Das Chaos und die Ordnung
 

Das Chaos und die Ordnung von Die Orsons

Genre: rap, hip hop, deutschrap, german, deutschrap-zukunft

 
  1. Das Chaos und die Ordnung
  2. Das Leben ist sch.
  3. Nachmittag im Park
  4. Übertreiben Baby
  5. Zambo Cristall Merkaba
  6. Für immer Berlin
  7. Horst und Monika
  8. Vodka Apfel Z
  9. Lagerhalle
  10. Rosa, Blau, Grün
  11. Mars
  12. Unperfekt
  13. Wir können alles machen! (Was sollen wir machen?)
  14. Wir waren da
  15. Jetzt (Album Version)
 
 

Zugegeben: Einen faden Beigeschmack hat es ja als Stuttgarter über das Album der Orsons zu schreiben. Lokalpatriotismus könnte man mir vorwerfen. Dem ist aber nicht so.

Ich habe überlegt, welches Album mich im letzten Jahr beeindruckt hat und dieses Album war eines davon, obgleich es sicher nicht das beste Album, was ich letztes Jahr in den Händen hielt. Dafür war eines der überraschendsten und abwechslungsreichsten. Das genügt, um es hier noch einmal vorzustellen.

Die Orsons sind sicher eine Band, die die Gemüter spalten kann. Man kann sie mögen oder nicht. Ihr Album „Das Chaos und die Ordnung“ ist eines, das man mögen könnte.

Beim Hören der LP hat man das Gefühl, dass sich jedes Mitglied der Orsons mit seinen individuellen Stärken einbringen durfte. Da gibt es zum einen die düsteren, minimalistischen Beats mit stimmverzerrter Gesangsstimme von Tua („Lagerhalle“ und „Nachmittag im Park“), und zum anderen die locker-flockig daherklippernden Songs („Übertreiben Baby“). Aber auch seltsam überfrachtete Beats mit Dubstep-Elementen gibt es, die beweisen wie nah Genie und Wahnsinn bei dieser Band beieinander liegen („Rosa, Blau, Grün“ und „Zambo Cristall Merkaba“). Als ob das noch nicht reicht, werden auch eher poppigere Genres bedient („Was würdest du tun“ und „Nachmittag im Park“), die genau den Zweck erfüllen für den sie gemacht wurden: Gute Laune verbreiten und einem die Botschaft zu vermitteln, dass das Leben schön ist („Das Leben ist sch.“).

Die Produktionen sind auf höchstem Niveau und beweisen das Talent von Maeckes und Tua an den Reglern. Wie man es von den Orsons kennt, wird viel expermimentiert. Das Lied „Zambo Cristall Merkaba“ sticht in dieser Hinsicht am meisten heraus. In 10 Minuten werden sechs Beats abgebrannt, die einen allesamt mit offenem Mund dastehen lassen und deren Sahnehäubchen, der Rap-Part von der Tua ist, der sein Talent als Ausnahme-Rapper beweist.

Zwar gibt es auf „Das Chaos und die Ordnung“ auch zweifelhaft gereimte und getextete Tracks wie „Für immer in Berlin“ von Kaas. Doch auch solche „Ausrutscher nach unten“ wirken charmant und zeigen, welche Vielfalt die vier Musiker zulassen. Und immerhin – der Grundgedanke des Songs ist wunderschön naiv: Man kehrt aus Berlin einfach nicht in die Heimat zurück, damit die Freundin die Beziehung nicht beenden kann:

„Wenn ich zurück nach Hause komm,

dann trennst du dich von mir.

Ich bleib für immer in Berlin.

Bloß nicht zurück nach Hause komm'n

Denn ich will dich nicht verliern.“

Inhaltlich und musikalisch hat man sich nicht Musikgenres einengen lassen wie auch die Textzeile „Ich wollte ein paar Tage Bon Iver sein, dann Frank Ocean“ (Mars) beweist und das macht das Album extrem vielschichtig und abwechslungsreich. Trotz der vielen Genres und Einflüssen, die bis zu mehreren Umbrüchen innerhalb eines Liedes reichen, wirkt die LP äußerst stimmig so wie eine Patchwork-Decke, die erst durch die vielen einzelnen Elemente ein Ganzes ergibt. Sicher ist es keine Platte, die man einfach mal nebenher hören kann, aber das macht sie so besonders. Und mal ehrlich? Platten zum Nebenbei-Hören haben wir alle genug im Schrank und auf der Festplatte.

Text:
Alexander Willrich
Geschrieben am
08. April 2013