Okkar
 

Okkar von Miri

Genre: post-rock, icelandic, iceland, all, instrumental

 
  1. Goda Konan
  2. Eg a heima a Islandi
  3. Draugar
  4. Sumarid 2009
  5. Hamingjulagid
  6. Grafandi Andra
  7. Drekar
  8. Kappakstur
  9. Jeppar
 
 

Wie immer am Anfang eines Jahres wird zurückgeblickt. Auch in unserer neuen Rubrik Plattenkiste. Normalerweise ist es ist schwer sich auf ein Album des Jahres festzulegen. Nicht so im Jahre 2010, welches als ein ereignisarmes in die Musikgeschichtsbücher eingehen wird. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass eine in Deutschland noch vollkommen unbekannte Band diesen Titel von mir angehängt bekommt.

Was haben die Mannen aus Island mit ihrem Erstling Okkar nur für ein Monster von Album hingelegt. Keinen Falls die Hitdichte ist hier überzeugend, sondern die Abwechslung die einen fast aus der Bahn wirft und es sehr schwer macht sich das ganze Album durchzuhören. Man kennt das, ein Album hat ihre Höhepunkte und ihre austauschbaren Momente. Man möchte sich an den Höhepunkten festklammern und nicht weiterhören, denn dann folgt die Enttäuschung und das eigentliche gute Album bekommt einen faden Beigeschmack. So ähnlich läuft es auch bei diesem Album. Die ersten beiden Lieder sind so überragend, dass man einfach nicht weiter hören will. Goda Konan ist ein Ohrwurm der guten Sorte, was die ersten 100 Sekunden nicht wirklich andeuten. Langsam und träge bilden Electrogeräusche und Gitarren-Sirenen das Songgerüst als würde Trent Reznor seine Finger mit ihm Spiel haben. Doch aus dieser Trostlosigkeit erwacht ein, nennen wir es Refrain, der für Wochen im Ohr bleibt. Wie gesagt ein sehr lieber Ohrwurm, der einem nicht das Trommelfell auffressen will, wie seine hungrigen Kollegen. Eg a heima a islandi geht nicht auf Anhieb ins Ohr. Zu abwechslungsreich ist hier das Arrangement. Schon zu Anfang kämpfen zwei Gitarren um die Vorherschafft, wobei nur eine gewinnen kann und dies auch mit einer Melodie für die Ewigkeit tut. Danach zerfährt das Lied, es kommt von seichten Gewässern in eines mit Turbulenzen und man hofft nicht runter in den Wasserfall gezogen zu werden. Doch Bläser greifen die Melodie wieder auf, helfen dir aus dem sinkenden Schiff und lassen dich die restlichen 3 Minuten mit den einst so schrecklichen Gitarren allein, die sich dann aber als zart und tröstend herausstellen. Dass dies jetzt nicht alles unheimlich abgehackt und kompliziert klingt ist ein Wunder aber Tatsache. Alles fließt und geht, ohne sich auch nur darüber Gedanken zu machen, in einander über.

Wie kann man das noch Übertreffen ohne Ausschalten zu müssen? Doch Miri haben noch einige Asse und schütteln diese wohl überlegt aus ihrem Ärmel. Doch keine schlechten Tricks sind der Grund für die Überlegenheit sondern Spiellust und das Wagnis des Experiments. Draugur fährt dich zunächst nach der vorigen wilden Fahrt mit dem ersten Gesang runter, nur um dann wieder anzuziehen und dich nach 7 Minuten zu verlassen. Grafandi Andra gaukelt dir schnelle Freundschaft vor, doch das Glockenspiel und weitere Entdeckungen lassen einen zweifeln. Drekar könnte 2 Minuten lang im Radio laufen, nur um dann bis auf die Knochen auseinander genommen zu werden.

Man könnte sich über alle 9 Lieder verschiedene Geschichten ausdenken und das ist vielleicht die Stärke. In diesem vollgestopften Werk ist immer genug Platz um den Hörer mitzunehmen. Jede Wendung oder Anbindung neuer Instrumente ist nachvollziehbar, nie überflüssig und immer grandios. Wie Miri diesen großen Makel des Postrocks ausradiert bekommen haben, bleibt wohl ihr großes Geheimnis.

Schreiben kann man noch viel und mir würden noch etliche Geschichten zu jedem Lied einfallen, doch dies soll nicht der Sinn sein. Sondern vielmehr sollte man sich in jedem Fall selber auf diese Hörreise machen um später seine eigenen Erfahrungen zu erleben.

Text:
Markus Bur am Orde
Geschrieben am
08. April 2013