Amore
 

Amore von Wanda

Genre: indie rock, austrian, dutch, nederlands, female vocalists

 
  1. Bologna
  2. Jelinek
  3. Luzia
  4. Auseinandergehen Ist Schwer
  5. Kairo Downtown
  6. Stehengelassene Weinflaschen
  7. Schick Mir Die Post
  8. Bleib Wo Du Warst
  9. Wenn Ich Zwanzig Bin
  10. Dass Es Und Überhaupt Gegeben Hat
  11. Ich Will Schnaps
  12. Easy Baby
 
 

Mein Glied unterwirft sich der Diktatur Deines Mundes, Baby. - Wanda aus dem schönen Wien machen irgendwas zwischen Italo- und Austropop mit einer dicken Portion Herzschmerz.

Laszivität pur verspricht der Auftakt ihres Debütalbums. Wanda nehmen sich für ihren Erstling kein geringeres Thema vor als "Amore". Marco Michael Wanda (Gesang), Manuel Christoph Poppe (Gitarre), Christian Hummer (Klavier), Ray Weber (Bass) und Lukas Hasitschka (Drums) betreten im Grunde längst vergessenes Land. Zwischen Austro-, Italopop und Rock'n'Roll machen es sich die fünf bequem und thematisieren die tausend Gesichter der Liebe. Heißblütig besingen sie zu Beginn eine innerfamiliäre Beziehungskiste, als kämen sie höchstpersönlich aus "Bologna", dabei stammen sie aus dem tausendfach romantischeren Wien, voller Zuckerbäcker und Ballkleider.

Komm küss mich noch einmal, säuselt uns Sänger Marco im nächsten Track "Jelinek" ins Ohr. Dabei überschlägt er sich vor lauter Schmäh. Dass es aber auch mal anders laufen kann als ein einfaches Stell-Dich-Ein, wusste schon Shakespeare, der eine Dreiecksgeschichte nach der anderen als dramatischen Selbstläufer präsentierte. "Luzia" nämlich, die Hauptperson des nächsten Songs, scheint etwas hin- und hergerissen: [...] tu mir weh, Luzia, oder irgendwer anders tut‘s statt dir.

Fetzig trabt der Rhythmus über den zusätzlich beteiligten und auch immer wieder als Verlierer dargestellten Thomas hinweg. Wannst bsoffen wirst, redst immer nur von ihr, heißt es in "Auseinandergehen ist schwer". Das klassische Ersäufen von Liebeskummer ist hier nicht mehr als die logische Konsequenz einer Enttäuschung.

Eindeutig mehr Falco und weniger Liebesgesäusel steckt in "Kairo Downtown". Ein bisschen Uptempo, ein bisschen Synthiegedudel - fertig ist der äußert tanzbare Zwischenteil, der zwischen großer Liebe und großer Entäuschung schwebt.
Leidenschaft heißt Leiden und es lässt sich nicht vermeiden, dass die Wunde klafft. "Stehengelassene Weinflaschen" trägt einen ganzen Haufen Katerstimmung mit sich. Dass die Realität für Wanda greifbarer ist als gedacht, wird mit jedem Wort aus "Schick mir die Post" klar.

Alles is wurscht, das Leben ist eh bald vorbei. Die "Himmelfahrt" ist das nächstgreifbarste Ziel eines gebrochenen Herzens. Ähnlich geht es in "Bleib wo du warst": Ich sauf keinen Schnaps, ich sauf einen Pistolenlauf.

Ganz ruhig gestaltet sich hingegen "Wenn ich zwanzig bin" (Ich fall in ein tiefes Loch [...] Baby, hilf mir raus) und geht dabei über in immer weiter entfernte Reflexion in "Dass es uns überhaupt gegeben hat".
Zwischen Leidenschaft und Verzweiflung, mitten im Herzen Wiens und doch überall - Wanda besingt die Jugend, die große Liebe, die überwältigende Gefühle und lässt uns am Ende doch im Unklaren. Austropop vom Feinsten im finalen "Easy Baby" führt uns schließlich in eine unendliche Geschichte: Du und ich für immer!

Im Grunde ist bei "Amore" alles nur Schmalz und Tragödie. Aber genau das ist das Schöne. Überkandidelte Hymnen über die Liebe erheben sich über adoleszente Dramatik. Mal schnell, mal langsam, mal turbulent. Wandas überzeugendes Debüt gleicht einer Mozartkugel: zuckersüß und doch komplex, wenn man sich Schicht für Schicht auf der Zunge zergehen lässt.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
17. Oktober 2014