Mourning Golden Morning
 

Mourning Golden Morning von Ef

Genre: post-rock, instrumental, swedish, experimental, post rock

 
  1. Escapade #1
  2. Sons of Ghosts
  3. K-141 KYPCK
  4. Longing for Colors
  5. Fyra
  6. 401 Lwa
  7. Alp Lugens and Beyond
 
 

Wenn ich mal groß bin möchte ich auch in so einer tollen Band spielen.

Eigentlich wäre es eine logische Schlussfolgerung, dass ich nun eine Plattenkiste über eine Metalband oder irgendeine Elektro-Bumm-Bumm Band schreibe. Doch neben Deichkind, DJ Bobo und irgendwelchen hippen Metalcore Bands, bewegte mich eine Band besonders in den letzten Monaten: EF aus Schweden. Eigentlich hatte ich keine Lust an diesem zweiten Oktober auf Konzert. Arbeit war Scheiße, Wetter auch und den Tag der Deutschen wollte ich eher durchschlafen und ja nicht feiern.

Doch dann kamen diese Schweden ins Juha West. Und es waren nur knapp 70 Leute anwesend.

Escapade #1 führt einen ein in die schöne Welt der… ach was weiß den ich! Bei manchen mögen es Elfen sein, bei manchen Toastbrote… aber dieser Einstand bleibt episch, mit Streichinstrumenten untermalt, eines der Highlight im punkto Stimmungsaufbau für ein Album und leiten in das wohl schönste Lied zwischen Island, Schweden und Südpol zwischen die Ohren – Sons Of Ghosts. Ein (nennen wir es mal) „Beat“ den man nicht mehr aus dem Ohr bekommt. Der sich fluchs in eine einfache Klaviermelodie entwickelt. Hier prallt Einfachheit auf Modernität. Schönheit die vertont wurde. Es ist als würden Gefühle vertont werden: Das Gefühl durch die Wälder Schwedens zu streifen oder einfach das Stadtleben beobachten. Herrje, ich könnte mich in diese Passage reinlegen…. Für immer... Während die Melodie an Auftrieb gewinnt und fast nicht mehr an Schönheit zu überbieten ist (das übernehmen die Streichinstrumente… live brauchen diese Jungs von EF das aber nicht) taucht für Postrock Verhältnisse ein ungewöhnliches Element auf: Gesang!

It's so loud these days - try to remain calm
(All those fading whys)
Letters that I wrote - words that you forgot
(Pearls in shades of grey)
I keep fighting time - keep on walking by
(All those fading whys)

Ist damit nicht alles gesagt? Nein? Na dann haben EF noch weitere Kracher am Start! K-141 KYPCK hat nicht nur einen kryptischen Namen, sondern hat es auch so faustdick hinter den Ohren: Mit massiven Gitarrenwänden möchte man einen in die Knie zwingen, doch so schöner wird die mehr minütige Passage die zum Träumen einlädt. Fast wie bei Sigur Ros! In den fast 8 Minuten passiert vieles, aber auch weniges. Sehr atmosphärisch

Longing the Colors reizt wieder mit Gesang. Thematisch widmet man sich dem was man so in der Umgebung hat: Landschaft, Einsamkeit, Zerbrechlichkeit… Hoffnung! Da mag der Gesang noch so hoffnungsvoll sein… so traurig und einsam klingt er. Das daraus resultierende Inferno der Gefühle (ein dramatischer Rhythmuswechsel) möchte einen nur noch tanzen lassen. Und das schöne ist: in Live war das genauso wie auf Platte – Eine Meisterleistung… wurden hier doch nichts anderes als die Gefühle vertont.

Der Song Frya bietet so etwas wie den Ruhepol in dem Konzept Mouring Golden Morning. Durch die Harmonika fühlt man sich in einem alten Seemannsgarn verflochten… mit der Option gleich noch mal die Hüllen fallen zu lassen. Und baut auf in das Lied 401 Lwa. Manchmal ist es einfach besser die Songtitel beim Arbeitstitel zu belassen: Wie will man sonst diese schiere Wut an allem benennen?

Auch ein Glockenspiel sorgt nur für kurze Besänftigung… denn das darauf folgende Alp Lugens And Beyond stellt die letzten 30 Minuten in Frage. Geilheit in 8 Minuten hatten wir. Geschwind mal Stimmung aufbauen? Auch!.

Hier polarisieren Instrumente mit Elektro-Einspielungen. Im Hintergrund… Kindergeräusche… man zweifelt an dem Ausgang des Liedes: Doch dann ein Auftrieb, der wie ein Marsch klingt. Es wirft einen zurück in das Video von Sigur Ros mit den Titel: Glósóli. Da springen Kinder von einer Klippe und fliegen! Doch das einzige was bei dem Genuss von EF fliegt ist der Verstand! Denn hier werden bodenstämmige und nachvollziehbare Klänge verwendet.

Doch fühlt man sich zu wohl in dieser Traumblase, zeigen EF wo der Hammer hängt. Völlige Ekstase mischt sich mit wilden Melodien.

Hach, wie soll ich euch denn das Album und vor allem die Band noch näher bringen? Hört es euch an und überzeugt euch von den Qualitäten von EF!!

Text:
Rene König
Geschrieben am
08. April 2013