihen ihrer Freude freien Lauf. Doch die Zugabe lässt nicht lang auf sich warten: Nach "Wenn Ich Zwanzig Bin" fahren wir mit "Easy Baby" raus aus der Stadt. Der dritte neue Titel des Abends beginnt dann mit einem gemeinsam einstudierten "Oans, zwoa, drei, via - es ist so schön bei dir!" Und der Schorndorfer Chor glänzt mit voller Aufmerksamkeit. Ein letztes und erneutes "Luzia" zur letzten Zugabe begleitet uns zufrieden hinaus.

Das war wahrlich ein Abend im Zeichen des Gefühls der Gefühle. Davon bitte gerne mehr.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
22. Mai 2015
Wanda Wanda
indie rock, austrian, dutch, nederlands, female vocalists